Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

Dirk Effler (1996): Bodenrecht, Bodenordnung und Landnutzungsplanung
im Kontext der ländlichen Entwicklung in der Manica-Provinz, Mosambik

4.2.2 Mossurize

Die Untersuchungsgebiete im Distrikt Mossurize befinden sich in den postos administrativos Espungabera und Chiurairue [FN 178]. Sie folgen einem Transekt von der Grenze mit Zimbabwe über den Ort Chiurairue bis zur Grenze mit dem Distrikt Machaze.

4.2.2.1 Naturräumliche Bedingungen

Landschaftsformen

Die Landschaftsformen können in drei Hauptgruppen gegliedert werden. Die westliche Hochplateauzone, eine Escarpment-Zone und die tiefliegenden Ebenen dominieren die Landschaft von Nordwest nach Südost. Die Plateauzone ist von den Flüssen des oberen Einzugsgebietes des Rio Búzi zerschnitten. Diese formen schmale V-Täler mit steilen Hängen in einer ansonsten bewegten Umgebung. Im Übergang zwischen Plateau und Escarpment ist die Landschaft leicht bewegt mit sanften Hängen. Die Escarpment-Zone ist stark zerschnitten, und steile Hänge dominieren hier. Die höheren Teile der Ebene sind leicht bewegt bis flach, und von einigen Erhebungen mit steileren Hängen unterbrochen. Die tieferen Teile der Ebene sind im allgemeinen flach, aber von einer großen Zahl von Entwässerungswegen zerschnitten. Die Entwässerungsmuster sind in allen Zonen dendritisch. Sie weisen in der Plateau- und Escarpment-Zone eine mittlere Dichte, im oberen Teil der Ebene eine geringe und im tieferen Teil der Ebene eine extrem hohe Dichte auf. Die Höhenlagen bewegen sich zwischen weniger als 200 m ü.M. in den tieferen Ebenen und mehr als 900 m ü.M. auf dem Plateau.

Klima

Die Klimate der Plateau- und der Escarpment-Zone werden durch die Daten der meteorologischen Station in Espungabera repräsentiert. Sie zeigen einen mittleren jährlichen Niederschlag von 1.499 mm, eine mittlere jährliche potentielle Evapotranspiration von 1.114 mm, eine mittlere Jahrestemperatur von 20,1°C mit Wintertemperaturen von 15,1°C und Sommertemperaturen von 25,1°C. Die Hauptvegetationsperiode geht vom 27. September bis 20. August (328 Tage im Durchschnitt), wenn es eine Vegetationsperiode gibt. Sie reicht vom 27. September bis 11. April (195 Tage im Durchschnitt), wenn es zwei Vegetationsperioden gibt. Das Klima der Ebenen wird repräsentiert durch Daten der meteorologischen Station Mucheve. Es ist charakterisiert durch einen mittleren jährlichen Niederschlag von 900 mm. Daten zur mittleren jährlichen potentiellen Evapotranspiration sind nicht verfügbar, aber es kann angenommen werden, daß diese ein ähnliches Verhältnis zwischen Niederschlag und Evapotranspiration wie die Ebenen von Gondola zeigen (1:0,52). Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 25,5°C. Die Hauptvegetationsperiode geht vom 12. November bis 9. März (149 Tage im Durchschnitt). Allgemein nehmen die Niederschläge von Südost nach Nordwest mit zunehmender Höhe zu. Das Klima bei Espungabera ist - aufgrund der Menge und Verläßlichkeit der Niederschläge - wesentlich besser geeignet für Pflanzenproduktion als das bei Mucheve.

 

Böden

Die Böden der Plateau- und Übergangszone zwischen Plateau und Escarpment werden dominiert durch Ferralsol-Nitisol-Assoziation aus Gneis. Sie wechseln mit Rohböden auf steileren Hängen und alluvialen Böden in den Tälern und sind gut bis mäßig drainiert. Das Escarpment weist vorwiegend Rohböden in stark erodierten Gebieten aus, die eine lehmig-sandige Textur mit hohem Schotteranteil haben. Der dominante Bodentyp ist der Lepotosol mit sehr guten Drainagebedingungen. Die oberen Ebenen werden durch zwei verschiedene Bodenformationen gekennzeichnet: Eine Assoziation von Vertisols und Lixisols aus Basalt in Zonen mit flachem und tieferliegendem Gelände sowie rote Acrisols aus Gneis in Zonen mit leicht erhobenem und welligem Gelände. Erosion kommt in dem gesamten Gebiet vor und hängt vom Bodentyp, der Hangneigung und der Landnutzung ab. Die Gebiete um (frühere) aldeias und in der Nähe von urbanen Siedlungen zeigen einen hohen Grad an Degradierung (Erosion und Oberflächenverschlämmung), besonders auf dem Plateau und in der Übergangszone. Weite Teile der Ebene und der Escarpment-Zone waren während des Krieges verlassen, so daß die Böden in diesen Gebieten Zeit zur Erholung hatten.

Vegetation

In Gebieten mit einer hohen Bevölkerungsdichte während des Krieges, auf dem Plateau und in der Übergangszone, ist nahezu die gesamte natürliche Vegetation gerodet worden, um Äcker anzulegen. Um Espungabera, Chiurairue und einige der früheren aldeias bilden Obstbäume und einige Eucalyptus die einzige Baumvegetation. Auf der anderen Seite waren weite Teile der Region während des Krieges verlassen, so daß sich sekundäre Miombo-Wälder mit verschiedener Dichte (in den höherliegenden Gebieten) und offene Grassavannen (in den tiefergelegenen Teilen der Ebene) entwickeln konnten.

In den letzten Jahren hat sich die Vegetationsbedeckung schnell geändert. Während die ausgelaugten Böden der intensiv genutzten Gebiet brachfallen und sich Sekundärvegetation auf den Feldern entwickelt, werden Wälder gerodet, um neue Äcker anzulegen. In den jüngst gerodeten Gebieten bleiben mehr Bäume auf den Feldern stehen (Obstbäume u.a.). Die dominanten Baumarten sind Brachystegia, Pterocarpus und Albizzia. Obstbäume (besonders Mango und Citrus) kommen überall vor und bilden ein dominantes Landschaftselement. Grasvegetation wird dominiert durch Panicum maximum in den Ebenen und Pennisetum purpureum in der Plateau-, Übergangs- und Escarpment-Zone.

4.2.2.2 Sozio-ökonomische Bedingungen

In dem Untersuchungsgebiet besteht die wesentliche wirtschaftliche Aktivität in der Produktion von Nahrungsmitteln durch Bauern des Familiensektors. Zur Zeit werden Cash-Crops selten produziert. Bauern, die relativ nahe am infrastrukturellen Netz leben, verkaufen ihre Produktionsüberschüsse nach der Ernte und bauen einige Kulturen nur zum Verkauf an. Kleinhandel ist ein wachsender Sektor und kleine Kioske und Verkaufsstellen für landwirtschaftliche Produkte sprießen aus dem Boden. Die Menschen in den stadtähnlichen Gebieten (z.B. Chiurairue) suchen nach Beschäftigungsmöglichkeiten.

Die Region kann unterteilt werden in Gebiete, die während des Krieges unter Regierungs- oder RENAMO-Kontrolle standen. Erstere zeigen eine hohe Bevölkerungs- und Infrastrukturdichte sowie das Vorhandensein staatlicher Dienste. Letztere sind (noch) wesentlich dünner besiedelt, und Infrastruktur ist entweder zerstört oder nicht vorhanden. Staatliche Dienste sind dabei, ihre Aktivitäten auch in diese Gebiete auszudehnen, um die dorthin ziehenden Menschen zu erreichen (zurückkehrende Flüchtlinge und intern Vertriebene). Qualität und Quantität infrastruktureller Ausstattung nehmen mit zunehmender Distanz von Bevölkerungszentren ab. Das Fehlen von Basisinfrastruktur (besonders Straßen, Wasserversorgung und Vermarktungsmöglichkeiten) sind der Engpaß für eine weitere ländliche Entwicklung.

