Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

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3. Bodenordnung im Brennpunkt - Lektionen der Vergangenheit, Chancen für die Zukunft

3.7 Agrarreform: eine unerledigte Herausforderung

3.7.2 Einflussnahme durch Interessengruppen

Verschiedene Gruppen lassen sich identifizieren, die unterschiedliche Interessen an Agrarreformmaßnahmen haben.

Nationale Regierungen

Regierungsvertreter trauen Kleinbauern häufig nicht zu, fruchtbaren Boden hochproduktiv mit modernen Methoden zu bewirtschaften. Zudem weredn Reigerungen häufig von Grundbesitzern dominiert (vgl. 2.1.2.). Nationale Regierungen haben zudem Angst, dass eine zu schnelle Dezentralisierung die Einheit des Staates bedrohen könne und versuchen daher, möglichst wenig Kompetenzen hinsichtlich der Bodenallokation und -verwaltung an die Provinz- und lokale Ebene abzugeben. In vielen Ländern ist zudem durch einen schnellen Wechsel von Regierungen keine Kontinuität in Agrarreformen gewährleistet. Die Bürokratie ist häufig bei der Umsetzung von Maßnahmen überfordert. Nur starke Regierungen sind in der Lage, unpopuläre Maßnahmen durchzuführen. All dies erschwert die Erreichung der Ziele von Agrarreformen.

Lokale/regionale Regierungen

Die lokalen/regionalen Regierungen haben großes Interesse, stärkere Entscheidungsgewalt und finanzielle Autonomie zu bekommen. Wenn allerdings Provinz-Gouverneure von der Zentralregierung ernannt werden und auch die Zentralregierung Landkonzessionen in der Provinz vergeben kann, bleibt ihr tatsächlicher Einfluss eher gering. Schlüsselpersonen können dabei durch ihre "gate keeper"- Funktion eigene Vorteile erzielen.

Internationales Kapital

Das "internationale Kapital" ist sehr heterogen zusammengesetzt, Generalisierungen sind nicht möglich. Investoren erwarten einen kohärenten, transparenten und marktfreundlichen administrativen und gesetzlichen Rahmen für ihr Engagement. So kann ein unsicherer rechtlicher Status (Pachtdauer und Einklagbarkeit der Rechte) ausländische Investitionen verhindern (z. B. in Mozambique).

Internationale Gebergemeinschaft

Auch die internationale Gebergemeinschaft ist eine sehr heterogene Gruppe, die in der Regel interne Koordinierungsprobleme besitzt. Sie sehen Bodenpolitikreformen in vielen Ländern als wichtiges Ziel an. Zugleich sind bodenrechtliche Fragen, insbesondere die erfolgreiche Durchführung der Vorhaben, aber eine extrem komplexe und politisch sensible Angelegenheit, da sie Verfassungsgüter und die Souveränität von Partnerstaaten berühren. Bilaterale Geber haben oftmals nur geringe Einflussmöglichkeiten, um z. B. im politischen Dialog Reformen anzuregen. Multilaterale Geber, wie die Weltbank, betrieben dagegen lange eine strikte Auflagenpolitik, die einen Dialog erst gar nicht zuließ. Eine kritische Überprüfung dieser Politik und ihre Neubewertung, auch in Koordination mit der FAO und IFAD, zeichnet sich jedoch in den letzten zwei Jahren ab (Binswanger 1996).

Großbetriebe

Bei Großbetrieben kann es sich ebenso um modern geführte Agrarunternehmen handeln, wie um Haciendas mit riesigen, teils brachliegenden Ländereien. Effiziente Betriebe mit moderner Technologie sind an marktgerechten Institutionen, Exportförderung und geringer Steuerlast interessiert. In anderen Fällen haben Eigentümer als "absentee landlords" kein oder nur geringes Interesse an der Landbewirtschaftung und einer Änderung des status quo.

Commercial/ Progressive Farmer

Commercial oder Progressive Farmer sind besonders am technologischen Fortschritt stark interessiert. Sie nutzen staatliche und private Förderinstitutionen und bewirtschaften ihre Betriebe effizient. Sie engagieren sich auch immer stärker, insbesondere in Asien, in Interessenvertretungen der Landwirte (Mitglieder im Parlament, Aufbau von Bauernorganisationen), um die Agrarpolitik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Dynamische Pacht- und Bodenmärkte unterstützen ihre flexiblen betrieblichen Anpassungsstrategien.

