Guiding Principles:
Land Tenure in Development Cooperation

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Orientierungsrahmen:
Bodenrecht und Bodenordnung

Deutsche Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit
Abt. 45 / Div. 45

 

Dirk Effler (1996): Bodenrecht, Bodenordnung und Landnutzungsplanung
im Kontext der ländlichen Entwicklung in der Manica-Provinz, Mosambik

4.2 Vorstellung der Untersuchungsregionen

4.2.1 Gondola

Die Untersuchungsgebiete in Gondola befinden sich in den localidades Nhambonda und Maconha in den postos administrativos Amatongas und Macate [FN 175]. Die localidade Nhambonda liegt südlich der Stadt Gondola. Ihre östtliche Grenze befindet sich ca. 3 km von Gondola in Richtung Beira an der Hauptstraße. Aus diesem Grunde ist die localidade durch ein gewisses Maß an urbanem Einfluß geprägt. Die localidade Maconha liegt im südlichen Teil des Distrikts Gondola und hat den Fluß Revue als südliche Grenze. Sie liegt außerhalb des Beira-Korridors.

4.2.1.1 Naturräumliche Bedingungen

Landschaftsformen

Das Untersuchungsgebiet kann in drei Hauptlandschaftstypen unterteilt werden. Im nördlichen Teil dominiert das Zentral-Plateau mit offenen V-Tälern und runden Hügeln. Der südöstliche Teil bis zum Revue ist bewegt bis flach. Zwischen diesen zwei Hauptlandschaftstypen befindet sich eine Zone mit zerklüftetem Relief, scharfen Kanten, steilen Hängen und schmalen Tälern, das Escarpment. Diese Zone bildet einen deutlichen Kontrast und hat scharfe Grenzen mit den beiden anderen Zonen. Die Höhen der Region Gondola-Sul liegen zwischen 100 und 750 m ü.M.. Das Entwässerungsnetz ist in allen Teilen dendritisch. Während die Entwässerungsläufe in der Plateauzone ein dichtes Netz bilden, was sich in der Escarpment-Zone noch intensiviert, zeigen die Ebenen ein lichteres Netz von Entwässerungslinien.

Klima

Die Klimate der Plateau- und der Escarpment-Zone werden durch die Daten der meteorologischen Station in Chimoio repräsentiert. Sie zeigen einen mittleren jährlichen Niederschlag von 1.068 mm, eine mittlere jährliche potentielle Evapotranspiration von 1.386 mm, eine mittlere Jahrestemperatur von 21,4°C mit Wintertemperaturen von 17,4°C und Sommertemperaturen von 23,8°C. Die Hauptvegetationsperiode geht vom 1. November bis 14. April (162 Tage im Durchschnitt). Das Klima der Ebenen wird repräsentiert durch Daten der meteorologischen Station Vila Machado (heute: Nhamatanda). Es ist charakterisiert durch einen mittleren jährlichen Niederschlag von 847 mm und eine mittlere jährliche potentielle Evapotranspiration von 1.618 mm, wodurch der signifikanteste Unterschied zu den anderen Zonen geprägt wird. Die durchschnittlichen Jahres-, Winter- und Sommertemperaturen liegen bei 22,5°C, 20,6°C und 27,8°C. Die Hauptvegetationsperiode geht vom 14. November bis 2. April (133 Tage im Durchschnitt). Allgemein nehmen die Niederschläge von Ost nach West und Süd nach Nord mit zunehmender Höhe zu. In den Ebenen ist das Klima aufgrund größerer Trockenheit ungünstiger für die Pflanzenproduktion als in den höheren Lagen.