Detaillierte und verläßliche Zahlen zur Bevölkerung waren nicht erhältlich. Es ist aber offensichtlich, daß die größte Bevölkerungsgruppe Kinder sind und daß der Frauenanteil über dem der Männer liegt. Männer sind in der Nähe von Siedlungszentren relativ mobil und stationärer in abgelegenen und verstreut besiedelten Gebieten. Die durchschnittliche Familiengröße wird auf 4,5 Personen pro Familie geschätzt. Es gibt eine sehr geringe Alphabethisierungsrate.

4.2.2.3 Landnutzung

Kurze Geschichte der Landnutzung und (Wieder) Besiedlung

Während der Kolonialzeit waren Landnutzungs und Siedlungsmuster hauptsächlich durch kleinbäuerliche Familien und traditionelle Streusiedlungen geprägt. Nur wenige portugiesische kommerzielle Betriebe mittlerer Größe waren auf guten Standorten etabliert.

Die erste große Änderung der Landnutzung wurde durch die Einbindung des Familiensektors in kommerzielle Landwirtschaft seitens der Portugiesen eingeleitet. Aufgrund des neu entstandenen Bedarfs an monetärem Einkommen ausgelöst durch koloniale Politik sowie auf Druck der portugiesischen "Landwirtschaftsberater" gingen viele Bauern von der Subsistenzproduktion zum Anbau von Cash-Crops (vorwiegend Baumwolle) über. Obwohl die Produktion von Cash-Crops anfangs erzwungen wurde, entwickelte sie sich später zu einer vorzugsweise praktizierten Anbauform des Familiensektors. Landnutzung wurde intensiviert, Bracheperioden auf ein Minimum reduziert und die Felder zeigten regelmäßige Strukturen. Die Bauern blieben jedoch mit ihren Gehöften auf den Feldern im traditionellen Siedlungsmuster. Kurz vor der Unabhängigkeit planten die Portugiesen, diese Form der Landnutzung weiter zu intensivieren durch die Erarbeitung eines großräumigen Landnutzungsplans [FN 179].

Nach der Unabhängigkeit produzierten die Familienbauern in gleicher Weise weiter. Der Produktionsprozeß wurde jedoch relativ schnell durch den totalen Zusammenbruch des Marktsystems gestoppt, und viele Familienbauern kehrten zu Produktionssystemen zurück, die die Ernährung der Familie gewährleisteten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine nennenswerten Bevölkerungsbewegungen.

Mit dem Start des Dorfprogramms der FRELIMO-Regierung setzte auch die erste größere Bevölkerungsbewegung in dem Untersuchungsgebiet ein, und viele Familien gingen in die neu gegründeten Gemeinschaftsdörfer [FN 180]. Durch diese Umsiedlung mußten viele Bauern ihre angestammten Felder aufgrund der nun großen Distanzen zwischen Wohnung und Feld verlassen. Sie versuchten deshalb ein neues Stück Land in der Nähe der aldeia zu bekommen.

Das Untersuchungsgebiet wurde durch drei Kriege in Folge beeinträchtigt. Der mosambikanische Befreiungskrieg erreichte Mossurize zwar nur partiell, löste aber dennoch kleinere lokale Bevölkerungsbewegungen aus. Auch ein Teil der Infrastruktur wurde zerstört. Nach der Unabhängigkeit Mosambiks wurde die Region durch den Unabhängigkeitskrieg in Zimbabwe stark beeinträchtigt. Flüchtlinge aus Zimbabwe ließen sich in Mosambik nieder, und die rhodesische Armee zerstörte einen großen Teil der physischen Infrastruktur in Mossurize. Viele Familien verließen zu dieser Zeit aus Sicherheitsgründen ihre Gehöfte und siedelten sich in der Umgebung von Espungabera oder Chiurairue an. Andere gingen aus eben diesen Gründen in die aldeias.

Nach der Unabhängigkeit Zimbabwes nahmen die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der FRELIMO-Regierung und der RENAMO sprunghaft zu, wodurch die bisher größten Fluchtbewegungen unter der Bevölkerung ausgelöst wurden. Die Mehrheit der Bevölkerung floh nach Zimbabwe, und ein weiterer "run" auf die aldeias setzte ein. In einigen Gebieten blieben die Familien, zogen aber in der Region umher, um Truppenbewegungen beider Seiten aus dem Weg zu gehen. Während dieser Zeit war der größte Teil des Untersuchungsgebiets verlassen, und die Bevölkerung konzentrierte sich auf einige Inseln unter Regierungskontrolle. In den RENAMO-Gebieten hingegen herrschten eine extrem niedrige Bevölkerungsdichte, disperse Siedlungsmuster sowie eine große Mobilität der Familien.

Die letzte große Bevölkerungsbewegung vor dem Ende des Krieges wurde durch eine Sequenz von extremen Dürrejahren [FN 181] ausgelöst, die hauptsächlich die tiefliegenden Gebiete in Mossurize und Machaze betraf. Zu dieser Zeit wurden in dem Untersuchungsgebiet aldeias, die bereits einmal aus Sicherheitsgründen verlassen worden waren, von durch die Trockenheit betroffenen Familien wiederbesiedelt. Zum Ende des Krieges 1992 gab es in dem Untersuchungsgebiet keine nennenswerte Siedlung der traditionellen Form. Die Menschen lebten in den regierungskontrollierten Enklaven, die eine extrem hohe Bevölkerungsdichte aufwiesen. Die Landnutzung war beschränkt auf eine sehr intensive Subsistenzproduktion um die Siedlungszentren herum ohne jegliche Brache oder höhere Vegetation zwischen den Feldern.

Zwischen 1993 und 1995 gab es zwei größere Bevölkerungsbewegungen in der Untersuchungsregion. Auf der einen Seite der organisierte Rücktransport von Flüchtlingen aus Zimbabwe, auf der anderen Seite die spontane Rückkehr von Flüchtlingen. Die Größenordnung dieser zweiten Gruppe kann nicht eingeschätzt werden, da es weder Registrierung noch Kontrolle gab. Viele Menschen, die in den aldeias oder anderen Siedlungszentren gelebt hatten, gingen in ihre Ursprungsgebiete zurück. Einige der aldeias sind heute fast völlig verlassen. In den letzten drei Jahren haben sich Siedlungsmuster und Landnutzung der Region explosionsartig verändert. Ende 1995 herrschte wieder die traditionelle Streusiedlungsform in Mossurize vor, da viele Familien in ihre Ursprungsgebiete zurückgekehrt waren und sofort mit der Anlage von Feldern und dem Wiederaufbau ihrer Gehöfte begannen. Viele der Dürreflüchtlinge wollen nicht in ihre Ursprungsgebiete zurückkehren und suchen ein Stück Land. Einige Familien bleiben in den Siedlungszentren und schicken entweder einzelne Familienmitglieder auf die ehemaligen Felder oder werden zu Wochenendbauern.

Im selben Zeitraum hat sich die Landnutzung völlig verändert. Die erste Aktivität aller Bauern war die Rodung von Wald- und Buschvegetation, um so viele Nahrungsmittel wie möglich für den Eigenverbrauch anzubauen. Heute planen oder beginnen viele Bauern wieder damit, Verkaufsprodukte anzubauen.

Nutzergruppen

Im Untersuchungsgebiet können momentan lediglich Bauern des Familiensektors als aktive Landnutzer identifiziert werden. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen bei Anträgen auf Erteilung von Landnutzungsrechten wird sich diese Situation in naher Zukunft zu einer Nachbarschaft und/oder Konkurrenz von großen, mittleren und kleinen kommerziellen Betrieben und den Familienbauern entwickeln. Die Familienbauern können in Gruppen unterteilt werden, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt typisch sind. Es gibt jedoch eine hohe Fluktuationsrate zwischen diesen Gruppen. Die Beschreibung erfolgt anhand der momentanen Charakteristika jeder Gruppe. Der Veränderungsprozeß schreitet sehr schnell voran.

