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3. Bodenordnung im Brennpunkt - Lektionen der
Vergangenheit, Chancen für die Zukunft
3.2 Dimensionen der Bodenverknappung im
Entwicklungsprozess
3.2.1 Betriebsverkleinerung, zunehmender
außerlandwirtschaftlicher Erwerb und nachlassendes Interesse an Landbewirtschaftung
Verschlechterung der
"land-man ratio" |
Die Verschlechterung des Verhältnisses von
landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Gesamtbevölkerung führt dazu, dass in Asien heute
viele Haushalte nicht mehr über ausreichend Land zur Existenzsicherung verfügen. In
Indonesien beispielsweise haben mehr als 70 % der landwirtschaftlichen Betriebe eine
Flächenausstattung von weniger als 1 ha. In West-Java sind es sogar 73 % der Betriebe,
die auf einer Flächen von weniger als 0,5 ha wirtschaften müssen. Vergleichbare
Entwicklungen bahnen sich in Ostafrika (Kenia, Ruanda) an. Entsprechend werden
zwangsläufig nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung und Einkommen immer stärker
nachgefragt. |
Tabelle 1: Landwirtschaftliche
Betriebsgrößen in ausgewählten asiatischen Ländern
Country |
Average Size
of Holding
(in ha) |
Share of
Holdings below 1 ha (in %) |
| Bangladesh |
1.3 |
54 |
| India |
2.0 |
55 |
| Indonesia |
1.0 |
70 |
| Republic of Korea |
1.1 |
65 |
| Pakistan |
4.6 |
17 |
| Nepal |
1.2 |
66 |
| Sri Lanka |
1.5 |
78 (1.2 ha) |
| Source: 1980 World Census of
Agriculture, FAO, Rome 1983, quoted by Kuhnen 1995. |
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Differenziertes
Interesse an Landbewirtschaftung |
Zudem vollzieht sich bei der
jüngeren Generation ein Wandel in der Einstellung zur Landwirtschaft (vgl. 2.1.2). Ihr Interesse gilt bereits mehr dem "access to
income" als dem "access to land". Falls der elterliche Betrieb ausreichend
Land hat und Möglichkeiten der Bewässerung und Mechanisierung bietet, besteht durchaus
Bereitschaft, die Landbewirtschaftung weiterzuführen. Falls aber seine
Ressourcenausstattung und Entwicklungsmöglichkeiten unzureichend sind, werden
außerlandwirtschaftliche Erwerbsmöglichkeiten und/oder Migration
angestrebt. |
Potentiale
nichtlandwirtschaft-licher Einkommen |
Oft entstehen Mischexistenzen: Der
Haushaltsvorstand nimmt neben seiner Arbeit im Betrieb eine ausserlandwirtschaftliche
Tätigkeit auf oder verdingt sich als Landarbeiter bei größeren Betrieben. Diese Mehrfachbeschäftigung bringt zusätzliches, häufig
nicht-landwirtschaftliches Einkommen in den Haushalt. Bei Verlust des
ausserlandwirtschaftlichen Arbeitsplatzes kann zudem die Landbewirtschaftung jederzeit
wieder intensiviert werden, vor allem, wenn Verpächter ihre Pachtverträge flexibel
gestalten, um das Land problemlos wieder selbst zu bewirtschaften. Die Schlüsselrolle
eines flexiblen Pachtmarktes in derart wirtschaftlich
dynamischen Regionen kann somit nicht hoch genug eingeschätzt werden. |
Förderinstrumente
für "Mischexistenzen" |
Diese Differenzierung zwischen
Haushalten, die sich mit ausreichender Fläche voll der Landbewirtschaftung widmen, und
solchen, denen ihre kleine Fläche nur mit Zuverdienst eine Existenzbasis gibt, verlangt
eine Neuordnung der Förderungspolitik. Für die
Haushalte, die über ausreichend Ressourcen verfügen, ist eine Agrarpolitik mit den
klassischen Instrumenten geeignet (Preis-, Innovations-, Strukturpolitik). Für die
anderen Haushalte mit zu wenig Land zur Existenzsicherung, sind derartige agrarpolitische
Maßnahmen wenig interessant. Für sie bietet die Regionalentwicklung (die agrarpolitische
Maßnahmen einschließen kann) geeignetere Förderinstrumente (z. B. Berufsbildung,
soziale Sicherung, Arbeitsbeschaffung). |
Transfer von
Land an interessierte Bewirtschafter |
Für die Bodenpolitik
entstehen hier neue Aufgaben: Das Land muss aus den Händen derjenigen, die nicht mehr an
Landbewirtschaftung interessiert sind, in die Hände solcher Haushalte überführt werden,
die weiterhin intensive Landwirtschaft betreiben wollen. Da die Bereitschaft zur
dauerhaften Abgabe von Land gering ist (Unsicherheit von ausserlandwirtschaftlichen
Arbeitsplätzen, Angst vor Spekulation, Sicherung von Bauland für die Kindergeneration)
sind neue Institutionen zur Schaffung eines effizienten Bodenmarktes
mit hoher Flexibilität und Anpassungs-geschwindigkeit bei Änderung der Rahmenbedingungen
erforderlich. |
Abschätzung
der zukünftigen Entwicklung |
Das Sich-Herauslösen von
Kleinstbewirtschaftern aus der Landwirtschaft verläuft unterschiedlich schnell. Im
Weichbild großer Industriezentren vollzieht sich diese Entwicklung rasch, ebenso auf
marginalen Standorten (wie im Sahel). Hier ist eine vorausschauende Planung geboten, die
die Opportunitätskosten staatlichen Handelns einbezieht. Es lohnt nicht, große
Investitionen in die Landwirtschaft zu kanalisieren, wenn zu erwarten ist, dass diese in
wenigen Jahren aufgegeben wird. |
Auswirkung auf
die erforderliche Landzuteilung bei Agrarreformen |
Je grösser die Chance, einen
ausserlandwirtschaftlichen Arbeitsplatz zu finden, desto fragwürdiger ist es auch,
Kleinparzellen im Zuge von Agrarreformen zu verteilen.
Landlose werden diese zwar annehmen, sich aber bald nach besseren Einkommensquellen
umsehen, wenn die Voraussetzungen für eine einträgliche moderne Bewirtschaftung nicht
gegeben sind. |
Neue
Organisationsformen der Landbewirtschaf-tung |
Je sicherer und einträglicher
Arbeitsplätze ausserhalb der Landwirtschaft sind, desto weniger Arbeitszeit wird für den
Betrieb aufgewandt. In solchen Fällen müsste Land in die Hände von Personen übergehen,
die eine effiziente, geordnete Bewirtschaftung garantieren, ohne dass sich Eigentümer von
ihrem Land trennen müssen. Hier haben sich in verschiedenen Ländern neue Formen der
Zusammenarbeit mit Beispielcharakter entwickelt: umfassende oder teilweise Übertragung
der Landarbeit an Fremde (Zuwanderer), Anstellung von Landbewirtschaftern, Lohnunternehmer
für die Bewirtschaftung mit deren eigenen Maschinen, Stärkung von Kooperationen für
Maschinen- und Betriebshelfereinsatz, etc.. |
     
     
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