Böden

Die Böden des Plateaus sind dominiert durch eine Assoziation von Ferralsols und Acrisols aus Gneis. In feuchten Depressionen setzen sich die Böden aus schlecht drainierten Phaeozems mit Vergleyungen im Wechsel mit Grobsandschichten zusammen. In der Escarpment-Zone dominieren aus Gneis entstandene gut drainierte, sandige oder steinige Rohböden (Lepotosols) kleinräumig im Wechsel mit Lixisols, Arenosols und Acrisols aus Granit und Gneis. In den Depressionen der Escarpment-Zone kommen flachgründige und schlecht drainierte Gleye vor. In den Ebenen bestehen die Böden hauptsächlich aus mäßig bis gut drainierten Arenosols. Depressionen kommen in dieser Zone selten vor und sind charakterisiert durch schlecht drainierte, humusreiche schwarze Tone im Wechsel mit Grobsandlagen. Entlang des Revue und einiger seiner Zuflüsse kommen alluviale Ebenen vor, die durch rezente Terrassen und Flußablagerungen aus grusigem Sand geprägt sind. Die Gneisböden der Plateau- und der Escarpment-Zone wurden - besonders in Nhambonda und im nördlichen Maconha - ohne Brachezeiten intensiv bearbeitet. Sie zeigen deutliche Oberflächenverschlämmung. Diese Böden sind in den meisten Gebieten sehr erosionsanfällig. Oberflächenverschlämmung und Erosion sind die Hauptindikatoren für Bodendegradierung.

Vegetation

Fast die gesamte natürliche Vegetation der Plateau- und Escarpment-Zone wurde im Zuge der Schaffung von ackerbaulichen Flächen gerodet. Die Siedlungsgeschichte des Gebietes hatte den größten Einfluß auf die heutige Vegetationsdichte im Bereich der Ackerflächen. Gebiete um die älteren Dörfer herum, die während des Krieges äußerst dicht besiedelt waren, weisen keinerlei autochthone Bäume auf. In jüngerer Zeit besiedelte Gebiete zeigen noch deutliche Buschformationen. Mhiombo-Wald ist der vorherrschende Vegetationstyp. Dominante Bäume sind Brachystegia spp., Millettia stuhlmannii und Pterocarpus angolensis. Letztere sind von wirtschaftlicher Bedeutung. In der Escarpment-Zone tauchen diese zwei Baumarten auch auf ackerbaulich genutzten Flächen auf. Obstbäume (hauptsächlich Mangos) prägen die Landschaft. Die Grasvegetation wird dominiert von Panicum maximum in den Ebenen und Pennisetum purpureum in der Plateau- und Escarpment-Zone.

4.2.1.2 Sozio-ökonomische Bedingungen

Die wichtigste ökonomische Aktivität besteht in Subsistenzlandwirtschaft des Familiensektors mit mehr oder weniger intensiven Cash-crop Bestandteilen. Kleinere kommerzielle Landwirte bauen in erster Linie Cash-Crops, aber auch Nahrungsmittel zur Selbstversorgung an. Größere kommerzielle Betriebe kultivieren ausschließlich Cash-Crops. Um zusammenhängende Siedlungen herum betreiben viele Anwohner kleinere Kioske oder bieten ihre Arbeitskraft in den urbanen Zentren an.

Die Infrastrukturentwicklung konzentriert sich auf die Gebiete, die während des Krieges unter Regierungskontrolle standen, und wo die Bevölkerungsdichte sehr hoch war. Allgemein nehmen Qualität und Quantität der infrastrukturellen Ausstattung mit zunehmender Entfernung von Bevölkerungszentren (Dörfern und urbanen Zentren) ab. Der Einfluß starker Bevölkerungsbewegungen, die durch den Krieg ausgelöst wurden, kann deutlich an infrastrukturellen Indikatoren abgelesen werden. Heute zeichnen sich die abgelegeneren Gebiete durch völlige Abwesenheit von Basisinfrastruktur (besonders Vermarktungsmöglichkeiten, Straßen und Wasserversorgung, aber auch Gesundheits- und Erziehungswesen) aus, was den Prozeß umgekehrter Bevölkerungsbewegungen bremst.

In den meisten Gebieten stellen Kinder unter 18 Jahren den größten Bevölkerungsanteil dar. Auch ist die Zahl der Frauen wesentlich höher als die der Männer. Viele Männer sind sehr mobil und suchen nach Beschäftigungsmöglichkeiten oder bleiben in den Städten und schicken eine ihrer Frauen auf die Felder der Familie. Die durchschnittliche Familiengröße liegt unterhalb des Distriktdurchschnitts von sieben Personen pro Familie. Die Alphabetisierungsrate wird auf ein Prozent geschätzt und mehr Frauen als Männer sind Analphabeten. Diese Situation kann auf die Zerstörung der Infrastruktur während des Krieges sowie die Erziehungspolitik der Vergangenheit zurückgeführt werden. Die Menschen glauben an Gott, ihre Ahnen oder beides als wesentliche ihr Leben beeinflussende Faktoren.