Eine detaillierte Beschreibung des Familiensektors erfolgt im Kapitel 4.4.1. Hier soll zunächst nur ein kurzer Überblick gegeben werden:

  • Die Mehrheit der Familienbauern gehört zur Gruppe der (organisiert und spontan) zurückgekehrten Flüchtlinge. Die meisten siedelten sich wieder in ihren Ursprungsgebieten an und übernahmen ihr ehemaliges Land oder das ihrer Väter oder Verwandten. Diese Bauern erhielten ihr Stück Land durch traditionelle Mechanismen. In Abhängigkeit von dem Status, der Macht und der Regeln des jeweiligen régulo zeigten die Rückkehrer ihre Ankunft bei diesem an und forderten ihr altes Land zurück oder sie besetzten es wieder, nachdem sie sich mit den Nachbarn abgestimmt hatten. Die Relation zwischen kultiviertem Land und Buschland ist abhängig von der Verfügbarkeit von Arbeitskraft und Handwerkszeug für die Familie. Diese Gruppe ist verhältnismäßig homogen, Variationen werden hauptsächlich durch die Größe der Flächen sowie den Zugang zu mehr oder weniger fruchtbarem Land bestimmt.
  • Eine kleinere Gruppe zurückkehrender Flüchtlinge ging nicht in ihre Ursprungsgebiete zurück, sondern versuchte ein Stück Land in einem anderen Gebiet zu bekommen. Bei diesen Familien handelt es sich hauptsächlich um Flüchtlinge aus den Baixas von Mossurize und Machaze oder aus der Provinz Gaza, die vor der Trockenheit geflohen waren. Des weiteren gehören zu dieser Gruppe Menschen, die nicht in ihre Ursprungsgebiete zurückkehren wollen, weil sie dort zu sehr unter den Auswirkungen des Krieges gelitten hatten. Die Mehrheit der Bauern dieser Gruppe verfügt über ein vorläufiges Abkommen mit einem régulo und/oder einer anderen Familie über die Nutzung einer Parzelle, die momentan ungenutzt ist. Einige Familien haben bereits permanente Landrechte zugeteilt bekommen und sind Mitglieder der comunidade. Andere wiederum siedelten sich vorläufig in den aldeias auf Land an, das von in ihre Urspungsgebiete zurückgekehrten Familien verlassen wurde und versuchen ihrerseits, permanente Landrechte bei einem régulo zu bekommen. Diese Gruppe ist sehr heterogen und die Fluktuationsrate zwischen den einzelnen Teilgruppen ist sehr hoch. In der näheren Zukunft werden die meisten Bauern dieser Gruppe voraussichtlich zur ersten Gruppe überwechseln.
  • Intern vertriebene Familien, die noch in den aldeias leben, haben entweder noch nicht über ihren zukünftigen Wohnsitz entschieden oder beabsichtigen, permanent dort zu bleiben. In beiden Fällen sind die Zukunftsaussichten unsicher, weil sich der Veränderungsprozeß in den aldeias am stärksten auswirkt. Viele der aldeias werden sich voraussichtlich in traditionelle Streusiedlungen verwandeln, in denen die meisten Bewohner ihren Ursprung haben. Die einzige Ausnahme in dem Untersuchungsgebiet ist die Umgebung von Chiurairue. Die Parzellen sind relativ klein, und die Landnutzung sehr intensiv. Viele der Familien haben bereits Konflikte mit zurückkehrenden Flüchtlingen, die ihr Land zurückverlangen. Diese Gruppe kann als die schwächste eingestuft werden und besteht vorwiegend aus älteren Menschen und frauengeführten Haushalten.
  • Die Bauern, die in der Umgebung von Chiurairue bleiben, nutzen kleine Parzellen, die ihnen nach der Unabhängigkeit von formellen Autoritäten zugeteilt worden waren. Diese Menschen versuchen entweder, sich zusätzliche Einkommensquellen durch bezahlte Arbeit oder ein eigenes Geschäft zu erschließen, oder sie besitzen Landrechte in einem traditionellen Siedlungsgebiet oder beides. Einige betätigen sich nur noch als Wochenendbauern, andere gehen zwar täglich der Feldarbeit nach, jedoch nur in den arbeitsintensiven Perioden. Wiederum andere schicken einzelne Familienmitglieder in ein Gebiet außerhalb des Siedlungszentrums, um dort eine Parzelle zu bekommen und zu bewirtschaften.
  • Die Familien, die ihre Ursprungsgebiete nicht verlassen hatten, leben vorwiegend in den Gebieten mit geringerer Bevölkerungsdichte in den Ebenen und Niederungen. Während der verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen waren diese extrem mobil, um jegliche Kontakte mit Truppen zu vermeiden. Diese Bauern besitzen oft eine Vielzahl von Feldern, die in dem gesamten Gebiet verstreut liegen, und die sie durch den régulo oder Verwandte erhalten haben. Viele dieser Menschen behalten zunächst ihre als Überlebensstrategie entwickelten Landnutzungsformen bei. Sie konzentrieren ihre Aktivitäten auf das vielversprechendste Feld, nutzen aber auch alle weiteren Felder, um das Ernteausfallrisiko durch Naturkatastrophen zu minimieren.

4.2.2.4 Landnutzungsaspekte aus der Sicht der Familienbauern

Böden, Land und Niederschläge

Die Bauern in dem Untersuchungsgebiet beschreiben die Böden auf ihrem Land zunächst auf allgemeine Weise. Die höhergelegenen Bereiche der Landschaft, das Plateau, die Übergangs- und Escarpment-Zone werden als gutes bis sehr gutes Land eingestuft. Die niedrigeren Bereiche hingegen, die Ebenen, werden als relativ schlechte Standorte beschrieben. Mit Bezug auf ihre eigenen Felder können die Bauern verschiedene Bodentypen mit ihren Eigenschaften und Eignungen ebenso beschreiben wie unterschiedliche Bereiche der Landschaft oder ihrer Felder. Trotzdem differenziert die Mehrheit der Bauern lediglich zwischen guten und schlechten Standorten.

Den wichtigsten Unterschied für die Bauern stellt der Status der Bodendegradierung dar. Ermüdete Böden, die bereits Anzeichen zurückgehender Fruchtbarkeit zeigen, werden anhand zurückgehender Erträge und dem Vorherrschen bestimmter Unkräuter identifiziert. Die meisten Bauern wissen, daß intensiv genutztes Land innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ermüdet, und daß die mögliche Nutzungsdauer von der Qualität des Bodens abhängt. Eine andere Form der Bodendegradierung wird als "Land, bei dem das Wasser den Hügel herunterfließt und die beste Erde mitnimmt" beschrieben. Abgesehen von dieser Beschreibung, gibt es kaum ein Bewußtsein für die Gefahr der Bodenerosion. Lediglich auf lange und intensiv genutzten Standorten, wo Erosion offensichtlich ist, sprechen die Bauern über dieses Phänomen. Sie glauben nicht, daß ihre gerade wiedererschlossenen Felder bereits während der ersten Vegetationsperiode von Erosion betroffen werden könnten. Im allgemeinen werden ermüdete und erodierte Standorte nicht als schlecht bezeichnet so wie die Standorte, die aufgrund ihrer natürlichen Bedingungen nicht für Ackerbau geeignet sind. Trotzdem sind einige Standorte als ausgewaschen oder erodiert bekannt und werden als schlechtes Land beschrieben.

