Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

Dirk Effler (1996): Bodenrecht, Bodenordnung und Landnutzungsplanung
im Kontext der ländlichen Entwicklung in der Manica-Provinz, Mosambik

4.5.2 Institutionen auf Distrikt- und lokaler Ebene in Mossurize

In der Region Mossurize-Sul wurden Institutionen auf verschiedenen Ebenen identifiziert, die einen Einfluß auf die Bodenordnung haben oder aufgrund ihrer Rolle oder ihres Potentials für die zukünftige Bodenordnung haben werden oder können. Staatliche wie auch informelle Institutionen spielen dabei unterschiedliche Rollen. Die wichtigsten dieser Institutionen werden im folgenden kurz vorgestellt.

4.5.2.1 Institutionen auf Distriktebene mit Sitz in Espungabera

Distriktadministration

Die Distriktadministration in Espungabera hat eine Reihe von Funktionen verschiedener Institutionen in einer Verwaltungsinstitution zu erfüllen: Die Verwaltung des Distrikts, die Funktionen des posto administrativo Espungabera und die Funktionen der Stadtverwaltung von Espungabera. Regierungs- und Verwaltungschef ist der Distriktadministrator. Er ist direkt dem Provinzgouverneur unterstellt. In Verwaltungsangelegenheiten ist er der Provinzdirektion für Verwaltung (DPAC) unterstellt, in Finanzfragen der Provinzdirektion für Finanzen (DPF). Der Distriktadministrator ist gleichzeitig Präsident des Exekutivrates und des Koordinierungskabinetts (GACODEMO). Der stellvertretende Distriktadministrator ist gleichzeitig der chefe do posto administrativo Espungabera.

Die Distriktadministration ist zuständig für die Koordination und Überwachung der Entwicklungsaktivitäten aller Sektoren im Distrikt. Ihr obliegt die Genehmigung für wirtschaftliche Aktivitäten sowie deren Besteuerung. Gleichzeitig stellt sie Dienstleistungen für die Bevölkerung zur Verfügung (z.B. Energie, Wasser), die sich jedoch nur auf das Stadtgebiet von Espungabera beschränken. Sie koordiniert die Aktivitäten der Sektordirektorate und -dienste und ist offiziell Ansprechpartner für nationale und internationale Entwicklungs- und Nichtregierungsorganisationen sowie für Privatunternehmen, die sich im Distrikt engagieren.

Die Distriktadministration ist - im Hinblick auf die Distriktentwicklung - keine selbständige Institution, sondern ein Ausführungsorgan der Provinzbehörden, in erster Linie der Planungskommission (CPP) sowie der Verwaltungs- und Finanzdirektion. Ihre Ausstattung kann in materieller, personeller und finanzieller Hinsicht als unzureichend für Aufgaben der Distriktentwicklung angesehen werden. Bei der Durchführung von Projekten ist sie von den übergeordneten Institutionen abhängig. Die Institutionenanalyse von MARRP (1993) kommt zu dem Schluß, daß die Koordinierungsaufgaben der Distriktadministration von außerordentlicher Bedeutung für die Distriktentwicklung sind. Die Entwicklung entsprechender Kapazitäten sowie die Übertragung von Kompetenzen seitens der Provinz sind dafür Voraussetzungen. Abbildung 2 zeigt die interne Struktur der Distriktadministration.

Abbildung 2: Interne Struktur der Distriktadministration

Quelle: MARRP (1993)

 

Exekutivrat des Distrikts

Die Distriktverwaltung besteht neben der Administration noch aus dem Exekutivat. Dieser setzt sich aus den Direktoren bzw. Vorstehern aller im Distrikt vertetenen staatlichen Sektoren zusammen- Präsident ist der Administrator. Hier werden allgemeine Fragen der Distriktverwaltung diskutiert und Vorgehensweisen der einzelnen Sektoren abgestimmt. Der Exekutivrat ist offiziell ausführendes Organ für sektorübergreifende Projekte der Distriktverwaltung und kann die Einrichtungen und Ausstattung der Verwaltung mit nutzen. Er hat gleichzeitig die Funktionen der Exekutivräte der Stadt Espungabera und des posto administrativo Espungabera inne. Zur Zeit ist der Exekutivrat nur in seiner Funktion für die Stadt Espungabera funktionsfähig. Die Koordinierungsaufgaben für den Distrikt hat das GACODEMO übernommen.