4.2.1.3 Landnutzung

Kurze Geschichte der Landnutzung und (Wieder) Besiedlung

Wie in vielen Gebieten Mosambiks gab es auch in den Untersuchungsgebieten große und intensive Bevölkerungsbewegungen. Die Besetzung von Land wurde durch einige historische Ereignisse beeinflußt:

  1. Die Companhia de Mocambique richtete während der Kolonialzeit Gebiete für kommerzielle Landwirtschaft und Reservate für die lokale Bevölkerung ein. Die Gebiete für kommerzielle Landwirtschaft in Gondola konzentrierten sich auf Bereiche mit bewegter Topographie und hohen Niederschlägen (vorwiegend die Plateauzone), die mechanisierte Landwirtschaft ermöglichten. Die Bauern des Familiensektors wurden in hügelige Gebiete sowie in die Ebenen mit geringeren Niederschlägen zurückgedrängt oder siedelten sich auf dem Farmgelände in steileren Bereichen an. Trotzdem waren die Ebenen niemals dicht besiedelt und blieben bis heute weitgehend Wald- und Wildgebiete.
  2. Nach der Unabhängigkeit wurde die Beibehaltung der großen kommerziellen Betriebe in Form von Staatsbetrieben und Kooperativen zur Regierungspolitik erklärt. Aus diesem Grunde gab es für die Familienbauern keinen Anlaß, in größerem Ausmaß in die Plateauzone zurückzukehren. Somit hatte die Mehrheit des Familiensektors keinen Zugang zu den relativ guten Flächen. Gleichzeitig begann die Regierung mit einem großangelegten Programm zur Einrichtung von Gemeinschaftsdörfern. Später blieben die Menschen in diesen Dörfern aus Sicherheitsgründen. Landwirtschaftliche Aktivitäten in den Dörfern waren stark eingeschränkt. Die Bauern konnten nur einige Stunden während des Tages auf ihren kleinen und weit entfernt liegenden Feldern arbeiten. Mit zunehmender Nahrungsmittelknappheit in den urbanen Gebieten begannen viele Stadtbewohner, Land in den umliegenden Gebieten zu bewirtschaften. Aus diesem Grunde kann heute eine Gruppe sogenannter Wochenendbauern in vielen Gebieten angetroffen werden.
  3. Der Krieg verursachte die größten Bevölkerungsbewegungen in Richtung relativ sicherer Gebiete. Zu einem geringeren Teil wurden Leute gezwungen, den Distrikt oder das Land zu verlassen. Der größte Teil der Bevölkerung ging in die geschützten Dörfer innerhalb des Beira-Korridors sowie entlang der Hauptstraßen.
  4. Mit dem Eintritt des Friedens begannen Unternehmen mit Naturholzeinschlag in den Ebenen. Eine Reihe von Leuten, die sich in diesen Gebieten als Arbeiter der Holzfirmen niedergelassen haben, haben dort ihre eigenen Felder eröffnet. Nach 1992 setzte eine Bewegung aus den Dörfern heraus ein. Der Hauptgrund für diese Bewegung lag in der Suche nach fruchtbareren und größeren Feldern, hauptsächlich in den Ursprungsgebieten der Familien. Einige Familien hatten größere Niederungen (baixas) mit Bananenpflanzungen zurückgelassen, was zu verstärkter Bewegung in diese Gebiete führte.

Heute befinden sich in den alten Dörfern noch lineare Siedlungsmuster. Außerhalb der Dörfer ist das Siedlungsmuster dispers, was traditionell den Gegebenheiten der Landschaft als auch dem Bedürfnis nach Privatsphäre Rechnung trägt. Die meisten Gehöfte in den Streusiedlungen befinden sich an Hängen, sind von Ackerflächen umgeben und haben leichten Zugang zu baixas sowohl für den Anbau als auch zur Wasserversorgung. In den Ebenen sind die Gehöfte weit verstreut, so daß die Bewohner größere Flächen eröffnen können und Rotationssysteme betreiben.