Land, das nicht als übernutzt eingestuft wird, kann gut, mittelmäßig oder schlecht sein. Im allgemeinen sind dies die zuletzt wiederbesiedelten und neu angelegten Felder sowie Standorte in den wenig bevölkerten Gebieten, wo die Bracheperioden relativ lang gehalten werden. Die Bauern nutzen verschiedene Indikatoren, um die Qualität der Böden auf diesen Standorten zu bestimmen und zu beschreiben. Es gibt keine Regeln und die Indikatoren der Bodenbeschreibung variieren von einem Bauern zum anderen, basierend auf der persönlichen Erfahrung.

  • Topographische Merkmale. Das Feld wird in höhergelegene Bereiche oder Kuppen, Hänge und baixas eingeteilt. Letztere sind grundsätzlich die besten Standorte, während die Kuppen als gute oder mittelmäßige Standorte beschrieben werden und Hänge als gut oder problematisch. Als das beste Land werden Standorte in der Nähe permanenter Flüsse beschrieben, wo Gartenbau und Bewässerung möglich sind. Ebenso werden ebene Standorte, bei denen das Wasser infiltrieren kann, anstatt oberflächlich abzufließen, als sehr gute Standorte beschrieben.
  • Bodeneigenschaften. Die am weitesten verbreiteten von den Bauern genutzten Indikatoren zur Beschreibung der Bodenqualität sind Farbe und Textur der Böden. Einige Beispiele dafür sind:
  • Gelbe Böden in den baixas brauchen keine Dünger oder andere Verbesserungsmittel,
  • weiße Böden sind nur für Hybridmais in Verbindung mit Düngemitteln geeigent,
  • rote und braune Böden auf Kuppen sind gleichförmig und allgemein sehr fruchtbar, sie benötigen keinen Dünger,
  • gute Böden haben einen hohen Gehalt an organischem Material im Oberboden,
  • sandige Böden sind generell schlechte Böden,
  • die Mischung eines Bodens mit Sand oder Ton gibt Auskunft über die Fruchtbarkeit; Böden werden als sandig, pulverig oder fett beschrieben, Tonböden sind besser als Sandböden,
  • die Bodenqualität wird über die Permeabilität bestimmt: Je mehr Wasser infiltrieren kann, umso besser ist der Boden,
  • einige Bauern, die in Zimbabwe weitergehendes Training erfahren haben und über agronomische Grundkenntnisse verfügen, sind in der Lage, die Böden entsprechend der wissenschaftlichen Bezeichnung ihrer Charakteristika zu beschreiben.
  • Wachstum der natürlichen Vegetation. Natürliche Vegetation wird oft als Mittel zur vorläufigen Bestimmung der Bodenqualität genutzt. Die Hauptindikatoren sind das Erscheinungsbild der natürlichen Vegetation, jährliches Graswachstum und das Auftreten und die Größe von Bäumen.
  • Wachstum der Kulturen. Bauern, die mehrere Jahre auf derselben Fläche gearbeitet haben, nutzen ihre Erfahrungen mit dem Wachstum der Kulturen in verschiedenen Jahren, um die Bodenqualität zu bestimmen. Wenn alle Kulturen angebaut werden können, werden die Böden als gut beschrieben. Die wichtigsten Indikatoren sind die jährliche Entwicklung der Saat und das Maiswachstum.

Bevor Land gerodet wird, nutzen die Bauern ihre eigenen Erfahrungen aus der Vergangenheit oder befragen ältere Bauern über die besten Stellen des Familienlandes. Nach der Brandrodung der Buschvegetation wird in der Regel direkt und ohne Bodenvorbereitung gepflanzt, da die Bodenoberfläche nicht verschlämmt ist. Wenn in der Folge festgestellt wird, daß eine Kultur nicht zufriedenstellend auf einem Standort, der als gut bekannt ist, gedeiht, versuchen die Bauern, die Bodenvorbereitung zu verbessern.

Unabhängig von ihren Kenntnissen über die Bodenqualität testen viele Bauern ihre Standorte nach der Rodung mit der Trial-and-Error-Methode. Im Falle einer guten Ernte wird der Standort beibehalten, im Falle einer schlechten wird er entweder als schlechter Standort ausgegrenzt oder verbessert, sobald der Bauer dazu in der Lage ist. Bodenkonservierungsmaßnahmen werden selten angewandt und kommen vorwiegend auf Demonstrationsfeldern vor. Es gibt kaum ein Bewußtsein über die Notwendigkeit von Bodenkonservierung, und nur wenige Bauern sprechen darüber. Einige Bauern erzählten, daß sie während der Kolonialzeit gezwungen wurden, Bodenkonservierungsmaßnahmen anzuwenden, andere wiederum wissen, daß Erosionskontrolle notwendig ist, klagen aber über einen Mangel an Instrumenten bzw. Zugtieren zu ihrer Umsetzung.

In den meisten höhergelegenen Gebieten werden die Niederschläge als allgemein gut und ausreichend für die Pflanzenproduktion bezeichnet. Nur in den Gebieten, die weithin für ihre trockenen Konditionen bekannt sind, beklagten die Bauern Niederschlagsprobleme. Dies trifft besonders auf die Ebenen zu. Die Art und Weise, wie Bauern die Niederschlagsbedingungen beschreiben, sind sehr verschieden. Einige Beispiele sind:

  • Kleinräumige Variabilität der Nierderschläge in Teilen des Familienlandes,
  • unterschiedliche Niederschläge werden als ein Charakteristikum des Jahres beschrieben (besonders der Vegetationsperiode), und nicht als ein langfristiges Phänomen,
  • die Mehrzahl der zurückgekehrten Flüchtlinge war an die trockenen bis sehr trockenen Bedingungen in Zimbabwe gewöhnt und beschreibt auch die unzuverlässigen Niederschläge in der Periode 1994/95 als sehr gut,
  • die Mehrheit der Bauern denkt sehr kurzfristig in bezug auf die Niederschläge, da sich ihre Erfahrungen in dem Gebiet auf die letzten zwei bis drei Jahre beschränken,
  • einige Bauern zählen die regenfreien Tage einer Vegetationsperiode, um die Qualität des Jahres zu beschreiben,
  • einzelne Jahre werden lediglich als gute oder schlechte Jahre beschrieben,
  • vielfach wird das Land allgemein als gut bezeichnet, und nur der Niederschlag als ausschlaggebend für das Pflanzenwachstum,
  • Niederschlagsprobleme der vergangenen Jahre werden vielfach auf die gänzlich ausgefallenen oder nicht angemessen durchgeführte Zeremonien zurückgeführt.

Kulturen

Die Entscheidungsfindung bezüglich der anzubauenden Kulturen verändert sich schnell seit der jüngsten Wiederbesiedlung des Untersuchungsgebietes. Das kurzfristige Denken der ersten zwei Jahre wurde von vielen Bauern durch mittel- und teilweise langfristige Strategien ersetzt. Die meisten Menschen verfolgten zunächst eine Überlebensstrategie, um genügend Nahrungsmittel für die Familie zu produzieren. In den fruchtbareren Gebieten mit guten Niederschlägen pflanzten die Bauern auf nur einem Feld soviel Mais, wie unter den gegebenen Bedingungen möglich. In den trockeneren Ebenen wurde Mais und/oder Sorghum auf verschiedenen Feldern angebaut, um die Chancen für eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung auch in trockenen Jahren zu erhöhen. Während die Ernährungssicherung der Familie nach wie vor das Hauptkriterium für die Entscheidungen über Anbaukulturen ist, wurde die Schaffung von zusätzlichem monetären Einkommen für die meisten Familien ebenfalls zu einem wichtigen Gesichtspunkt. Die Steigerung der Produktion wird daher von allen Bauern als wichtigstes Ziel angegeben. Die meisten Familienbauern konzentrieren sich auf Mais als Verkaufsprodukt, planen aber auch die Wiedereinführung von "echten" Verkaufsprodukten zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Hauptanbaukulturen in der Region sind Mais und Sorghum. Beide werden als Grundnahrungsmittel benutzt, Mais wird jedoch von der Bevölkerung bevorzugt und daher überall dort angebaut, wo das Land geeignet erscheint. Nur auf Standorten, die zu trocken für den Anbau von Mais sind, wird Sorghum angebaut. Mais wird für den Eigenbedarf produziert sowie für den Verkauf in Form von Körnern, während Sorghum für den Eigenbedarf und zum Bierbrauen produziert wird. Soghum wird nicht als Nahrungsmittel, sondern als Rohmaterial für traditionelle Bierbrauer verkauft. In beiden Fällen werden traditionelle lokale Sorten genutzt. Trotzdem bevorzugen die Bauern Hybridsaatgut, da dieses als trockenheitstoleranter gilt und eine kürzere Vegetationsperiode hat. Saatgut ist jedoch - mit Ausnahme einiger Hilfslieferungen - nicht verfügbar.