 

Distriktlandwirtschaftsdirektion

Der Distriktlandwirtschaftsdirektor ist direkt dem Provinzlandwirtschaftsdirektor unterstellt, ist jedoch gleichzeitig auch als Mitglied der Distriktregierung dem Administrator untergeordnet. In Finanzfragen untersteht die Landwirtschaftsdirektion der DPF auf Provinzebene. Die Aufgaben der Direktion bestehen in der Entwicklung der Landwirtschaft, der Zurverfügungstellung landwirtschaftlicher Dienstleistungen sowie - in sehr beschränktem Maße - der Landverwaltung auf Distriktebene. Die Umsetzung der nationalen Agrar- und Landpolitik steht dabei im Vordergrund. Nach offiziellen Angaben besteht das Ziel der Landwirtschaftsdirektion in der Förderung und Erhöhung der kleinbäuerlichen Produktion durch den Familiensektor.

In jüngster Zeit intensivierte sie, in Zusammenarbeit mit der Distriktadministration, Aktivitäten zur Analyse und Verbesserung der Voraussetzungen für die Ansiedlung kommerzieller landwirtschaftlicher Unternehmen. Die Hauptaktivitäten des Personals der Subsektordienste besteht zwar weiterhin in der Unterstützung des Familiensektors, der Direktor selbst sieht diesen Sektor jedoch nicht in der Lage, die Entwicklung der Region zu tragen. Er favorisiert deshalb eine starke Intervention des Privatsektors als Motor der Entwicklung sowie eine komplette Neuordnung des Landes, bei der die Siedlungen und Felder des Familiensektors zusammengefaßt und die entstehenden Freiflächen für kommerzielle Interessenten bereitgehalten werden. Die Grundidee dieses Konzepts ist stark mit dem der sozialistischen Gemeinschaftsdörfer verwandt und enthält eine privatwirtschaftliche Komponente. Sie ist durch einen starken Einfluß des Staates geprägt.

Die Landwirtschaftsdirektion koordiniert ihre Aktivitäten mit den anderen Sektordirektionen und ist Ansprechpartner für Organisationen und Privatunternehmen, die sich im Landwirtschaftsbereich engagieren. Abbildung 3 zeigt ihre Organisationsstruktur.

 

Abbildung 3: Organisationsstruktur der Distriktlandwirtschaftsdirektion

Quelle: Eigene Analyse

 

Der Landwirtschaftsdirektor koordiniert die Aktivitäten der einzelnen Sub-Sektordienste, die ihm direkt untergeordnet sind. Diese sind gleichzeitig an die Weisungen ihrer vorgesetzten Dienststellen in Chimoio gebunden, wodurch stellenweise Konflikte auftreten.

Die Stelle des Distriktdienstes für Geographie und Kataster existiert in Mossurize nicht. Der Landwirtschaftsdirektor hat diese Funktion kommissarisch inne und dient als Ansprechpartner für Anträge auf Erteilung einer Landnutzungskonzession. Er nimmt theoretisch die Anträge entgegen und reicht sie nach Prüfung und Befürwortung an den Provinzdienst für Geographie und Kataster weiter. Nach seiner Ansicht kann er Anträge auch ablehnen. Bisher kamen Antragsteller jedoch bereits mit Papieren des SPGC aus Chimoio, bevor sie das Verfahren im Distrikt eröffneten. Der Landwirtschaftsdirektor erhält bei größeren Verfahren, so z.B. dem 3.000 ha Projekt für Tee und Kaffee, seine Anweisungen direkt von SPGC.