Viele Leute waren in die Nähe der Städte Chimoio und Gondola gezogen. Sie sind im wesentlichen zurückgekehrt, unterhalten aber weiterhin Wohnungen in den Städten, wo die Kinder zur Schule gehen oder sie selbst einer Beschäftigung nachgehen. Einige Leute sind in den Dörfern geblieben. Sie befürchten, daß der Krieg wieder ausbrechen könnte, oder sie sind zu alt, um in ihre Ursprungsgebiete zurückzukehren und neue Felder einzurichten. Andere fanden das Leben in den Dörfern angenehmer als in den dispersen Siedlungen. Wieder andere sind in den Gebieten um die Dörfer herum geboren und bleiben auf dem Land ihrer Vorfahren. Einige Leute aus der Stadt haben Landnutzungstitel beantragt, um kleine oder mittlere kommerzielle Landwirtschaftsbetriebe zu gründen.

Nutzergruppen

In den Untersuchungsgebieten können zwei Hauptkategorien von Landwirten identifiziert werden: Der Familiensektor und der private Sektor. Beide können weiter gegliedert werden:

1. Familiensektor

  • Familiensektor auf formell nicht vergebenem Land. Die Mehrheit der Bauern gehört zu dieser Gruppe. Sie erhielten ihr Land durch traditionelle Mechanismen auf der Grundlage ihrer Zugehörigkeit zu einer comunidade. Die Größen der Besitztümer variieren gemäß der Verfügbarkeit von Land (Bevölkerungsdruck) und Arbeitskraft. Im allgemeinen sind rezente Ackerflächen größer als solche in Gebieten mit langanhaltender und ununterbrochener Nutzung.
  • Familiensektor auf Privatland. Einige Bauern haben Land von privaten Betrieben mit oder ohne Einverständnis des Titelinhabers besetzt.
  • Vertriebene Bauern. Diese Gruppe wurde aufgrund von Krieg oder Trockenheit gezwungen ihre Ursprungsgebiet zu verlassen. Sie erhielten ihre Nutzungsrechte durch eine Übereinkunft mit anderen Familiensektorbauern und/oder der traditionellen Führung. Die von dieser Gruppe genutzten Flächen sind im allgemeinen sehr klein.

 

2. Privatsektor

  • Private Kleinbauern. Diese Gruppe besteht aus Stadtbewohnern oder Einheimischen, die einen Landtitel durch einen formellen Prozeß erhalten haben. Sie leben und arbeiten auf ihrem Land.
  • Mittlere und große mosambikanische Privatbetriebe. Dies sind in der Regel Leute aus der Stadt oder aus anderen Gebieten, die einen Titel der formellen Administration besitzen. Sie leben und arbeiten nicht unbedingt auf ihrem Land. Diese Gruppe beinhaltet auch die Holzkonzessionäre.
  • Mittlere und große ausländische Privatbetriebe. Diese Gruppe beinhaltet Personen und Organisationen aus anderen Ländern, die einen Landtitel besitzen, aber den Betrieb gemäß dem Landgesetz gemeinsam mit einem mosambikanischen Partner führen. Es handelt sich sowohll um Investoren als auch kirchliche Organisationen.

 

4.2.1.4 Landnutzungsaspekte aus der Sicht der Bauern

Böden, Land und Niederschläge

Die Bauern sind in der Lage, die verschiedenen Böden in ihrem Umfeld zu beschreiben und deren Qualität zu bestimmen. Einige Beispiele sind:

  • Rötlich braune Böden sind bekannt als geeignet für Mais, Sorghum und in einigen Fällen Bananen,
  • dunkle hydromorphe Böden in den Baixas brauchen sorgfältige Pflege und dürfen nicht bearbeitet werden, solange sie naß sind,
  • gemischte Böden sowie flachgründige steinige Böden sind an den meisten Stellen erosionsanfällig,
  • sandige Böden werden als wenig fruchtbar beschrieben und brauchen Bracheperioden von 7 bis 10 Jahren.

Die meisten Bauern benutzen Vegetationsindikatoren, um den Unterschied zwischen ermüdeten Böden und solchen in gutem Zustand zu beschreiben. Einige bestimmen die Qualität und Eignung eines Bodens für bestimmte Kulturen anhand verschiedener Arten, die natürlich auf diesen Standorten vorkommen. Andere nutzen die Intensität des Pflanzenwachstums einiger Arten.