Kleinbetriebe

Die Gruppe der Kleinbetriebe ist sehr heterogen und verfolgt unterschiedliche Interessen in bezug auf Bodenmärkte und Registrierung. So kann es sich um einen Bergbauern handeln, der sein Land durch Erosion bedroht sieht oder um Landbewirtschafter im Sahel, die ihre Interessen durch mobile Tierhalter gefährdet sehen. Auf der anderen Seite etablieren sich hochspezialisierte Gärtnereien (Schnittblumen) im sub-urbanen Raum, die erfolgreich exportieren, deren Existenz aber durch ausserlandwirtschaftliche Interessen (Umwandlung in Bauland) in Frage gestellt ist. Oder es kann sich um Landbewirtschafter mit nachlassendem Interesse am Ackerbau handeln. In der Regel fehlt es kleineren Landbewirtschaftern an Macht und Einfluss, um auf die Politik einzuwirken. Insbesondere Interessenvertretungen für diejenigen, die ihre Betriebsfläche vergrössern wollen, existieren zumeist (noch) nicht.

Pächter

Auch die Gruppe der Pächter ist sehr heterogen. Es lassen sich verschiedene Pachtformen (u. a. Teilpächter, Festpächter) unterscheiden. Sie sind an hoher Pachtsicherheit und an einem kalkulierbaren Pachtzins interessiert. In vielen Gebieten beschränkt sich das Verhältnis zwischen Grundbesitzer und Pächter nicht nur auf die Pachtbeziehung, sondern es besteht ein ganzes Bündel von Beziehungen (u. a. Kredit- und Loyalitätsbeziehungen). Ausserdem werden Pachtverhältnisse in der Praxis meist im Rahmen von Agrarreformen vernachlässigt.

Landlose

Landlose setzen große Hoffnungen in Agrarreformen. In den vergangenen Jahren ist ein großer Zuwachs bei der landlosen Bevölkerung im ländlichen Raum zu verzeichnen, die häufig keine alternative Arbeitsmöglichkeit als saisonale Landarbeiter finden kann. Die Märsche der Landlosen auf Brasilia zeigen ihr gewachsenes Organisationspotential, wenn sie ihre Stimme erheben. Historisch haben die meisten Regierungen die Landlosen bei Agrarreformen übergangen, da diese nicht nur Land, sondern auch Betriebsmittel benötigen, die Regierungen sich aber in der Regel ausserstande sahen, diese zu finanzieren.

Städtische
Investoren

Städtische Investoren sind daran interessiert, Land aufzukaufen, ohne dabei größeren Beschränkungen zu unterliegen. Sie nutzen es u. a. als Altersruhesitz, als Investitionsobjekt oder zu Spekulationszwecken. Sie sind dabei an günstigen Abschreibungsmöglichkeiten ebenso interessiert wie an der Nichtbesteuerung von Land. Sie kaufen aber auch landwirtschaftliche Flächen als Geldanlage, investieren in Maschinen und Bewässerung und lassen das Land durch fachkundige Verwalter erfolgreich intensiv und marktorientiert bewirtschaften.

NRO´s

In vielen Ländern sind NRO´s in den vergangenen Jahren stark angewachsen (z. B. mehr als 100 NRO´s in Mozambique) und haben in einigen Ländern bedeutenden Einfluss erreicht (Bangladesh, Philippinen, Indien). Zu ihnen gehören auch viele kirchliche NRO´s. Sie setzen sich in der Regel für die Rechte der Kleinbauern und Landlosen ein, sind dabei um wachsende Medienaufmerksamkeit für bodenrechtliche Fragestellungen bemüht und geben finanzielle, organisatorische und rechtliche Unterstützung für diese Gruppen. Viele lokale NRO´s sind mit dem internationalen Netzwerk der NRO´s verwoben und in gemeinsame Aktivitäten eingebunden. Je wirksamer die NROs sind, desto stärker ist der Antagonismus der Regierung, was bis zu aktiver Verfolgung führen kann.

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