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Dirk Effler (1996): Bodenrecht, Bodenordnung und Landnutzungsplanung 4.4.2 Kommerzielle Interessen In den Untersuchungsgebieten der Region Mossurize-Sul gibt es derzeit noch keine rein kommerziellen landwirtschaftlichen Betriebe. Es liegen jedoch Anträge auf Landnutzungskonzessionen für Flächen in den postos administrativos Espungabera und Chiurairue vor. Diese können unterteilt werden in einen Großbetrieb von internationaler Bedeutung [FN 223] und mehrere Mittelbetriebe [FN 224] nationaler und ausländischer Interessenten. Das Ziel des Großbetriebes besteht in der Produktion und Vermarktung von Tee, Kaffee und Obst im Zusammenhang mit kleinbäuerlichen Produktionsweisen. Gleichzeitig sollen die in dem betreffenden Gebiet ansässigen Familienbauern in den Betrieb integriert werden. Zu diesem Zweck ist eine komplette Bodenneuordnung vorgesehen:
Innerhalb der Betriebsfläche ist der Bau von Infrastruktureinrichtungen (Straßen und Wegen, Wasserversorgung, Schulen und Verkaufsstellen) vorgesehen. Der Betrieb wird mit den einzelnen Familien Verträge über die Nutzung des Landes und die Vermarktung der Produkte schließen und Pflanzmaterial sowie technische Beratung zur Verfügung stellen. Familien, die sich nicht in dieses Schema integrieren wollen, sollen für den Verlust ihres Landes entschädigt werden. Die geplanten Mittelbetriebe haben den mechanisierten Anbau von Cash-Crops (Baumwolle, Sonnenblumen, Erdnüsse, Mais) in Monokultur zum Ziel. Ansässige Kleinbauern werden nicht direkt in den Betrieb integriert. Über den Umgang mit Familien, die sich auf der zukünftigen Produktionsfläche befinden, gibt es keine Angaben. Es kann davon ausgegangen werden, daß diese in die weniger geeigneten Bereich zwischen einzelnen Produktionsblöcken umgesiedelt oder zum Verlassen des Landes aufgefordert werden. Der Zugang der kommerziellen Betriebe zu Land rechtfertigt sich aus dem formellen Titel, den sie nach Abschluß des Antragsverfahrens voraussichtlich erhalten werden. Dies beinhaltet auch den Zugang zu auf dem Betriebsgelände befindlichen Wasserressourcen. Während sich der Großbetrieb de facto lediglich den Zugang zu den von den Familien erzeugten Produkten sichert, erheben die Mittelbetriebe Anspruch auf den direkten Zugang zum Land. Die kommerziellen Betriebe befinden sich in einer relativ sicheren Position gegenüber anderen Nutzer- und Interessengruppen. Staatliche Stellen erkennen den gültigen Landtitel an und Nichtregierungsorganisationen beanspruchen entweder keinen direkten Zugang zu Land oder verfügen über formell anerkannte Rechte an ihren Flächen. Gegenüber dem Familiensektor können die kommerziellen Betriebe theoretisch mit der Unterstützung des Staatsapperates (vor allem Polizei) im Falle von Konflikten rechnen. Außerdem respektiert die Mehrheit der Familienbauern ein offizielles Zertifikat als eine Art höhere Gewalt, der sie sich auch in der Vergangenheit beugen mußten. Aufgrund ihrer Finanzkraft und technischer und personeller Kapazitäten sind kommerzielle Betriebe im allgemeinen in der Lage, die landwirtschaftliche Produktion und die dazugehörige Infrastruktur in ihrem Einflußgebiet relativ schnell zu entwickeln. Bei guter Planung und kooperativen Verhandlungen zwischen den kommerziellen Interessenten und den Familienbauern kann eine Entwicklung der Region initiiert werden, die für beide Gruppen Vorteile bringt. Die stärkere Position der kommerziellen Interessenten kann jedoch auch einen negativen Einfluß auf den Familiensektor haben, wenn dieser ausschließlich seine Flächen verliert und als Lohnarbeiter in die Abhängigkeit des kommerziellen Farmers gerät.
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