Keiner der Bauern wendet bewußt Bodenkonservierungsmaßnahmen an. Einige Bauern wenden solche Techniken an, ohne deren spezifische Bedeutung zu kennen. In einigen Fällen führte die Anwendung einer Konservierungsmaßnahme zu höheren Erträgen, aber auch hier wird der Zusammenhang nicht immer erkannt. Insgesamt gibt es nur ein schwach ausgeprägtes Bewußtsein über Bodenerosion und Degradierung. Trotzdem berichten einige Bauern von ermüdeten Böden auf bestimmten Standorten. Es ist offensichtlich, daß viele Bauern zurückgehende Erträge eher erkennen als Bodenerosion oder Degradierung. In wenigen Fällen haben die Bauern Kenntnisse dieser Phänomene.

Die Bauern berichteten über eine signifikante Änderung der Niederschläge in den vergangenen Jahrzehnten, insbesondere ältere Leute. Es gibt ein allgemeines Verständnis, daß in den letzten Jahren die Niederschläge deutlich niedriger sind als zuvor und daß eine andauernde Verringerung der Niederschläge stattfindet. Die angegebenen Gründe für diese Phänomen variieren entsprechend der Erfahrung sowie der Traditionen und des Glaubens der Menschen. Die zwei wichtigsten Erklärungen der Bauern sind:

  • "Es ist ein natürliches Phänomen, daß der Niederschlag periodisch abnimmt. Es gab immer Zeiten mit schweren Dürren und Zeiten mit gutem Regen." Diese Erklärung wurde meistens von älteren Männern und von Menschen in der Umgebung von urbanen oder dörflichen Zentren gegeben.
  • "Der Regen bleibt aus, weil die Ahnen böse Geister hervorgerufen haben." Für diese bösen Geister werden verschiedene Gründe genannt. Einige Beispiele sind: "Die Ahnen sind verärgert, weil es Krieg gab."; "Es gibt einen bösen Geist aufgrund des Verfalls von Sitten und Moral."; "Leute von außerhalb kamen auf unser Land und bauten ihre Pflanzen auf unseren Friedhöfen an." Die spirituellen Argumente wurden in der Hauptsache von alten Frauen und Menschen in den Gebieten mit traditioneller Siedlung und fehlender formeller Ausbildung vorgebracht.

Kulturen

Es gibt drei wesentliche Aspekte für die Entscheidung über den Anbau bestimmter Kulturen: Ernährungssicherung für die Familie durch eigene Nahrungsmittelproduktion, Schaffung monetären Einkommens zum Kauf von Nahrungsmitteln und zu einem geringeren Teil Schaffung von monetärem Einkommen zur Deckung zusätzlichen Bedarfs. Um diese Anforderungen zu erfüllen, versuchen die Bauern jegliche Produktions- oder Vermarktungsrisiken zu vermeiden. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Entscheidungsfindung zum Anbau von Kulturen ist die Schaffung von Landnutzungssicherheit. Sobald dies möglich wurde, kehrten viele Bauern auf ihre alten Felder zurück und rehabilitierten ältere oder gründeten neue Obstbaumpflanzungen (Banane, Mango, Zitrus).

Die wichtigsten Kulturen, die in den Untersuchungsgebieten angebaut werden, sind in der Reihenfolge der von den Bauern genannten Wichtigkeit: Mais, Sorghum, Nhemba-Bohnen, Maniok, Süßkartoffeln, Zuckerrohr, Bananen, Erdnüsse, Butterbohnen, Tomaten, Zwiebeln, Orangen und Mangos. Viele andere Kulturen werden auf einigen Feldern angebaut, sind aber von untergeordneter Bedeutung (z.B. Sonnenblumen und Kürbisse). Während fast alle dieser Kulturen für die eigene Ernährung und zu einem geringeren Teil für die Vermarktung von Bedeutung sind, wird Maniok von den Bauern nicht gerne verzehrt. Der größte Teil der Maniokernte wird an Außenstehende verkauft. Die wichtigste Vermarktungskultur ist jedoch die Banane.