Die Landwirtschaftsdirektion verfügt über keinerlei Material oder Instrumente für Vermessungs- und Kartographiearbeiten. Die einzigen vorhandenen Kartengrundlagen bestehen in einem Satz der veralteten und ungenauen topographischen Karten von DINAGECA aus dem Jahre 1988, auf der Basis portugiesischer Karten von 1965 im Maßstab 1:250.000. Kopien der topographischen Karten im Maßstab 1:50.000 sind auf Distriktebene nicht vorhanden. Des weiteren verfügt die Direktion über eine Handskizze der administrativen Grenzen und Infrastruktureinrichtungen von SPPF im Maßstab 1:100.000, die sehr ungenau ist und die traditionellen Gebiete unberücksichtigt läßt. Daten oder Karten mit vorhandenen oder beantragten Landnutzungskonzessionen existieren nicht. Diese werden - nach Angaben des Direktors - bei dem SPGC in Chimoio geführt [FN 228].

Der Viehzuchtdienst besteht aus dem Subsektorchef und vier Dip-Tank Assistenten. Seine Aufgabe besteht in der Kontrolle und Registrierung des Viehbestandes sowie Veterinärdiensten und Training der landwirtschaftlichen Berater. Er verfügt über ein 125 cm³ Motorrad und ist damit relativ gut mobil. Veterinärmedizinische Instrumente und Medikamente werden zur Zeit von den im Distrikt tätigen Entwicklungsorganisationen zur Verfügung gestellt. Die personelle Ausstattung läßt jedoch eine adäquate Bedienung des gesamten Distrikts - insbesondere im Ramen des relativ schnellen Wiederaufbaus der Rinderherden - nicht realisieren, so daß häufig auch die landwirtschaftlichen Berater in die Aufgaben des Viehzuchtdienstes einbezogen werden.

Der Planungs- und Datendienst besteht aus einer Person, die über ein 100 cm³ Motorrad in schlechtem Zustand verfügt. Seine Aufgabe besteht in der Sammlung und Dokumentation landwirtschaftlicher Daten und deren Weiterleitung an die Landwirtschaftsdirektion in Chimoio. Dazu gehören die täglichen Niederschlagswerte der drei Regenmeßstellen in Espungabera, Chiurairue und Dacata, Ertragszahlen, Verkaufsdaten,Viehbestände und auch Grundbesitzverhältnisse. Über letztere gibt es zur Zeit keine Informationen, und mit Ausnahme der Niederschlagsdaten, die täglich von den Beratern übermittelt werden, weisen die übrigen Daten eine hohe potentielle Ungenauigkeit auf. Viele Bauern sind nicht bereit, staatlichen Stellen genaue Informationen über ihre Situation zu geben, oder sie sind nicht in der Lage, Erträge oder Verkäufe zu schätzen oder zu bestimmen. Außerdem erreicht der Planungs- und Datendienst bisher nur die Bauern, die auch in den Beratungsgruppen organisiert sind.

Der Forst- und Wilddienst besteht aus einer Person, die für die Durchführung der Vorgaben des Provinzdienstes in Chimoio sowie für die Kontrolle der Einhaltung forstlicher Regeln im Distrikt zuständig ist. Diese Stelle verfügt weder über Transport noch über sonstige Arbeitsmittel und ist derzeit nur sehr begrenzt funktionsfähig.

Die einzige Stelle der Landwirtschaftsdirektion, die als voll funktionsfähig bezeichnet werden kann, ist der Beratungsdienst. Die Berater arbeiten ständig in den postos administrativos, denen sie direkt zugeordnet sind. Sie haben einen direkten Zugang zu den comunidades sowie ein gutes Vertrauensverhältnis mit den Bauern. Der Beratungsdienst wird direkt von MARRP in Form von Training, Beratung, Transport und Material [FN 229] unterstützt. Der Beratungsdienst ist relativ mobil durch die Ausstattung der Berater mit 50 cm³ Mopeds [FN 230] und des Supervisors mit einem 125 cm³ Motorrad. Für Wartung und Pflege der Fahrzeuge stehen keine Mittel zur Verfügung, so daß diese nur zeitweise operational sind. Trotz der relativen Mobilität können die Berater nur einen kleinen zentralen Teil der Region bedienen und konzentrieren sich auf einige Kerngebiete, in denen sie mit konsolidierten Bauerngruppen arbeiten.

