Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

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4. Handlungsfelder und Handlungsspielräume der Entwicklungszusammenarbeit

4.1 Bodenpolitik

4.1.3 Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen

Eine Bodenpolitik, die Effizienz sowie Gleichheit und Umweltverträglichkeit als Zielgrößen ansieht, muss in besonderem Maße die Position der
  • ländlichen und (rand-)städtischen Armen (Armutsorientierung) und der
  • Frauen (Genderorientierung)

stärken. Dies ist um so mehr erforderlich, als gerade Frauen vielfach zugleich zu den extrem (Land-)Armen gehören.

Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die rechtliche Situation indigener Bevölkerungsgruppen vielfach prekär ist und nationalen Nichtregierungsorganisationen, die auch deren Interessen vertreten, die notwendige Anerkennung versagt wird. Der Entwicklungszusammenarbeit kommt auch hier eine besondere unterstützende Aufgabe zu.

Armutsorientierung

Jeder dritte Mensch in Entwicklungsgesellschaften wird als extrem arm eingestuft, da er oder sie weniger als 1 US $ zum täglichen Leben zur Verfügung haben. Dabei erhöht sich das weltweite Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich immer weiter. Unter den etwa 1,13 Mrd. Menschen, die in extremer Armut leben, ist der Anteil von Frauen und Kindern besonders hoch.
Fehlender Zugang zu Land, wachsende Konflikte zwischen Landsuchenden und -besitzenden, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch armutsbedingte Übernutzung der Böden, Wälder und Wasserressourcen und massive städtische Siedlungs- und Bodenrechtsprobleme im Zuge von Abwanderung bilden dramatische Marksteine in einem globalen Prozess. Die Rio-Konferenz und der Welt-Sozialgipfel haben deshalb auch der Armutsbekämpfung absolute Priorität eingeräumt.

Armutsbe-kämpfung als Querschnitts-aufgabe

Armutsbekämpfung ist damit eine Querschnittsaufgabe; sie ist sektor- und politikübergreifend, sie muss ebenso im ländlichen wie im städtischen Kontext ansetzen. Auch wenn der Zugang zu wichtigen Produktionsmitteln, wie Boden, und zu Dienstleistungen, um ihn produktiv zu nutzen (Kredit, Beratung), allein nicht ausreicht, so stellt er doch in vielen Fällen eine notwendige Vorbedingung für weitere Dimensionen der Armutsbekämpfung dar (wie die Teilnahme am Wirtschaftsprozess.)

Gender-Orientierung

Den geschlechtsspezifischen Möglichkeiten und Hindernissen des Zugangs zu Land und seiner Nutzung und der Situation von Frauen muss besondere Bedeutung beigemessen werden. Frauen machen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung aus und leisten zwei Drittel aller Arbeitsstunden. Sie erledigen einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeiten, halten aber weltweit für weniger als 1 % des Landes einen individuellen Titel. Ihre Situation verschlechtert sich weiter, da traditionelle Strukturen sich mehr und mehr auflösen und damit häufig auch die (oft nur sekundären) Rechte von Frauen an Land weiter erodieren.

Forderungen der Weltfrauen-Konferenz

Die Weltfrauenkonferenz hat 1995 in Peking zum einen die Schlüsselrolle des gleichen Zugangs von Frauen zu Grund und Boden herausgestellt; zum anderen hat sie auch unmissverständlich darauf hingewiesen, dass besonders Frauen von Armut betroffen sind.

Anwalt besonders benachteiligter Gruppen

Im Rahmen einer armuts- und genderorientierten Entwicklungszusammenarbeit muss eine rationale und konsistente Bodenpolitik länderspezifisch auch ein besonderes Augenmerk auf die Rechte folgender, oftmals benachteiligter Gruppen lenken:
  • indigene Völker,
  • mobile Tierhalter,
  • Waldnutzer und Waldrandbewohner,
  • Kleinpächter in Bewässerungsgebieten oder
  • Bewohner spontaner Siedler im (sub-)urbanen Bereich.

Indigene Bevölkerungsgruppen Indigene Gemeinschaften haben in der Regel eine enge historische und religiös-spirituelle Beziehung zu ihrem Land. Fördermaßnahmen sollten daher insbesondere auf die Anerkennung individueller wie auch gemeinschaftlicher Eigentums-, Besitz- und Nutzungsrechte an dem von ihnen besiedelten bzw. genutzten Land sowie auf einen wirksamen Schutz vor zwangsweisen Umsiedlungen, entschädigungslosen Enteignungen und sonstigen Eingriffen in ihren Lebens- und Wirtschaftsraum ausgerichtet sein.

Stärkung von
Interessenvertretungen

Demokratisierung und der Aufbau von Mehrparteiensystemen beschleunigen die Formierung unterschiedlichster Interessengruppen. Ihre stärkere Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben, so bei der Mitgestaltung der parlamentarischen Arbeit auf allen Ebenen, sollte nicht behindert werden.

NROs

Eine bedeutende Rolle - gerade im Bereich der Rechtsberatung, der Umsetzung von Landreformen und der Durchsetzung der Rechte der armen und unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen spielen NROs
(vgl. Kapitel 5).

Kirchen als Mittler bei Landkonflikten

Häufig spielen auch religiöse Institutionen eine wichtige Mittlerrolle bei Landkonflikten, wie in der Vergangenheit in Lateinamerika und den Philippinen.

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