Trockenfeldbau auf hochgelegenen Flächen wird extensiv betrieben, Brache ist verbreitet. Diese Anbauform wird durch Mischkulturen charakterisiert. Verbreitet sind dabei die Kombinationen Mais-Sorghum, Mais-Sorghum-Nhemba-Bohnen, Mais-Sorghum-Kürbis, Mais-Nhemba-Bohnen, Mais-Erdnüsse. Maniok wird in der Regel auf der Feldgrenze gepflanzt und nicht mit anderen Kulturen gemischt. In Depressionen wird der Anbau intensiver betrieben und das Land permanent genutzt. Vielfachkulturen sind die dominierende Landnutzungspraxis in Abhängigkeit des Typs der baixa. Die Bauern unterschieden zwischen zwei Typen von baixas: feuchte und weniger feuchte baixas. Die feuchten baixas zeigen die intensivsten Anbauformen. Im allgemeinen sind die Bauern nicht in der Lage, genaue Größenordnungen für die Ernte anzugeben. Die Produktion wird in Einheiten wie Säcke pro Feld oder pro Ernte sowie in anderen Maßeinheiten (z.B. Dosen pro Jahr) geschätzt. Mischanbau und multipler Anbau erschweren die Abschätzung der Ernte für die Bauern, da hierbei die Mengen für jede einzelne Kultur gemessen werden müßten.

Tiere

Entsprechend der Berichte der Bauern wurden Rinder während der Kolonialzeit nur in einigen Teilen des Gebietes gehalten. Sie dienten in erster Linie der Verfügbarkeit von Zugkraft. Das gesamte Gebiet gilt als stark durch die Tsetse-Fliege belastet. Nach der Unabhängigkeit und besonders während des Krieges gingen die Aktivitäten zur Tsetse Bekämpfung besonders wegen des Sicherheitsrisikos drastisch zurück. Zum Zeitpunkt der Untersuchung wurden in diesem Gebiet keine Rinder gehalten. Rinder wurden durch Ziegen ersetzt, die resistent gegenüber Trypanosomiasis sind. Aufgrund der Ackerflächendichte und der befürchteten Schäden an Kulturpflanzen werden Ziegen in der Regel angebunden. Die zusätzliche Arbeitskraft, die durch diese Praxis benötigt wird, limitiert die Anzahl der Ziegen pro Familie.

Einige Bauern in den Untersuchungsgebieten halten Schweine. Diese gelten als gute zusätzliche Einkommensquelle. Schweinehaltung ist relativ risikoreich aufgrund häufig auftretender Krankheiten. In den letzten Jahren ist eine große Zahl von Schweinen durch den Ausbruch einer Schweinefieberepidemie getötet worden. Die verbreitetsten Haustiere sind Hühner. Jeder Bauer versucht, soviele Hühner wie möglich zu halten. 1994 wurde nach dem Ausbruch einer Epidemie der Newcastle-Krankheit fast der gesamte Hühnerbestand der Region vernichtet. Anfang 1995 begannen die meisten Bauern wieder mit der Haltung von Hühnern. Zusätzlich dazu begannen viele Bauern auch mit der Entenhaltung, da diese nicht von der Newcastle-Krankheit betroffen werden. Schweine, Hühner und Enten werden ohne besondere Pflege frei gehalten. Tierhaltung findet hauptsächlich zur Deckung des Eigenbedarfs an Fleisch statt, der Verkauf von Hühnern ist jedoch weit verbreitet. Während Schweine in der Regel in Form von Fleisch vermarktet werden, werden Ziegen, Hühner und Enten lebend verkauft.

Der Gebrauch von Dung ist nicht weit verbreitet. Nur wenige Bauern sammeln Ziegendung zur Verwendung in ihren Hausgärten. In den Untersuchungsgebieten konnte kein integriertes Landnutzungssystem mit einem Zusammenspiel von Tierhaltung und Pflanzenproduktion identifiziert werden.

