Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

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1. Bodenrecht, Bodenordnung und Entwicklung: Problemaufriss und Einführung

1.4 Welches sind die wichtigsten Problemfelder?

1.4.2 Bodenordnung im Rahmen der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Entwicklung

Wirkungen der Landkonzentration

Die Auswirkungen der Landkonzentration sind vielschichtig:
  • sie vergrößert Macht und Einfluss von Großgrundbesitzern, die einen Staat im Staate mit Rechtsanmaßung und Rechtsunsicherheit bilden,
  • Macht durch Bodenbesitz führt zu politischer Einflussnahme und Lenkung der Politik im Sinne der Oberschicht,
  • bei Machtkonzentration verwässern und verflüchtigen sich Ideen der sozialen Verpflichtung von Eigentum;
  • derartige extreme politische Ungleichheit beeinträchtigt die politische Stabilität und die gesamtgesellschaftliche Entwicklung.

Fehlende Anpassung an verändertes Interesse für Land-bewirtschaftung

Im Zuge der sozio-ökonomischen Entwicklung und des sektoralen Wandels verändert sich das Interesse an der Landbewirtschaftung nachhaltig. Die bestehende Bodenordnung verhindert und verzögert bislang oftmals eine Anpassung von Bodeneigentum an dieses wechselnde Interesse:
  • Wirtschaftswachstum, höherer Lebensstandard und (internationale) Migration bewirken eine Differenzierung der Interessen an Landbewirtschaftung;
  • Erbteilung verkleinert viele Betriebe unter das Existenzminimum, so dass die große Mehrheit der Landwirtschaft betreibenden Haushalte Zuerwerb ausserhalb des Betriebes sucht oder aber auf Marginalbetrieben in großer Armut lebt;
  • Die Jugend ist zur Übernahme der Landbewirtschaftung nur begrenzt interessiert,
  • Instrumente zur Übertragung von Nutzungsrechten an Personen/Haushalte, die zur Landbewirtschaftung motiviert sind, fehlen oder werden von mächtigen Interessengruppen nicht akzeptiert bzw. blockiert.

unzureichende Anpassung an neue Funktionen von Boden

Mit sektoralem Wandel und beschleunigter Dynamik in Entwicklungsregionen erhält Boden andere Funktionen als in reinen Agrargesellschaften. Eine unausgeglichene Bodenordnung kann die erforderliche Anpassung an diese neue Funktionen behindern:
  • urbane Landwirtschaft, sub-urbane Entwicklungen, Squatter-Bewegungen und städtische bzw. stadtnahe Tierhaltung zeigen die Grenzen der Funktionsfähigkeit der bestehenden institutionellen Regelungen für landwirtschaftlich genutzten Boden auf;
  • zunehmende Bodenspekulation, "windfall-profits" und Strategien zur Steuervermeidung werden nicht aufgefangen und durch geeignete (fiskalische) Instrumente abgeschöpft;
  • das wachsende Interesse an sozialer Sicherung durch Boden steht oftmals im Zielkonflikt mit der Steigerung der Agrarproduktion;
  • die (oft informelle) Überführung von Agrarland in städtisches Siedlungsland bedarf veränderter bzw. völlig neuer ordnungspolitischer und fiskalischer Instrumente.

Überprüfung des Verhältnisses Staat-Bodenordnung

Daraus folgt auch, dass die bestehenden Beziehungen zwischen staatlicher (Boden-)Politik, der ausführenden Verwaltung, der Bodengesetzgebung und der Bodenordnung vielfach einer grundlegenden Überprüfung bedürfen:
  • die Übernahme bzw. zwangsweise Aneignung früherer Stammesrechte durch den Staat hat oftmals zu Unsicherheiten, Widersprüchen, rechtlichen Vakua und administrativer Willkür geführt;
  • die rahmengebende Gesetzgebung durch den Staat ist teilweise mangelhaft, teils aber auch völlig überzogen (Pachtbeschränkungen), wodurch der Staat die wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit der Landnutzer erheblich beeinträchtigt;
  • derartige staatliche Eingriffe in die Agrarverfassung und Formen der Landbewirtschaftung haben nachteilige Folgen für die Produktionseffizienz;
  • andererseits nimmt der Staat den ordnungspolitischen Auftrag, der sich u.a. aus der Sozialpflichtigkeit des Bodens ergibt, nicht wahr.

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