Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

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4. Handlungsfelder und Handlungsspielräume der Entwicklungszusammenarbeit

4.2 Politikdialog und Politikberatung

4.2.1 Politikdialog

Politikdialog in der kritischen Diskussion

Politikdialog erlaubt auch Aufarbeitung bisheriger Erfahrungen und ist hinsichtlich seiner Erfolgsbedingungen und seiner Wirksamkeit nicht unumstritten: sind politisch und wirtschaftlich erstarkende Partnerländer, z. B. in Asien und Lateinamerika bereit, ihn zu führen? Handelt es sich bei kleineren, einflussärmeren Ländern noch um einen Dialog mit gleicher Stimme oder nicht vielmehr um des "Kaisers neue Kleider" für eine kompromisslose Auflagenpolitik? Sind Geberländer bereit, aufgrund eines solchen Dialogs eigene Positionen zu überdenken und Anregungen zu akzeptieren? Und sind schliesslich diejenigen, die den Dialog führen, ausreichend für diese Herausforderung vorbereitet und dazu ermächtigt (z.B. hinsichtlich der Kompetenzabgrenzung zwischen Ministerien und innerhalb der EZ)? Vor diesem Hintergrund erscheint eine sehr sorgfältige und kritische Bewertung auch bei Bodenfragen geboten.

interner Politikdialog

Im Themenfeld "Bodenrecht und Bodenordnung" muss nicht nur der Politikdialog zwischen den internationalen Partnern, sondern auch innerhalb der entwicklungspolitischen Träger in Deutschland intensiviert werden. Es gilt, Informationsdefizite abzubauen (möglicherweise auch in Kreisen der wissenschaftlichen Politikberatung) und Vorbehalte gegenüber einer Thematisierung und Operationalisierung bodenrechtlicher Probleme bei Regierungsverhandlungen und bei der Durchführung von Vorhaben zu verringern. Dazu bieten sich an:
  • Sensibilisierungsseminare, in denen Führungskräfte aus Ministerien, TZ, FZ, den politischen Stiftungen und NROs zusammentreffen;
  • Bearbeitung des Themenfeldes im wissenschaftlichen Beirat des BMZ und im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit (AWZ);
  • Einbringen des Themas in wichtige internationale Foren, wie bei der ISCO-Konferenz im September 1996 in Bonn oder Konferenzen über landwirtschaftliches Wachstum, nachhaltiges Ressourcenmanagement und Armutsbekämpfung in der internationalen Agrarforschung (Amman-Konferenz im September 1997 von ICARDA; DSE und IFPRI, Rio-Nachfolgekonferenzen).

Leitlinien des Politikdialogs zwischen den Partnern der EZ

Ein Politikdialog sollte sich an den "Hinweisen für die Förderung der politischen, rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen im Rahmen der bilateralen staatlichen EZ" orientieren. Sie unterstreichen
  • die Achtung und Wahrung der Menschenrechte. Der Zugang von Frauen zu Boden, aber auch die Sicherung autochthoner Rechte und der von ethnischen Minderheiten stellen hier besondere Herausforderungen dar;
  • die Schaffung von Rechtssicherheit: Erst mit ihr werden entscheidende ökonomische Anreize für hochproduktive und langfristige Bewirtschaftungsmöglichkeiten gegeben;
  • Teilnahme und Teilhabe der Bevölkerung im politischen Prozess (Partizipation): Dies beinhaltet beispielsweise die Stärkung lokaler Eigentümer- und Nutzergruppen bei der Kodifizierung der Eigentumsrechte und der Landnutzungsplanung sowie die Integration des lokalen know hows;
  • den Aufbau eines marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmens, wie er in vielen Transformations- und Reformländern auch hinsichtlich der Neugestaltung der Bodenordnung bereits in Angriff genommen wurde.

Was kann die EZ in den Politikdialog einbringen?

Die deutsche EZ besitzt für Glaubwürdigkeit und Überzeu-gungskraft im Politikdialog günstige Voraussetzungen. Begründet ist dies beispielsweise durch:
  • Erfahrungen mit den Problemen der Transformation von Bodenordnungen (u. a. in den Neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung),
  • nur geringe, bis heute nachwirkende Eingriffe in autochthones Bodenrecht als Kolonialmacht,
  • ein Eigentumsleitbild, das die Sozialverpflichtung besonders betont,
  • langjährige Erfahrungen mit einer dezentralen Bodenadministration,
  • Erfahrungen im Umgang mit bodenpolitischen Instrumenten zur Beschränkung freier Märkte in Übergangsphasen,
  • differenzierte Agrarstrukturen sowie Instrumente zur Unterstützung von Wandlungsprozessen hinsichtlich der Art der Nutzung von Boden.

Mögliche Arbeitsfelder im Politikdialog

Nach den bisherigen Erfahrungen könnte sich der Politikdialog auf folgende Arbeitsbereiche konzentrieren:
  • Stärkung der Sensibilität des Partners hinsichtlich entstehender und sich vertiefender bodenrechtlicher Probleme (Folgen von Landkonflikten für Wirtschaft und Gesellschaft, Blockaden durch Machtkämpfe in der Bürokratie, Investitionsstau, etc.);
  • Diskussion von vergleichbaren bodenrechtlichen Problemen in Nachbarländern mit ähnlichen sozio-ökonomischen und politischen Strukturen sowie den dort gewählten Lösungsansätzen und bodenrechtlichen Instrumenten (z. B. Einschätzung von Chancen und Risiken der Landregistrierung in Thailand als "Fallbeispiel" für das benachbarte Laos);
  • Hinweise auf Art und Umfang von erwarteten bodenrechtlichen Problemen in der Zukunft bei Fortschreibung der gegenwärtigen Bodenpolitik (Pachtprobleme, unzureichende landwirtschaftliche Intensivierung oder Umweltprobleme in afrikanischen Ländern, Zersplitterung durch Erbgang und notwendige Flurbereinigung in Teilen Asiens, wachsende Gewaltbereitschaft durch Landlosigkeit in Lateinamerika),
  • Anregung einer breit geführten Diskussion über die Zukunft von Landwirtschaft und ländlichem Raum (begrenzter Landzugang, sinkendes Interesse an der Landwirtschaft, ausserlandwirtschaftliche Einkommen);
  • Diskussion der Stadt-Land Beziehungen;
  • Erörterung unterschiedlicher Optionen für Bodenpolitik und ihrer Wirkungen in vergleichbaren Ländern;
  • Stärkung der Mediation/Facilitation;
  • Übernahme von Anwaltsfunktionen für benachteiligte Gruppen durch die EZ (s.o.).

Beiträge von Fachkräften zum Politikdialog

Für einen wirkungsvollen Politikdialog müssten, angesichts der vielschichtigen Aufgabenfelder, bereits frühzeitig erfahrene Fachkräfte in den Diskussionsprozess einbezogen werden. Sie sind am ehesten in der Lage, langfristige Wirkungsanalysen von politischen Maßnahmen zu erstellen, Zielkonflikte zu erkennen und Sekundärwirkungen aufzuzeigen.

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