Die Ebenen sind durch einen nennenswerten Wildbestand gekennzeichnet. Die für die Bauern bedeutendsten Wildtiere sind verschiedene Gazellenarten sowie Guinea Fowls. Die Jagd von Wildtieren ohne Lizenz ist illegal. Der Provinzdienst für Forst- und Wildwesen (SPFFB) hat in jüngster Zeit begonnen, illegale Jagd und Verkauf von Fleisch zu bestrafen. Trotzdem ist dieser Landnutzungstyp unter den Bauern der Region weit verbreitet. Am Ende der Trockenzeit legen die Jäger des Familiensektors Feuer im Buschland und Wäldern. Diese Feuer werden weder kontrolliert noch in irgendeiner Form gesteuert, so daß unbeabsichtigte Brände in dieser Zeit weitverbreitet sind. 1994 wurde eine große Anzahl an Häusern, Getreidespeichern und Bananenpflanzungen durch Brände zerstört. Auf der einen Seite gibt es keinerlei Regeln oder Kontrolle von Feuer, auf der anderen Seite wird jeder, der nachgewiesenermaßen das Eigentum eines anderen durch Feuer vernichtet, zur Kompensation verpflichtet. Die Verpflichtung zur Kompensation wird sowohl von traditionellen Autoritäten als auch vom formellen Sektor verhängt.

Bäume

In Gebieten um konsolidierte Dörfer herum kommen einheimische Baumarten kaum vor. Intensive Bewirtschaftung verhinderte in den letzten Jahrzehnten jeglich Regenerierung von Baum- oder Strauchvegetation. Mit zunehmender Entfernung von den Siedlungen nimmt die Baumvegetation zu. Da das Fällen von Bäumen mit einem ökonomischen Wert wie z.B. Milettia stuhlmannii (Panga Panga) und Pterocarpus angolensis (Umbila) per Gesetz verboten ist, können einzelne Exemplare dieser Bäume auf den Feldern vorgefunden wurden. Eine Lizenz zur Nutzung dieser Bäume kann bei dem SPFFB erworben werden. Werden diese Bäume auf dem Land eines Familienbauern durch einen Lizenznehmer gefällt, profitiert der Bauer davon nicht. Aus diesem Grunde sind die Familienbauern auch nicht an der Pflanzung einheimischer Baumarten von ökonomischem Wert interessiert. Die Aufzucht von Panga Panga aus Samen gilt als relativ leicht.

In den Ebenen nimmt der Nutzholzeinschlag durch Konzessionäre ebenso zu wie legale und illegale Ernte von Brennholz für die Märkte von Gondola und Chimoio. Da die comunidades in keiner Weise von diesen Aktivitäten profitieren, ist ihr eigenes Verhalten in Bezug auf Waldmanagement ebenso durch Raubbau gekennzeichnet. In den traditionellen comunidades haben Wälder - mit Ausnahme von traditionellen Orten wie Friedhöfe oder Zeremonienplätze - keinen besonderen Wert.

Die einzigen angepflanzten Bäume in den Untersuchungsgebieten sind Obstbäume. Dabei kann ein einzelner Haushalt mehr als 15 Obstbäume, die um das Gehöft herum gepflanzt sind, aufweisen. Fast alle Obstbäume sind sehr alt und zeigen keinerlei Anzeichen von Pflege, besonders in den wieder erschlossenen Gebieten. Eine Ausnahme bildet hier die Bananenstaude, die wie ein Obstbaum gesehen wird. Bananen werden auf allen Standorten, die dafür geeignet erscheinen, extensiv angebaut. In der lokalen Sprache wird die Banane auch "Geldmacher" genannt. Sie hat sich zu einer strategischen Kultur in vielen Teilen der Landschaft entwickelt, besonders intensiv in den feuchten baixas. Bananenpflanzungen gelten unter der Bevölkerung als Statussymbol.

Wasser

Wasserversorgung durch geschützte Einrichtungen ist lediglich in den früheren aldeias comunais in Form von zwei Bohrlöchern gegeben. In allen anderen Gebieten muß Wasser dort geschöpft werden, wo es natürlich vorkommt. Die meisten Flüsse gelten als temporär, so daß die Orte, Entfernungen und benötigte Zeit zum Wasserholen im Laufe des Jahres stark variieren. Wenn eine verbesserte Wasserversorgung nicht zur Verfügung steht, holen die Frauen das Wasser in der Regel direkt aus den Flüssen. Familien, die Zugang zu einer feuchten baixa haben, graben kleine, ungeschützte Brunnen. Diese Tätigkeit ist extrem zeit- und arbeitsaufwendig.

