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3 Bodenordnung im Brennpunkt - Lektionen der
Vergangenheit, Chancen für die Zukunft
3.10 Bodenmärkte: Entstehung, Funktionen, Dynamik
3.10.3 Wachsende Bedeutung informeller, paralleler
Bodenmärkte
Entstehung
paralleler
Bodenmärkte |
In vielen Länder bestehen noch
erhebliche Verzerrungen auf Bodenmärkten. So schränkt der Staat in Nigeria, Kenia oder
Guinea-Bissau den Handlungsspielraum bei Privateigentum
durch Verpfändungs- und Verpachtungsverbote ein. Dies führt vielfach dazu, dass
ordnungsrechtliche Vorgaben teilweise ignoriert oder umgangen werden und Boden auf
informellen Schattenmärkten verkauft und verpfändet wird. So hat in Nigeria die Mehrheit
der Bevölkerung ihr Land durch Transfers wie Kauf oder Verpachtung erhalten, die weder
mit autochthonem Recht konform, noch durch staatliches Recht sanktioniert sind. |
Wirkungen
informeller
Bodenmärkte |
In der Realität werden
Transferbeschränkungen damit häufig unterlaufen. Heimlich vollzogene Verkäufe sind aber
vor Gericht nicht durchsetzbar. Dies gilt um so mehr, als Verkäufe von Land dabei oft als
Verkäufe von Bäumen oder als Verpfändung getarnt werden müssen. Entsprechend werden
auf die Verkaufspreise oft verdeckte Risikoprämien aufgeschlagen, wodurch Markt- und
Schattenpreis voneinander abweichen. Auch in ehemals sozialistisch orientierten Ländern,
wie Tanzania, Benin oder Mali, wurde bereits Land in grösserem Umfang über Märkte
transferiert. |
Informationskosten |
Verkaufsbeschränkungen erhöhen
zudem die Informationskosten für potentielle Käufer, da Grundbücher -soweit überhaupt
existent- nicht die aktuellen Eigentumsverhältnisse widerspiegeln, und potentielle
Käufer somit abklären müssen, wer eventuell zusätzlich noch Rechte an der Parzelle
hält. Werden Grundbücher nicht gepflegt und aktualisiert, schreiten undokumentierte
Transfers und weitere Parzellierung voran. Der Anspruch, dass der Grundbucheintrag
eine zentrale Vorbedingung für funktionsfähige, unverzerrte Märkte sei, damit
intersubjektiv nachvollziehbare ökonomische Kriterien den Transfer von Ressourcen hin zu
ihrer besten Verwendung bestimmen und nicht mehr verwandtschaftliche Netzwerke oder
Ethnizität Entscheidungen leiten, ist angesichts der administrativen Engpässe in vielen
Ländern kaum umzusetzen. |
     
     
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