Weitere Anbaukulturen in der Region können nach ihren Anbaumethoden und ihrer Bedeutung für die Bauern unterschieden werden. Die Rangfolge variiert jedoch unter den Bauern. Bohnen [FN 182], Süßkartoffeln, Erdnüsse, Maniok, Sesam, Sonnenblumen, Fingerhirse und Wassermelonen werden entweder einzeln auf kleinen Feldern produziert oder in einem Mischsystem zusammen mit Mais oder Sorghum. Die häufigsten Mischsysteme bestehen in Mais-Bohnen, Mais-Erdnüsse oder Mais-Bohnen-Erdnüsse auf Standorten mit relativ guten Niederschlägen sowie Sorghum-Wassermelonen auf trockeneren Standorten. All diese Kulturen werden im Sommer (Regenzeit) sowohl auf Kuppen, als auch an Hängen und in baixas produziert sowie entlang einiger Flußläufe.

Der einzige Hauptlandnutzungstyp, der in der Region angewandt wird, ist Regenfeldbau unter Benutzung der Hacke und - zu einem geringeren Anteil - mit Zugtieranspannung und Pflug. Die Mehrzahl dieser Kulturen dienen als zusätzliche Nahrungsmittel zu Mais oder Sorghum. Einige Kulturen wie Erdnüsse, Sonnenblumen oder Sesam sollen später verkauft werden. Solange es jedoch noch keine Märkte dafür gibt, werden diese entweder selbst konsumiert oder an Tiere verfüttert. In baixas und entlang einiger Flußläufe besteht der Hauptlandnutzungstyp im Winter (Trockenzeit) in der Produktion von Gemüse mit Handwerkzeug oder Zugtieranspannung, mit oder ohne Bewässerung. Die wichtigsten Kulturen hierbei sind Zwiebeln, Knoblauch, Möhren, Salat, Tomaten und Kohl. In den Gebieten in der Nähe zu Infrastruktureinrichtungen und mit Zugang zu dem Beratungsdienst ist die Produktion ausschließlich marktorientiert. Familien mit Zugang zu einer baixa, aber ohne Zugang zu Märkten, produzieren Gemüse als zusätzliche Nahrungsmittel zur Eigenversorgung in kleinen Gärten.

Da Obstbäume überall in der Region vorkommen, ist Obst eine willkommene Ergänzung der Ernährung. Mangos, Orangen, Limonen, Grapefruit, Mandarinen, Bananen und Maracuja werden momentan von Bäumen geerntet, die während der Kolonialzeit gepflanzt worden waren. Es gibt keine Plantagen, aber einzelne Bäume oder Baumgruppen sind über die gesamte Landschaft verstreut. Einige sind durch Sekundärbusch oder Waldvegetation überwachsen, andere befinden sich um die neuen Gehöfte herum. Die Obstbäume zeigen keinerlei Anzeichen von Pflege. Die meisten Bauern ernten Früchte nur gelegentlich zur Eigenversorgung oder versuchen kleinere Überschüsse zu verkaufen. Nur wenige Bauern pflanzten neue Obstbäume auf ihrem Land, um später monetäres Einkommen zu schaffen.

Daten oder Schätzungen zu Ernteerträgen sind lediglich von den Bauern verfügbar, die aktive Mitglieder einer Beratungsgruppe sind und landwirtschaftliches Training erhalten haben. Diese Bauern sind in den fruchtbareren Gebieten konzentriert und leben vorwiegend in der Nähe des Straßennetzes. Zahlen zu Ernteerträgen erscheinen nicht sehr verläßlich, da nur sehr wenige Bauern in der Lage sind, die Größe ihrer Felder zu messen oder zu schätzen, viele kennen nicht einmal die Maßeinheiten (z.B. ha) und ihre Bedeutung. So werden für die fruchtbareren Gebiete Zahlen von 2,7 bis 3,2 t pro ha und Jahr berichtet. Die Erntemenge pro Familie kann von den Bauern auf der Basis der verkauften Körner in üblichen Maßeinheiten wie Dosen (5 l) oder Säcken (90 kg) beschrieben werden. Mais, der zur Lagerung und Eigenversorgung bestimmt ist, ist schwieriger zu schätzen, weil er in ganzen Kolben gelagert wird. Die meisten Bauern kennen jedoch das Verhältnis zwischen eingelagertem und verkauftem Mais. Für alle anderen Kulturen konnten keine Zahlen über Ernteerträge angegeben werden. Die Bauern gaben lediglich an, ob die Ernte gut, mittel oder schlecht war.

Tiere

Im gesamten Untersuchungsgebiet beklagen die Bauern das Fehlen von Rindern. Fast der gesamte Rinderbestand der Region wurde während des Krieges getötet oder gestohlen. Viele Menschen, die nach Zimbabwe geflohen waren, mußten ihr Vieh zurücklassen. Andere jedoch brachten ihr Vieh zu Verwandten nach Zimbabwe und blieben in Mosambik, meist in den aldeias. Während der Kolonialzeit und bis kurz nach der Unabhängigkeit gab es ein ausgedehntes Programm zur Bekämpfung der Tsetsefliege in Espungabera, was darauf hinweist, daß die Region stark Tsetse-infiziert gewesen sein muß. Heute sehen die Bauern keinerlei Probleme mit der Tsetsefliege. Jede Familie versucht, soviel Vieh wie möglich zu bekommen und weiter zu vermehren. Es ist eines der wesentlichen Ziele der Bauern, zumindest die Herdengröße, über die sie vor dem Krieg verfügten, wieder aufzubauen.

Als Reaktion auf die Dürre in den Ebenen wurden in einigen Gebieten Rinder durch Esel ersetzt. Die wesentliche Nutzung von Rindern und Eseln besteht in der Zugkraft und als "Familiensparkasse". Vieh wird entweder auf den abgeernteten Feldern oder auf Gemeinschaftsflächen, die als Weideland reserviert sind, geweidet. Die Tränke findet an allgemein zugänglichen Plätzen an den Flußufern statt. Rinder und Esel werden ständig von Kindern begleitet. Kraals sind noch selten, verbreiten sich jedoch relativ schnell. Ziegen rangieren in ihrer Bedeutung für die Bauern gleich nach Rindern. Sie erfahren in der Regel keinerlei Managementpraktiken wie Kraals oder Anbinden. Die meisten Bauern halten ihre Ziegen entweder zusammen mit den Rindern oder in freier Weide.

Alle Menschen in der Untersuchungsregion, unabhängig von der Größe ihres Landes oder der Lage des Gehöftes in einer Siedlungsstruktur, scheinen Hühner zu halten. Diese sind im gesamten Gebiet verbreitet. Die meisten Bauern kennen die Anzahl ihrer Hühner nicht. Es wird berichtet, daß noch 1994 ausreichend Hühner für alle Familien vorhanden waren, bevor der gesamte Hühnerbestand der Region durch einen Ausbruch der Newcastle-Krankheit vernichtet wurde. Heute versuchen die Bauern, ihre Hühnerbestände wieder aufzubauen, führen jedoch gleichzeitig Enten ein, die als krankheitstolerant gelten. Hühner und Enten werden in der Nähe der Gehöfte gehalten und erfahren keinerlei zusätzliche Pflege.

