Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

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1. Bodenrecht, Bodenordnung und Entwicklung: Problemaufriss und Einführung

1.4 Welches sind die wichtigsten Problemfelder?

1.4.1 Bodenordnung und landwirtschaftlich-ländliche Entwicklung

Steigerung der Agrarproduktion

Für fast 6 Milliarden Menschen muss mittlerweile ausreichende und bezahlbare Nahrung bereitgestellt werden. Diese Steigerung der Agrarproduktion wird jedoch ver- oder behindert durch
  • zu kleine Betriebe mit fehlendem Kapital und unzureichender Ausbildung der Bewirtschafter,
  • hohe Landkonzentration bei Großgrundbesitzern mit begrenztem Erwerbsstreben,
  • Unsicherheit der Eigentums-, Pacht- und Nutzungsverhältnisse, die z. B. Pächtern weder Anreize noch Entfaltungsmöglichkeiten bieten,
  • Erhebliche Zugangsbeschränkungen zu Land für Landlose,
  • zunehmende Parzellierung von Ackerflächen z. B. durch Erbgang und Erbformen (Realteilung),
  • fehlende Lösungsmechanismen für Landkonflikte,
  • Verfall autochthoner Bodenrechte mit latenter Gefährdung gemeinschaftlicher Weide-, Wasser- und Sammelrechte und Ausbeutung natürlicher Ressourcen,
  • unzureichende individuelle oder kooperative Organisation der Erosionsbekämpfung, Instandhaltung von Bewässerungssystemen und Infrastruktur,
  • ungleiche Verteilung von Wasserrechten,
  • mangelnder Zugang zu technischen Neuerungen für Kleinbauern mit geringem Landbesitz,
  • fehlende Regelung und Begrenzung der Nutzungsrechte zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts (Düngung, Futterbeigaben, Pflanzenschutz) und
  • unzureichende rechtliche Grundlagen für die Mobilität der Nutzungsrechte bei nachlassendem Interesse an der Landbewirtschaftung, vor allem auf Großgrundeigentum.

Abbildung 1:

Intensiver Ackerbau im äthiopischen Hochland

(Quelle: Arndt)

Effiziente Nutzung von Arbeitskraft und bessere Arbeits-bedingungen

Eine Steigerung der Beschäftigungsmöglichkeiten, eine effiziente Nutzung der Arbeitskräfte und bessere Arbeitsbedingungen sind erforderlich, um nachgefragte Güter zu produzieren, Einkommen zu schaffen, ländliche Bevölkerungsgruppen besser in die Gesellschaft zu integrieren und die Land-Stadt-Wanderung zu mindern, die in Afrika und Asien ihren Höhepunkt noch nicht überschritten hat. Arbeitsorganisation und -verfassung sind dabei nicht von der vorherrschenden Bodenordnung zu trennen, denn die volle Ausschöpfung des Arbeitspotentials wird behindert durch
  • wachsende Landlosigkeit,
  • kapitalintensive Wirtschaftsweise bei geringer Produktivität von Großbetrieben mit Lohnarbeit,
  • fehlende Anreize und Aufstiegschancen für Arbeitskräfte,
  • Fehlentwicklung bei Arbeits- und Teilpacht sowie fehlende Konfliktlösungsmechanismen bei umstrittenen Arbeits- und Pachtverträgen,
  • mangelnde Organisation der Arbeitskräfte in Interessenvertretungen bzw. deren bewusste Unterdrückung.

Zuwachs und gerechtere Verteilung von Einkommen

Die Verminderung von Armut ist nicht allein erforderlich zur Befriedigung der Grundbedürfnisse, sondern auch, um ein Leben in Menschenwürde zu sichern. Nur eine gerechtere Verteilung der Einkommen lässt möglichst viele Menschen an Entwicklungserfolgen teilhaben (Partizipation statt Marginalisierung). Eine unausgeglichene Bodenordnung verhindert dies teils durch
  • Ausbeutung der Armen, insbesondere der Landlosen, auch durch weitgehend ungebrochene Machtstellung der Großgrundbesitzer,
  • Abhängigkeit vieler Pächter infolge Rechtsunsicherheit und unsozialer Pachtverhältnisse,
  • Einkommensverteilung nach Macht anstelle des Beitrages zur Produktion,
  • begrenzte Freiheit in der Nutzungsentscheidung,
  • fehlende Konfliktlösungsmechanismen,
  • niedrige Mobilität von Arbeit, Boden und Kapital durch Abhängigkeitsverhältnisse,
  • unproduktive Investitionen von Eliten und eine staatliche Preispolitik im Interesse der Oberschicht und städtischer Gruppen sowie
  • fehlende gewerkschaftsähnliche Organisationsformen kollektiven Handelns.

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