Die Beratungsinhalte setzen sich aus allen landwirtschaftlichen Bereichen zusammen. Die Arbeit wird nach der Training-and-Visit-Methode durchgeführt. Dabei werden Kontaktbauern und "Gruppenchefs" als Multiplikatoren sowie Bauerngruppen und einzelne Familien direkt beraten und trainiert. Neben dieser Hauptaufgabe haben die Berater noch eine Reihe zusätzlicher Aktivitäten auszuführen, zu denen sie von verschiedenen Regierungs- und Verwaltungsstellen aufgefordert werden. Diese machen sich dabei besonders den guten Zugang der Berater zu den Familien zunutze.

Der Beratungsdienst hat aktuell keine direkt mit der Bodenordnung zusammenhängenden Aufgaben oder Kompetenzen. Er wird jedoch häufig bei Nachbarschaftskonflikten zur Schlichtung herangezogen. Die Berater haben keine Entscheidungskompetenz, sie vermitteln bei der Diskussion der Konfliktparteien aufgrund ihrer Erfahrung und Persönlichkeit, nicht aufgrund ihrer Position. Oftmals werden sie auch von der lokalen Polizei als Schlichter angerufen, wenn diese z.B. bei Grenzstreitigkeiten nicht vermitteln kann.

Kabinett zur Koordinierung der Entwicklung in Mossurize (GACODEMO)

In den vergangenen drei Jahren hat im Distrikt Mossurize eine explosionsartige Entwicklung stattgefunden. Durch die organisierte Rückführung und spontane Rückkehr der Flüchtlinge aus Zimbabwe, die Bewegungen aus den aldeias heraus und die rapide Wiedererschließung der ruralen Gebiete durch die Familienbauern hat sich die Landschaft grundlegend verändert. Bisher intensiv genutzte Gebiete fielen brach, und Sekundärwälder wurden gerodet und die Flächen wieder ackerbaulich genutzt. Der Prozeß der Wiedereingliederung der Flüchtlinge wurde von verschiedenen Organisationen unterstützend begleitet, ohne daß eine Koordination stattgefunden hatte. Zwei Organisationen arbeiteten bei Projekten zum Wiederaufbau der ländlichen Basisinfrastruktur zusammen [FN 231], zwei andere führten unabhängig voneinander ländliche Entwicklungsprojekte auf Distrikt- und lokaler Ebene durch [FN 232]. Die bestehende Struktur von Regierung und Verwaltung auf Distriktebene, die Kapazitäten der einzelnen Institutionen sowie ihre Bindung an übergeordnete Stellen und dadurch lange Wege im Falle einer sektorübergreifenden Koordinierung machten eine aktive Steuerung des Entwicklungsprozesses unmöglich.

Auf Initiative des Distriktadministrators und des UNHCR-Vertreters in Espungabera wurde von der Administration ein Konzept zur Gründung einer Koordinierungsinstitution auf Distriktebene erarbeitet. Am 31.3.1995 wurde das Gabinete da Coordenação do Desenvolvimento de Mossurize (GACODEMO) mit einer Gründungsversammlung und Verabschiedung der Statuten ins Leben gerufen. Ziel dieser Institution ist die Koordinierung der Aktivitäten von NGOs im Distrikt Mossurize. Sie ist in administrativer, finanzieller und juristischer Sicht unabhängig und setzt sich aus Vertretern der Distriktadministration, der in Mossurize tätigen Organisationen und ihrer Projekte sowie den Direktoren der Sektoren, in deren Verantwortungsbereich die Projekte fallen, zusammen. Der Distriktadministrator fungiert als Präsident.

Die Aufgaben bestehen neben der Koordinierung von Projekten und Organisationen in der Definition von Entwicklungszielen und -strategien für den Distrikt, der Überwachung der Projektdurchführung sowie der Analyse und Bewertung der ökonomischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen und der Nachhaltigkeit der Projekte.