Vieh wird in der Regel zur Eigenversorgung mit Fleisch wie auch zum Verkauf gehalten. Besonders das Huhn wird als ein traditionelles Maß zur Bestimmung von Preisen oder Werten für Waren und Dienstleistungen genutzt. Während Pflanzenkulturen grundsätzlich genannt werden, wenn Bauern über Ernährungsicherung und Nahrungsmittel sprechen, werden Tiere als Ausdruck für den Bedarf an monetärem Einkommen, Zugkraft oder den Wohlstand der Familie im allgemeinen genannt.

In Gebieten mit ausgedehnter sekundärer Busch- oder Waldvegetation ist die Jagd von kleinen Säugetieren und Wildgeflügel eine weit verbreitete Aktivität. Ein Bewußtsein über Gesetze, Regeln oder Verbote der Regierung bezüglich der Jagd ist nicht vorhanden. Wild wird üblicherweise als Trockenfleisch verkauft. Am Ende der Trockenzeit, wenn die Bauern ihre Felder zur Bodenvorbereitung abbrennen, wird viel Trockenfleisch an Versammlungsorten verkauft.

Bäume

Das Untersuchungsgebiet kann in zwei unterschiedliche Bereiche mit spezifischem Auftreten von Bäumen und ihrer Bedeutung für die Familienbauern eingeteilt werden. Um die ehemaligen und aktuellen aldeias sind Bäume sehr selten und beschränken sich auf einige Mangobäume auf den Gehöften und an Versammlungsorten. Aufgrund der extrem intensiven Landnutzung während des Krieges wurden die Flächen von jeglicher holziger Vegetation befreit. Nur sehr wenige Bauern unterhielten kleinere Eucalyptuspflanzungen und verkaufen die Stämme nun als Bauholz. In diesen Gebieten gibt es keine einheimischen Bäume, und die Menschen haben lange Wege zur Beschaffung von Bauholz zurückzulegen. An steilen Hängen der tief eingeschnittenen V-Täler wird Bambus als Bau- und Einzäunungsmaterial geerntet. Der Besitzer oder in der comunidade bekannte Nutzer des betreffenden Landes erhält eine Gebühr für das Schneiden von Bambus.

Der überwiegende Teil des Untersuchungsgebietes ist mit Sekundärbusch oder Waldvegetation bedeckt, die mehrheitlich aus einheimischen Arten besteht. Diese werden von den Bauern zum Bau neuer Gehöfte und anderer Gebäude genutzt, wenn sie ihr ehemaliges Land wieder roden. Da das Oberziel der Familienbauern in den traditionellen Siedlungsgebieten die maximale Steigerung der Pflanzenproduktion ist, begannen sie ihr Land von Bäumen zu befreien. Obstbäume bilden dabei eine Ausnahme.

Der Prozeß der Landschaftsveränderung schreitet sehr schnell voran. Selbst alte Eucalyptusbäume, die ursprünglich entlang der Hauptstraßen oder als Holzgärten gepflanzt worden waren, werden gefällt und verbrannt, um Platz für Ackerbauflächen zu schaffen. Vor dem Verbrennen benutzen die Bauern nur die Holzressourcen, die sie zur Befriedigung ihrer momentanen Bedürfnisse für Baumaterial, Einzäunung und Haushaltsgegenstände benötigen. Danach werden sämtliche Pflanzenreste auf dem vorzubereitenden Land verbrannt. Bezüglich der Bäume herrscht ein Kurzzeitdenken vor. Die einzigen Bäume, denen ein gewisser Wert zugesprochen wird, sind Obstbäume aller Art. Trotzdem pflanzen nur sehr wenige Bauern Obstbäume oder investieren Arbeit in deren Pflege.

Bei den Bauern gibt es kein Bewußtsein über Regeln oder Beschränkungen der Baumnutzung. Bäume werden generell als Hindernis für Ackerbau gesehen. Da Bäume noch in den meisten Gebieten im Überfluß vorkommen, sehen die Bauern keine Probleme mit einer zukünftigen Knappheit an Bau- oder Brennholz. Die einzigen Orte, an denen der natürlichen Baumvegetation ein hoher Wert zugemessen wird, sind traditionelle Friedhöfe oder Orte für die Zeremonien.

Im Untersuchungsgebiet gibt es zur Zeit keine kommerziellen Nutzer oder Konzessionäre für Wald- oder Baumressourcen. Da der Prozeß der Rodung durch die Familienbauern sich ständig beschleunigt, werden wahrscheinlich die meisten Bäume verschwunden sein, bevor sie durch kommerzielle Nutzer ausgebeutet werden könnten. Die Familienbauern verkaufen kein Holz.

Wasser

Lediglich im Zentrum von Chiurairue befindet sich ein Bohrloch mit Pumpe, das für die dort lebenden Menschen zugänglich ist. In allen übrigen Gebieten wird Wasser aus alten oder neuen Gemeinschaftsbrunnen geschöpft, von denen einige kontaminiert sind, oder überall dort, wo es natürlich an der Oberfläche auftritt wie in Quellen, Teichen und Flüssen.

Mit Ausnahme der größten Flüsse Zona, Xinica, Mossurize und Bútzi sind alle Wasserläufe in der Region temporär, jedoch auch die permanenten Flüsse fallen von Zeit zu Zeit trocken. Aus diesem Grunde variiert der Zeitbedarf zur Beschaffung von Trinkwasser sehr stark zwischen der Regen- und der Trockenzeit. Von den Frauen bevorzugte Schöpfstellen sind Furten oder Plätze, wo eine Straße oder ein Weg den Fluß kreuzt. Diese Plätze dienen nicht nur dem Schöpfen von Wasser, sondern auch als Wasch- und Badestellen. Eine weitere wichtige Funktion dieser Orte ist die eines sozialen Treffpunkts für die Frauen eines Gebietes. Wenn die üblichen Wasserstellen trockenfallen, graben benachbarte Familien oft gemeinsam einen Brunnen in dem trockenen Flußbett, wobei die Männer die Erdarbeiten und die Frauen die Unterhaltung und Pflege übernehmen. Die Beschaffung von Wasser für den Haushalt ist ausschließlich Aufgabe der Frauen.

Bewässerung beschränkt sich nur auf einige Standorte in der Nähe des Straßennetzes, wo intensive Gemüseproduktion während der Trockenzeit auf den Feldern in den Nähe der Flüsse durchgeführt wird. Während der Kolonialzeit gab es ein Netzwerk kleiner Kanäle, die die permanenten Flüsse mit weiter entfernten Bewässerungsflächen verbanden.

Die mangelnde Verfügbarkeit von Trinkwasser aus zuverlässigen Quellen wird in allen Teilen des Untersuchungsgebietes als Hauptproblem beschrieben. Die am schärfsten von der Dürre beeinträchtigten Gebiete sind die Ebenen, wo Frauen zeitweise mehr als 2 Tagesmärsche zurücklegen müssen, um Trinkwasser zu beschaffen.

