Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

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3. Bodenordnung im Brennpunkt - Lektionen der Vergangenheit, Chancen für die Zukunft

3.5 Landkonflikte und Möglichkeiten des Interessenausgleichs

3.5.5 Vermachtung von Recht und Partizipation der Betroffenen

"Vested Interests"

Ordnungspolitische Reformen durch Strukturanpassung und Transformationsprozesse lassen Interessenlagen einzelner und die Macht von Interessengruppen neu zutage treten. Die eingeleitete Umverteilung der Macht, auch auf Rechtsstreitigkeiten über Land Einfluss zu nehmen, führt zu erheblichen Widerständen.

So ist der Wille der tanzanischen Verwaltung zur Reform der "Land Administration" nur gering ausgeprägt, da Dezentralisierung und Demokratisierung ihre Einflussnahme auf Schlüsselressourcen erheblich schmälern und Entscheidungen transparenter machen würden. In Niger sind Kommissionen zur Konfliktschlichtung mit Mitgliedern der aristokratischen Schichten besetzt, die überkommene Eigentümerinteressen favorisieren. In Nicaragua bereicherten sich während des Machtwechsels am Ende des Sandinisten-Regimes hohe Verwaltungsbeamte noch schnell an wertvollen Grundstücken und vererbten dem neuen System zusätzliche schwelende Konflikte und Rechtsunsicherheit.

Rolle des Militärs

In asiatischen Ländern, wie den Philippinen oder Laos, sind große Landstriche der Kontrolle durch legitime Eigentümer und Nutzer entrissen. Sie stehen unter dem Einfluss des Militärs, welches das Recht außer Kraft gesetzt hat und eine konfliktträchtige Ausbeutungsstrategie, z. B. durch Holzeinschlag und das Erpressen von Zwangsabgaben der lokalen Bevölkerung betreibt. (In Ländern, in denen das Militär innerhalb des Rechtsrahmens agiert, muss allerdings auch seine positive Einflussnahme auf rechtsstaatliche Prinzipien anerkannt werden.)

Gewalt und Bodenkonflikte

Nicht nur in Kambodscha wirken mafia-ähnliche Interessengruppen auf die rasche Formulierung und Implementierung einer Gesetzgebung zur Landregistrierung ein, um illegal erworbene Grundstücke durch Kataster-Eintrag zu legalisieren; ein Vorgehen, das als "land laundry" offen diskutiert wird. In Chiapas, Mexiko, sprachen staatliche Instanzen interessierten Ranchern Rechte an Land zu, das faktisch Eigentum der indigenen Bevölkerung war (vgl. auch 2.3.2.).

"Ventile" bei Landkonflikten

Die lange Geschichte gescheiterter Bodenbesitzreformen zeigt, dass massive gesellschaftliche Konflikte bei anstehenden Landreformen durch symbolische Politik zu entschärfen versucht werden. In Guatemala oder Brasilien fördert der Staat die Kolonisation in Urwaldgebieten oder in Pufferzonen von Nationalparks, um Landkonflikte abzumildern und in die Zukunft zu verlagern. In Mexiko "befreite" das NAFTA-Abkommen von 1992 die exportorientierten Großbetriebe von dem Damoklesschwert einer anstehenden Landumverteilung, da nunmehr internationale Konkurrenzfähigkeit vorrangiges agrarpolitisches Ziel war.

Defensive Strategien zur Konflikt-vermeidung

Die Weigerung afrikanischer lokaler Autoritäten, Land weiterhin an "Fremde" zu verpachten oder das Pflanzen von Bäumen zu gestatten, verzögert unmittelbare Konflikte mit landsuchenden Kleinbauern und Agrarunternehmern. Es schafft aber neue Konflikte mit der staatlichen Verwaltung und Projekten der EZ, in denen Ressourcenschutz im Mittelpunkt steht.

Dezentralisierung und die Rolle
internationaler
Geber

Dezentralisierung und die Lösung bodenrechtlicher Probleme nach dem Prinzip der Subsidiarität sind erklärte Ziele des Reformprozesses in den meisten Entwicklungsländern. Land ist eine Verfassungskategorie, weshalb unmittelbar Betroffene bei wesentlichen Änderungen der Zugangs- und Nutzungsregeln zu konsultieren sind. Starke Impulse gehen hier von internationalen Gebern aus. Jede Implementierung der Reformen bis auf der lokalen Ebene erfordert zugleich Verbundlösungen, um die Zusammensetzung von Gremien und Verfahrensabläufen zu vereinheitlichen. Nur so kann die Kluft zwischen autochthoner und moderner Konfliktlösung, von "unten" und "oben" verringert werden.

Empowerment auf lokaler Ebene

Die lokale Bevölkerung mit größeren Befugnissen und Verantwortlichkeiten auszustatten, erfordert auch, die Öffentlichkeit bei der Auswahl der Mitglieder von Schiedskomitees und lokalen Gerichten stärker zu beteiligen.

Stärkung "alter Eliten" versus Partizipation

In hierarchisierten Gesellschaften Asiens oder auch in Afrika garantiert deshalb "Empowerment" keinesfalls die Anerkennung der Rechte aller involvierten Akteure. Traditionelle Eliten gewinnen schnell wieder an Einfluss, obwohl Agrarreformen nach einer Revolution oftmals gerade ein Aufbrechen bestehender Herrschafts- und Abhängigkeitsstrukturen zum Ziel hatten.

(Budget-) Autonomie

Dezentralisierung, Demokratisierung und Subsidiarität als Grundwerte der bodenrechtlichen Konfliktlösung bleiben ein Torso, eine leere Hülle, solange sie nicht einhergehen mit Finanz- und Planungsautonomie von "kleinen Verwaltungseinheiten" (z. B. durch die Grundsteuer). Nur sie erlauben den (Wieder-) Aufbau und den Unterhalt der notwendigen Institutionen, flexibles Handeln und Eigenverantwortung beim Erstellen von Entwicklungs- und Landnutzungsplänen.

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