Das GACODEMO kommt regelmäßig in monatlichen Sitzungen zusammen und kann außerdem bei Bedarf einberufen werden. Entscheidungen werden mit Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder getroffen. Es soll sich selbst durch Beiträge der Mitgliedsorganisationen und -institutionen tragen, um seine Unabhängigkeit zu sichern. Die Sitzungen des GACODEMO und seine Entscheidungen können nicht vorgeschriebene Abläufe oder Verfahren der staatlichen Verwaltung ersetzen. Eine Intervention in die Struktur, Verfahrensweisen, Arbeitsmethoden und -strategien der beteiligten Organisationen und Institutionen wird ausgeschlossen. Die rechtliche Absicherung soll durch Eintragung in das Institutionenregister der Provinz sowie durch Veröffentlichung der Statuten im Staatsanzeiger gewährleistet werden. Dieser Schritt ist bis heute jedoch noch nicht erfolgt.

Etwa vier Monate nach seiner Gründung wurde - bisher informell - der Mitgliederkreis des GACODEMO um die chefes dos postos administrativos und die régulos erweitert. Jedoch werden diese nicht regelmäßig, sondern nur zu bestimmten Anlässen zu den Sitzungen eingeladen. In diesem Fall wird den régulos ein Transportmittel sowie Unterkunft in Espungabera zur Verfügung gestellt.

Zur Zeit tritt das GACODEMO etwa vierteljährlich zusammen, um den Stand und die weitere Planung der laufenden Projekte zu diskutieren. Nennenswerte Mittel sind noch nicht vorhanden, und die inhaltliche Arbeit der Erarbeitung einer Entwicklungsstrategie hat noch nicht begonnen. Bodenrecht und Bodenordnung sind in den Statuten nicht unter den Aufgabenbereichen des GACODEMO zu finden. Aufgrund der Zusammensetzung und Organisationsform sowie der relativen Unabhängigkeit und Flexibilität dieser Institution besteht gerade hier ein großes Potential für die Begleitung und Steuerung der zukünftigen Entwicklung der Bodenordnung in Mossurize. Das GACODEMO ist bisher die einzige Institution dieser Art in der Provinz Manica und nach inoffiziellen Angaben auch in Mosambik. Sie wird im wesentlichen durch die Persönlichkeit und das Engagement des Distriktadministrators geprägt und erhält von dieser Seite auch die intensivsten Arbeitsimpulse.

Justizdienst und Grundbuchamt

Der Justizdienst und das angeschlossene Grundbuchamt mit Register hat im formellen Bodenrecht eine Schlüsselposition, obwohl dort die Distriktebene keine Entscheidungskompetenzen bei der Genehmigung von Landnutzungsrechten hat. Die amtliche Registrierung und damit die Nachvollziehbarkeit von formell erteilten Rechten und die formelle Schlichtungsinstitution sind für die Lösung von Landkonflikten auf Disriktebene von grundlegender Bedeutung. Formell sind beide Institutionen auch für diese Aufgaben zuständig. In der Praxis jedoch gelangen Landkonflikte nicht bis vor das Gericht, und die Grundbesitzverhältnisse sind im Grundbuch und im Distriktregister nicht eingetragen. Die einzige Ausnahme bildet die Stadt Espungabera selbst. Urbane Grundstücke sind hier im Register und im Grundbuch verzeichnet, und Konflikte um diese werden auch vor Gericht verhandelt.

Das Gericht besteht aus einem hauptamtlichen Richter, der für den gesamten Distrikt zuständig ist. Es tagt einmal wöchentlich in Espungabera. Die übrigen Wochentage sind administrativen Aufgaben und Ortsterminen auf der Ebene der postos administrativos vorbehalten. Ein Staatsanwalt ist in Mossurize ebensowenig vorhanden wie Rechtsanwälte. Für Ortstermine steht dem Gericht kein Transportmittel zur Verfügung, in diesen Fällen wird in der Regel bei der Distriktadministration um Unterstützung nachgesucht.