Brennholz

Mit Ausnahme der Umgebung des Zentrums von Chiurairue und einiger aldeias gibt es Brennholz noch in fast allen Gebieten im Überfluß. In der Regel brauchen die Frauen keine großen Distanzen zum Sammeln zurückzulegen. Auf der einen Seite ist kein Bewußtsein vorhanden, daß Brennholz eines Tages knapp werden könnte, wenn die Rodungsaktivitäten mit der gleichen Geschwindigkeit voranschreiten. Auf der anderen Seite wissen viele Bauern, daß vor dem Krieg Brennholz in einigen Gebieten knapp war und Frauen lange Wege zu dessen Beschaffung zurücklegen mußten. Trotzdem wird die Anpflanzung von Bäumen oder Holzgärten zur Produktion von Brennholz als nicht notwendig erachtet. Während der Rodungsarbeiten wird sämtliches Holz auf der Fläche verbrannt, ohne es für Brennholzzwecke zu sichern. Brennholz wird nach Bedarf beschafft, Lagerung wird nicht praktiziert. Über kommerzielle Extraktion von Brennholz wird aus dem Untersuchungsgebiet nicht berichtet. Lediglich einige Bauern sammeln einige Bündel Brennholz, bevor sie nach Espungabera gehen, wo Brennholz extrem knapp ist und verkaufen es dort.

Arbeitskraft

Der Arbeitskräftebedarf variiert mit den verschiedenen Perioden des landwirtschaftlichen Jahres. Für alle Bauern bestimmt die Verfügbarkeit von Arbeitskraft sowohl die Größe der Felder für die laufende Saison als auch die Intensität und Qualität der Anbaupraktiken. Der wichtigste Aspekt für die Familie ist in dieser Hinsicht die Zahl der Familienmitglieder im produktiven Alter. Die meiste Arbeit wird per Hand verrichtet. Alle Aktivitäten, die durch verbesserte Technologien erleichtert werden könnten, werden zum entscheidenden Faktor für die Produktion der nächsten Saison.

  • Rodung und Landvorbereitung. Es gibt zur Zeit drei wesentliche Arten der Landvorbereitung im Untersuchungsgebiet. In den Bereichen in der Nähe von Infrastrukturzentren bezahlen einige Bauern für maschinelle Bodenvorbereitung, und eine steigende Zahl von Bauern benutzt Zugtieranspannung. Die meisten der Familienbauern arbeiten jedoch nach wie vor mit Handwerkzeug. Rodung ist die am weitesten verbreitete Aktivität im gesamten Gebiet, und die Bauern versuchen, soviel Land wie möglich für die nächste Saison vorzubereiten. Da der überwiegende Teil der Region zum Zeitpunkt der Wiederbesiedlung mit sekundärer Busch- oder Waldvegetation bedeckt war, sind die Rodungsarbeiten immer noch die arbeitsintensivsten Aktivitäten.
  • Der Arbeitskräftebedarf zur Landvorbereitung hängt sehr stark von den Böden und der Dauer der Nutzung dieser Standorte ab. Auf frisch gerodeten Äckern wird Direktsaat ohne Bodenvorbereitung betrieben, während auf übernutzten Feldern eine intensive Bodenvorbereitung aufgrund von Verschlämmung und Verkrustung erforderlich ist. Zugtiere werden sowohl für Trockenfeldbau im Sommer als auch im Gemüseanbau im Winter eingesetzt. Die Bauern, die maschinelle Arbeitskraft mieten, investieren dieses Geld nur für Flächen der Gemüseproduktion im Winter aufgrund der erwarteten hohen Gewinne. Allgemein werden Rodung und Bodenvorbereitung von Familienmitgliedern von Hand durchgeführt, wobei die körperlich "schweren" Arbeiten der Rodung und Bodenvorbereitung von Männern und die körperlich "anstrengenden" Arbeiten der Bodenvorbereitung und Aussaat von Frauen vorgenommen werden.
  • Unkrautbekämpfung. Die Unkrautbekämpfung ist eine der wesentlichen das Pflanzenwachstum und die Qualität bestimmenden Aktivitäten. Die Bauern sind sich der Bedeutung der Unkrautbekämpfung bewußt und verwenden sehr viel Zeit darauf. Wenn die Unkrautbekämpfung mehr Arbeitskraft erfordert, als in der Familie verfügbar ist, werden zusätzliche Arbeiter auf verschiedene Art und Weise angeheuert. Viele Familien, die weder über ausreichende Arbeitskraft verfügen, noch zusätzliche Hilfe anheuern können, beklagen, daß sie nicht in der Lage seien, aggressive Unkräuter zu bekämpfen und deshalb geringere Erträge haben. Die Unkrautbekämpfung ist in der Regel Aufgabe der Frauen, bei Arbeitskräftemangel arbeiten jedoch auch die Männer mit, bevor zusätzliche Arbeitskräfte angeheuert werden.
  • Krankheiten und Schädlinge. In den gerade wiederbesiedelten Gebieten sind Affen und Vögeln ernstzunehmende Schädlinge. Die Bewachung der Felder und Vertreibung dieser Tiere ist eine traditionelle Aufgabe der Kinder. Da diese Tätigkeit sehr zeit- aber wenig arbeitsintensiv ist, werden dafür in der Regel keine zusätzlichen Arbeitskräfte angeheuert.
  • Ernte. In Abhängigkeit von der Kultur und der angewandten Methode kann die Ernte eine der arbeitsintensivsten Aktivitäten sein. Die Bauern bevorzugen die traditonelle Art, Mais zu ernten, da der Arbeitsbedarf über eine längere Periode verteilt wird und so weniger Arbeiter pro Tag erforderlich sind. Die Kolben werden dabei an den Stengeln belassen und in Intervallen geerntet. Die Erntemethode, die im Bezug auf die Reduzierung von Nachernteverlusten angepaßter ist, besteht in der gleichzeitigen Ernte aller Kolben und deren Trocknung und Lagerung in speziellen Krippen auf den Gehöften. Diese Art der Ernte verlangt eine große Zahl von Arbeitskräften innerhalb weniger Tage.
  • Die Ernte von Gemüse muß relativ schnell durchgeführt werden und benötigt daher ebenfalls viele Arbeitskräfte pro Tag über eine kurze Periode. Aufgrund der geringen Feldgrößen und der intensiven Produktionsformen wird Arbeitskraft hierbei jedoch nicht zur einem wesentlichen Engpaß. Nachbarn helfen sich gegenseitig auf die eine oder andere Art und Weise. Die meisten der übrigen Kulturen haben keinen zusätzlichen Arbeitskräftebedarf, solange sie noch von geringer ökonomischer Bedeutung aufgrund fehlender Märkte sind.

Das Anheuern von Arbeitskräften für Geld ist nicht sehr verbreitet. Der übliche Weg, die Verfügbarkeit von Arbeitskraft für eine spezifische Aktivität über einen kurzen Zeitraum zu steigern, ist die Organisierung von Gemeinschaftsarbeit. Hierbei werden zwei Formen praktiziert. Auf der einen Seite bilden die Bauern eine Gruppe, die sämtliche Felder ihrer Mitglieder gemeinsam bearbeitet. Auf der anderen Seite lädt ein Bauer Freunde und Nachbarn zur gemeinschaftlichen Arbeit auf seinem Feld und dem anschließenden Verzehr von Speisen und traditionellem Bier ein.

Vermarktung

Die Mehrheit der Bauern im Untersuchungsgebiet ist marktorientiert. Selbst diejenigen, deren Felder zu klein sind, um genügend Nahrungsmittel für die Familie zu produzieren, gaben an, den Verkauf ihrer Produkte zu bevorzugen. Momentan liegt der Schwerpunkt der Vermarktung - aufgrund einer außerordentlich hohen Nachfrage - auf Mais. Aber auch andere typische Vermarktungsprodukte wie Sonnenblumen und Gemüse werden zu Beginn einer Saison angebaut in Erwartung einer späteren Nachfrage und Vermarktungsmöglichkeit. Da die Vermarktungssituation für die Mehrheit der Familienbauern zur Zeit sehr unsicher ist, sind diese Felder jedoch relativ klein.

