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1. Bodenrecht, Bodenordnung und Entwicklung:
Problemaufriss und Einführung
1.4 Welches sind die wichtigsten Problemfelder?
1.4.1 Bodenordnung und
landwirtschaftlich-ländliche Entwicklung
Steigerung der
Agrarproduktion |
Für fast 6 Milliarden Menschen
muss mittlerweile ausreichende und bezahlbare Nahrung bereitgestellt werden. Diese
Steigerung der Agrarproduktion wird jedoch ver- oder behindert durch
- zu kleine Betriebe mit fehlendem Kapital und unzureichender
Ausbildung der Bewirtschafter,
- hohe Landkonzentration bei
Großgrundbesitzern mit begrenztem Erwerbsstreben,
- Unsicherheit der Eigentums-, Pacht- und Nutzungsverhältnisse,
die z. B. Pächtern weder Anreize noch Entfaltungsmöglichkeiten bieten,
- Erhebliche Zugangsbeschränkungen zu Land für Landlose,
- zunehmende Parzellierung von Ackerflächen z. B. durch Erbgang
und Erbformen (Realteilung),
- fehlende Lösungsmechanismen für Landkonflikte,
- Verfall autochthoner
Bodenrechte mit latenter Gefährdung gemeinschaftlicher
Weide-, Wasser- und Sammelrechte und Ausbeutung natürlicher
Ressourcen,
- unzureichende individuelle oder kooperative Organisation der
Erosionsbekämpfung, Instandhaltung von Bewässerungssystemen und Infrastruktur,
- ungleiche Verteilung von Wasserrechten,
- mangelnder Zugang zu technischen Neuerungen für Kleinbauern
mit geringem Landbesitz,
- fehlende Regelung und Begrenzung der Nutzungsrechte zur Aufrechterhaltung des ökologischen
Gleichgewichts (Düngung, Futterbeigaben, Pflanzenschutz) und
- unzureichende rechtliche Grundlagen für die Mobilität der
Nutzungsrechte bei nachlassendem Interesse an der Landbewirtschaftung, vor allem auf
Großgrundeigentum.
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Abbildung 1: |
Intensiver Ackerbau im
äthiopischen Hochland |

(Quelle: Arndt) |
Effiziente
Nutzung von Arbeitskraft und bessere Arbeits-bedingungen |
Eine Steigerung der
Beschäftigungsmöglichkeiten, eine effiziente Nutzung der Arbeitskräfte und bessere
Arbeitsbedingungen sind erforderlich, um nachgefragte Güter zu produzieren, Einkommen zu
schaffen, ländliche Bevölkerungsgruppen besser in die Gesellschaft zu integrieren und
die Land-Stadt-Wanderung zu mindern, die in Afrika und Asien ihren Höhepunkt noch nicht
überschritten hat. Arbeitsorganisation und -verfassung sind dabei nicht von der
vorherrschenden Bodenordnung zu trennen, denn die volle Ausschöpfung des
Arbeitspotentials wird behindert durch
- wachsende Landlosigkeit,
- kapitalintensive Wirtschaftsweise bei geringer Produktivität
von Großbetrieben mit Lohnarbeit,
- fehlende Anreize und Aufstiegschancen für Arbeitskräfte,
- Fehlentwicklung bei Arbeits- und Teilpacht sowie fehlende Konfliktlösungsmechanismen bei
umstrittenen Arbeits- und Pachtverträgen,
- mangelnde Organisation der Arbeitskräfte in
Interessenvertretungen bzw. deren bewusste Unterdrückung.
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Zuwachs und
gerechtere Verteilung von Einkommen |
Die Verminderung von Armut ist
nicht allein erforderlich zur Befriedigung der Grundbedürfnisse, sondern auch, um ein
Leben in Menschenwürde zu sichern. Nur eine gerechtere Verteilung der Einkommen lässt
möglichst viele Menschen an Entwicklungserfolgen teilhaben (Partizipation
statt Marginalisierung). Eine unausgeglichene Bodenordnung verhindert dies teils durch
- Ausbeutung der Armen, insbesondere der Landlosen, auch durch
weitgehend ungebrochene Machtstellung der Großgrundbesitzer,
- Abhängigkeit vieler Pächter infolge Rechtsunsicherheit und
unsozialer Pachtverhältnisse,
- Einkommensverteilung nach Macht anstelle des Beitrages zur
Produktion,
- begrenzte Freiheit in der Nutzungsentscheidung,
- fehlende Konfliktlösungsmechanismen,
- niedrige Mobilität von Arbeit, Boden und Kapital durch
Abhängigkeitsverhältnisse,
- unproduktive Investitionen von Eliten und eine staatliche
Preispolitik im Interesse der Oberschicht und städtischer Gruppen sowie
- fehlende gewerkschaftsähnliche Organisationsformen
kollektiven Handelns.
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