Das Gericht kann prinzipiell von jedem Bürger des Distrikts in allen Rechtsangelegenheiten angerufen werden, und auch Fälle von Bauern des traditionellen Familiensektors werden vor Gericht gehört [FN 233]. Landkonflikte sind jedoch in den vergangenen zehn Jahren vor diesem Gericht nicht verhandelt worden. Dementsprechend liegen auch keine Erfahrungen mit Konflikten dieser Art vor.

4.5.2.2 Institutionen auf der Ebene des posto administrativo mit Sitz in Chiurairue

Administration und Exekutivrat

Die Regierungs- und Verwaltungsebene des posto administrativo besteht in den Ämtern des chefe do posto und seinem Stellvertreter sowie einem Bürogehilfen. In zweiwöchigen Intervallen erhält der chefe do posto seine Anweisungen von der Distriktverwaltung. Er koordiniert die Entwicklungsaktivitäten in seinem Verwaltungsgebiet, erteilt Genehmigungen für wirtschaftliche Aktivitäten bzw. reicht Anträge an die Distriktverwaltung weiter.

Der chefe do posto ist der Vorsitzende des Exekutivrats, der formell dem Disitriktexekutivrat entspricht. Da es auf dieser Ebene keine eigenen Sektordirektionen oder -dienste gibt, wählen oder bestimmen die im posto administrativo tätigen oder ansässigen Mitabeiter der Distriktdienste je einen Verantwortlichen für die Belange ihres Sektors. Im Falle der Landwirtschaft wählen die vier dem posto administrativo Chiurairue zugeordneten Berater des Distriktberatungsdienstes den Landwirtschaftsverantwortlichen, der den Sektor im Exekutivrat vertritt. Dieser tritt sporadisch auf Einberufung durch den chefe do posto zusammen und diskutiert aktuelle Probleme der Entwicklung in dem Gebiet. Abbildung 4 zeigt die Organisation der Verwaltung des posto administrativo Chiurairue.

Abbildung 4: Organisation der Verwaltung des posto administrativo Chiurairue

 

Von Bedeutung für die Gebietsentwicklung ist momentan nur die Zusammenarbeit des Exekutivrats mit dem Entwicklungsprojekt von MOLISV, bei dem Entscheidungen gemeinsam auf der Ebene des posto administrativo getroffen werden. Der Exekutivrat definiert dabei eigene Projekte und schlägt sie zur Umsetzung vor. Im Falle eines Übereinkommens werden diese dann von der NRO durchgeführt. Weder die Verwaltung des posto administrativo noch der Exekutivrat verfügen über adäquate Arbeitsmittel. Selbst Papier und Stifte werden von externen Organisationen gestellt. Fahrzeuge [FN 234] sind nicht vorhanden.

Das momentan genutzte Verwaltungsgebäude ist ein ehemaliges Wohnhaus der Missionsstation in schlechtem Zustand und hat - wie alle staatlich genutzten Gebäude dieses posto adminsitrativo - ungeklärte Besitzverhältnisse. Sämtliche festen Gebäude des Ortszentrums gehören zu den Einrichtungen der Missionsstation, die formell nicht enteignet worden war und ihren Landnutzungstitel weiterhin besitzt. Danach gehören sämtliche Infrastruktureinrichtungen zu dem Betrieb. Die Mission wiederum hatte die Gebäude in der Kolonialzeit an ihre Mitarbeiter übertragen, blieb aber Eigentümerin des Grundstücks. Nach geltendem Landrecht sind die Grundstücke Eigentum des Staates, sie sind aber durch den Landnutzungstitel im Besitz des Titelinhabers. Die Gebäude sind Privateigentum der im Gebäuderegister eingetragenen Personen. Das Gebäuderegister in Espungabera enthält zu Gebäuden außerhalb der Stadt Espungabera keine Angaben. Die Kirchenunterlagen der Mission dazu sind seit der Vertreibung der Padres im Jahr 1976 verschwunden.