Nach der Ernte entscheiden die Bauern (im allgemeinen die Männer) über den Anteil, der verkauft werden soll. Die Vermarktungsmöglichkeiten für Mais entwickeln sich relativ schnell in den Gebieten in der Nähe des Straßennetzes. Sowohl das nationale Institut für Getreide (ICM) als auch private Händler haben Sammelpunkte entlang der Hauptstraßen eingerichtet, wohin die Bauern ihren Mais in Körben transportieren. Der Verkauf wird in 5 l Dosen gemessen, und die aktuellen Preise sind in der Region allgemein bekannt. Dieser Preis wird manchmal sogar per Aushang an Bäumen veröffentlicht und steigt linear bis zur kommenden Ernte an. An den Sammelpunkten wird das Getreide in 90 kg Säcke zur weiteren Vermarktung umgepackt. Von den Außenstellen des ICM werden diese zum zentralen Lager in Espungabera transportiert und dort en gros verkauft.

Kleinere Händler haben verschiedene Möglichkeiten der weiteren Vermarktung. Einige organisieren ein eigenes Transportmittel, um den Mais in Espungabera an ICM oder andere Händler zu verkaufen. Andere verkaufen ihn an professionelle oder semi-professionelle Transporteure. Die meisten der kleineren Händler jedoch verkaufen direkt an Großhändler aus Beira oder Maputo, die mit ihren Lastwagen große Quantitäten von Mais direkt an der Straße aufkaufen.

Alle anderen landwirtschaftlichen Produkte werden nur in kleinen Mengen unter den Familien oder auf kleineren zentralen Märkten verkauft. Die Bauern vermarkten individuell und bestehen auf sofortiger Bezahlung aufgrund von schlechten Erfahrungen mit staatseigenen Vermarktungsorganisationen und Kooperativen in der Vergangenheit. Der Hauptengpaß für die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte ist der Mangel an dezentralen Handelsstellen, wie es sie während der Kolonialzeit gab, sowie unzureichenden Transportmöglichkeiten.

In einigen Teilgebieten werden individuelle Initiativen zur Einführung und Steigerung der Produktion von Verkaufsfrüchten ergriffen. So verteilt z.B. ein Geschäftsmann in Espungabera Saatgut für Sonnenblumen an interessierte Bauern, die dort wieder ihre gesamte Ernte abliefern. Als Gegenleistung erhalten sie Sonnenblumenöl und Saatgut für die nächste Saison. Im allgemeinen beklagen die Bauern den Mangel an Vermarktungsmöglichkeiten und geben an, weit mehr Verkaufsprodukte anbauen zu können.

Schaffung von monetärem Einkommen

Die Schaffung von monetärem Einkommen gilt als wichtiges Anliegen der bäuerlichen Familien. Entlang der Straßen und in den Siedlungszentren entstehen in kurzer Zeit sehr viele Kioske und Verkaufsstellen. Besonders jüngere Männer entwickeln Geschäftsaktivitäten. Wo immer möglich, wird nach einem Beschäftigungsverhältnis gesucht, da dies die verläßlichste Quelle eines regelmäßigen Einkommens ist. An Versammlungsplätzen werden Second-Hand-Kleidung, Obst, getrocknetes Wildfleisch und Handwerksarbeiten verkauft. In der Nähe der Straßen und solcher Plätze sind die Produktion und der Verkauf von traditionellem Sorghumbier und Nipa weit verbreitet. In den abgelegeneren Gebieten sind die Bauern hauptsächlich mit dem Wiederaufbau ihrer Gehöfte und der Vorbereitung ihrer Flächen beschäftigt, so daß kaum Zeit für nichtlandwirtschaftliche Aktivitäten bleibt. Haushaltsartikel und andere Handwerksprodukte werden zu einem großen Teil von Frauen hergestellt und entweder zu kleineren zentralen Märkten gebracht oder innerhalb der comunidade verkauft oder getauscht. Im allgemeinen sind die Möglichkeiten zur Schaffung außerlandwirtschaftlichen Einkommens in der Region relativ gering.

4.2.2.5 Wesentliche Probleme aus der Sicht der Familienbauern

Die Probleme, die von den Bauern berichtet werden, beziehen sich entweder auf die allgemeinen Lebensbedingungen in der Region oder auf die Landwirtschaft. In beiden Fällen werden die Probleme als von externen Faktoren ausgelöst betrachtet und liegen damit außerhalb des Verantwortungsbereichs der Bauern. Aus diesem Grunde wird erwartet, daß andere (Regierung und Organisationen) die Problemlösung übernehmen. Die kostenlose Verteilung von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern sowie der Wiederaufbau der Infrastruktur des Gebietes auf den Stand vor der Unabhängigkeit werden gefordert. Selbsthilfeansätze zur Verbesserung der Situation außerhalb der eigenen Felder sind nicht sehr populär, wenn die Leistungen der Bauern nicht entlohnt werden. Die Probleme, die von den Bauern berichtet werden, können folgendermaßen gegliedert werden.

Probleme des täglichen Lebens:

Schlechte physische und soziale Infrastruktur. In dem gesamten Gebiet beklagen die Menschen das Fehlen jeglicher Basisinfrastruktur. Versammlungen von Bauerngruppen und comunidades mit Regierungsvertretern oder Entwicklungsorganisationen beginnen in der Regel mit einer Aufzählung der zerstörten, nicht vorhandenen oder gewünschten Infrastruktur. Weite Wege zur Beschaffung von Trinkwasser sowie unzuverlässige Quellen werden von allen Beteiligten als Hauptengpaß gesehen. Das Maß zur Bestimmung anderer Infrastrukturprobleme durch die Bauern ist der Stand zum Ende der Kolonialzeit. In diesem Sinne wird ein Fehlen von Maismühlen, Schulen, Gesundheitsposten, Straßen und Transport- und Vermarktungsmöglichkeiten konstatiert.

Landwirtschaftliche Probleme und Lösungsvorschläge der Bauern:

Mangel an landwirtschaftlichen Produktionsmitteln. Landwirtschaftliche Probleme werden von den Bauern berichtet, wenn über Landwirtschaft, Produktion und auch das tägliche Leben gesprochen wird. Das am weitesten verbreitete Problem ist hierbei die Knappheit einfacher Werkzeuge sowie von Saatgut, besonders in den abgelegeneren Gebieten. Während einige Bauern die kostenlose Verteilung dieser Güter erwartet, geben andere an, daß sie bereit wären, dafür zu bezahlen und sehen das Problem lediglich in der Verfügbarkeit. Der Mangel an tierischer Zugkraft hat nahezu die gleiche Bedeutung. Aufgrund des Verlustes ihrer Herden während des Krieges und der extrem hohen Preise für Rinder wird der Wiederaufbau des Viehbestandes als Regierungsaufgabe angesehen.

Schlechte und unzuverlässige Niederschläge, Krankheiten und Schädlinge. Unzuverlässige Niederschläge werden seit der Unabhängigkeit berichtet. Viele Bauern ziehen eine Verbindung zwischen den sozio-ökonomischen und kulturellen Veränderungen, die seit der Unabhängigkeit stattgefunden haben und dem Rückgang der Niederschläge. Dieses Problem wird als eine "Bestrafung der Region für die schlechten Dinge, die dort seit dem Befreiungskrieg passierten" angesehen [FN 183]. Krankheiten und Schädlinge sowie ein Mangel an chemischen Produkten sind von geringerer Bedeutung für die Bauern, werden aber regelmäßig in Gesprächen über die Landwirtschaft angeführt.

Mangel an Verkaufsmöglichkeiten. Als wesentlicher, die weitere landwirtschaftliche Entwicklung behindernder Engpaß wird der Mangel an Vermarktungsmöglichkeiten, besonders für Cash-Crops, bezeichnet. Wo die Bauern heute ihre Produkte vermarkten können, wird das Verhältnis zwischen dem Gewinn aus dem Verkauf landwirtschaftlicher Produkte und den für andere Güter verlangten Preisen als wesentlich schlechter eingeschätzt als vor der Unabhängigkeit.