Der chefe do posto unterhält persönliche Kontakte zu den meisten régulos der Region und trifft sich relativ regelmäßig mit diesen in den jeweiligen Gebieten wie auch im Verwaltungszentrum. Er betrachtet die régulos als die unterste Ebene der staatlichen Verwaltung. Diese Kontakte und Koordinierungstreffen haben für ihn erste Priorität, weshalb er sich bei allen Routineaufgaben vertreten läßt. De facto arbeitet der Stellvertreter im Verwaltungszentrum, während der chefe do posto sozusagen den Außendienst übernimmt. Auf diese Weise verfügt er über ausgezeichnete Ortskenntnisse und einen guten Zugang zu vielen comunidades.

Im Gegensatz zum Distriktlandwirtschaftsdirektor steht der chefe do posto auf dem Standpunkt, daß sich die Bauern des Familiensektors frei in dem Gebiet entfalten können müssen und die Stütze der landwirtschaftlichen Produktion in der Region sind. Die Landzuteilung soll allein Sache der régulos sein, allerdings bei deren Einbindung in die staatliche Verwaltung.

Nach seinem Selbstverständnis ist der chefe do posto der erste Ansprechpartner für Antragsteller einer Landnutzungskonzession. Er vermittelt dann den Kontakt zu den régulos bzw. der comunidade, leitet die Verhandlungen um freies Land und nimmt das Antragsformular zur Weiterleitung an den Distrikt entgegen. Diese Vorstellung wurde bisher noch nicht umgesetzt, die bisherigen potentiellen Antragsteller wurden von höheren Ebenen geschickt, um sich dem chefe do posto vorzustellen, und ihre Anträge lagen bereits bei SPGC vor.

Die aktuelle Aufgabe des chefe do posto bei der Beantragung von Landnutzungskonzessionen besteht in der Lieferung von Informationen über das beantragte Gebiet an die Distriktverwaltung sowie die Beschaffung weitergehender Daten bei den régulos.

Polizei

Der Polizeiposten des posto administrativo ist Bestandteil des Distriktkommandos der Polizei und somit diesem direkt unterstellt. Er ist keine direkt landrelevante Institution. Im Falle von Chiurairue jedoch hat sich der Polizeiposten zu einer wichtigen Konfliktschlichtungsstelle entwickelt. Dabei spielt die Persönlichkeit der dort stationierten Polizisten eine wesentliche Rolle. Sie haben während der Zeit der Isolation in dem dicht bevölkerten Gebiet ein Vertrauensverhältnis mit den Familien aufgebaut, da es in dieser Periode an einer akzeptierten oder durchsetzungsfähigen Autorität fehlte. Viele Bauern waren bei Landstreitigkeiten nur in der Anwesenheit einer Ordnungskraft zur Diskussion und zu Kompromissen bereit, so daß bei jeglichen Nachbarschaftskonflikten ein Polizist gerufen wurde. Nach der Rückkehr vieler Familien in ihre Ursprungsgebiete haben diese an der Gewohnheit festgehalten, so daß die Polizei heute, sofern für sie erreichbar, gelegentlich auch zu Schlichtungsversammlungen mit einem régulo gerufen wird.

Wie auch bei der Verwaltung des posto administrativo, sind die Besitzverhältnisse für das Polizeigebäude nicht geklärt. Die Einrichtung ist dementsprechend provisorisch, Arbeitsmaterialien sind knapp, und Transport ist nicht vorhanden [FN 235].

4.5.2.3 Institutionen auf der Ebene der comunidades mit Sitz in den jeweiligen Gebieten der chefes da povação oder régulos

Régulo

Die Institution des régulo und entsprechend auch des chefe da povação stellt heute (wieder und noch) eine Schlüsselposition für alle landrelevanten Belange in den traditionellen Siedlungsgebieten dar. Die Funktionen der traditionellen Führer sind an anderer Stelle [FN 236] bereits beschrieben, weshalb hier nur die wichtigsten Aufgaben bei der Landverwaltung dargestellt werden.

Die offiziellen Aufgaben des régulo bestanden während der Kolonialzeit in der Verwaltung des Landes, der Führung der comunidade sowie der Ausführung von Aufgaben der untersten staatlichen Verwaltungsinstanz. Dazu gehörten auch die Führung eines Buches über Bevölkerungs- und Produktionsdaten und die Eintreibung von Steuern und Abgaben.

Seit der Unabhängigkeit haben sich die traditionellen Führer in den Gebieten, in denen sie sich gegenüber der staatlichen Verwaltung und Regierung behaupten konnten [FN 237], auf die Ausführung ihrer traditionellen Aufgaben konzentriert. Diese bestanden neben der Landverwaltung und -zuteilung im wesentlichen in der Schlichtung von Konflikten aller Art, der Überwachung von "Recht und Ordnung", der Gerichtsbarkeit und der Durchführung traditioneller Zeremonien.

In Zuge der Rückkehr der Flüchtlinge aus Zimbabwe wurden die traditionellen Führer von UNHCR gebeten und von der Distriktverwaltung formell verpflichtet, wieder ein Buch über ihre comunidade zu führen. Damit sollten in erster Linie Daten über Bevölkerungsbewegungen sowie aktuelle Siedlungsstrukturen erhalten werden. Die meisten régulos und chefes sind jedoch entweder nicht bereit oder nicht in der Lage, dieser Aufgabe nachzukommen. Insbesondere die RENAMO-orientierten Autoritäten weigern sich, der Verwaltung genaue Daten über ihre Gebiete zur Verfügung zu stellen.

Das traditionelle Verwaltungssystem beruht auf den Kenntnissen und dem Gedächtnis der alten, erfahrenen Männer und der oralen Überlieferung. Dementsprechend wird über das zugeteilte Land kein Buch geführt. An diesem Punkt besteht die größte Diskrepanz zwischen der staatlichen Verwaltung und der traditionellen Führung. Während erstere davon ausgeht, daß Land in ausreichender Menge für alle Interessengruppen vorhanden ist, sagen letztere, daß es in der gesamten Region kein freies Land mehr gibt.

Die soziale Ordnung in den Gebieten und die Einhaltung der informellen Regeln und Gesetze wird durch die traditionellen Sicherheitskräfte gewährleistet. Jeder régulo oder chefe hat einen oder mehrere dieser "Polizisten" unter sich, die besonders in der Kolonialzeit auch die Garanten der Macht des jeweiligen Herrschers waren.

Die aktuell praktizierte Koordinierung der régulos mit der Verwaltung besteht auf Ebene des posto administrativo in Beratungen zur Gebietsentwicklung, insbesondere zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur. Auf Distriktebene werden die régulos in unregelmäßigen Abständen zu Sitzungen des GACODEMO eingeladen und können dort ihre Positionen zu einzelnen Entwicklungsaspekten darstellen. Gleichzeitig bekommen sie dort Informationen über Entwicklungen im Bereich des formellen Bodenrechts [FN 238] und der Einbeziehung der traditionellen Autoritäten in die Verwaltung mitgeteilt. Auch politische Aspekte werden diskutiert. Derzeit versucht die Distriktadministration, die régulos von der Notwendigkeit einer Boden- und Agrarreform zu überzeugen. Momentan besteht dazu auf der Seite der traditionellen Führer keinerlei Bereitschaft. Diese sehen ihre Zukunft vielmehr in der Kontrolle des Landes in ihren Herrschaftsgebieten. Andererseits gibt es jedoch auch unter den régulos bereits Bestrebungen, ein Gehalt als Staatsbediensteter zu bekommen.

Ältestenrat

Innerhalb der einzelnen comunidades gibt es mehr oder weniger funktionale Räte der ältesten und erfahrensten Männer aus den alten autochthonen Familien. Dieses Gremium ist in den meisten Gebieten die letzte Entscheidungsinstanz bei allen Fragen der comunidade. Sein wesentlicher Verantwortungsbereich liegt in der Beratung des régulo oder chefe, der Gerichtsbarkeit mit dem régulo sowie der Konfliktschlichtung. Im Verlauf der Wiederbesiedlung der Region und der folgenden Landkonflikte zwischen den zurückkehrenden Familien hatten die Ältestenräte in den Gebieten eine Schlüsselrolle inne, die sie bis heute noch ausgebaut haben. Ihre Entscheidung gilt in der comunidade als endgültig und wird von allen Beteiligten akzeptiert.