Heutzutage ist die Verwendung von Wasser zu Bewässerungszwecken nicht verbreitet. Lediglich in feuchten baixas wird in der Trockenzeit Gemüse im Bewässerungsgartenbau produziert. Die am weitesten verbreitete Form der Nutzung der feuchten baixas, der Bananenanbau, wird nicht bewässert. In einigen Teilen der Untersuchungsgebiete können noch kleinere Dämme oder Wehre aus der Kolonialzeit gefunden werden. Diese gelten als Indikatoren für eine weite Verbreitung von Bewässerungslandwirtschaft während dieser Zeit. Heute ist die gesicherte Versorgung mit Trinkwasser eines der Hauptanliegen der örtlichen Bevölkerung.

Brennholz

Die intensivste Form des Brennholzeinschlages wird von kleinen und mittleren Händlern vorgenommen, die die Märkte der urbanen Gebiete von Gondola und Chimoio versorgen. Den lokalen comunidades ist in den meisten Fällen nicht bekannt, ob diese über eine Lizenz verfügen. Im allgemeinen ist ein Bewußtsein über die Notwendigkeit der Pflanzung von Bäumen (mit Ausnahme von Obstbäumen) nicht vorhanden. Frauen sind sich der Knappheit von Brennholz besonders in der Nähe der Dörfer bewußt. Wenn Brennholzressourcen knapp werden, äußern sie jedoch lediglich, daß die Wege länger werden. In allen Teilen der Untersuchungsgebiete wurde berichtet, daß es genügend Bäume zur Brennholznutzung gibt, unabhängig davon, ob diese offensichtlich im Überfluß oder selten vorhanden waren. Der zusätzliche Zeitbedarf für die Sammlung von Brennholz an entfernteren Orten ist zwar bekannt, führt aber nicht zu einer Änderung des Verhaltens.

Arbeitskraft

Da der Familiensektor fast ausschließlich auf Handarbeit beruht, ist die Verfügbarkeit von Arbeitskraft ein limitierender Faktor im Verlauf von verschiedenen Perioden innerhalb eines Jahres. Die wichtigsten Aktivitäten, die während der Anbausaison intensive Anforderungen an Arbeitskraft haben, sind:

  • Rodung und Landvorbereitung. Die verfügbare Arbeitskraft bestimmt die Größe des in der kommenden Saison nutzbaren Landes. Die Vorbereitung von intensiv genutzten Böden ist stellenweise arbeitsintensiver als das Roden von Brachland. Da die meisten roten und braunen Böden nach einigen Jahren Nutzung zur Oberflächenverschlämmung und -verkrustung neigen, erfordern diese Standorte eine intensive Bodenvorbereitung mit der Hacke. Aufgrund des Fehlens von Zugtieren ist der Pflug bei dieser Arbeit nicht relevant. Brachland wird durch Brandrodung vorbereitet. Größere Bäume und Baumstümpfe verbleiben auf den Feldern. Eine Bodenvorbereitung ist in der Regel aufgrund der porösen, gut strukturierten und durchwurzelten Böden nicht notwendig.
  • Unkrautbekämpfung. Diese Aktivität wird in der Regel zwei bis drei Mal pro Vegetationsperiode durchgeführt. Die ersten zwei Arbeitsgänge sind unbedingt notwendig für eine gute Pflanzenentwicklung. Arbeitskraftmangel während dieser Zeit hat einen signifikanten Einfluß auf Erträge und Qualität. Um einen negativen Einfluß durch Unkräuter zu verhindern, wenden die meisten Bauern verschiedene Methoden an, um zusätzliche Arbeitskraft zu erhalten. Der dritte Arbeitsgang wird oftmals vernachlässigt, spät auflaufende Unkräuter werden mit Beginn der nächsten Saison verbrannt.
  • Schädinge und Krankheiten. In neu- oder wiedererschlossenen Gebieten sind Affen ernstzunehmende Schädlinge. Sorghumfelder werden oftmals von Vögeln heimgesucht. In diesen Gebieten gehen Kinder in der Regel deshalb nicht zur Schule [FN 176], weil sie diese Tiere aus Gärten und Feldern vertreiben müssen. Jüngere Familien mit wenigen Kindern müssen entscheiden, ob sie auf zusätzliche Arbeitskraft zurückgreifen, oder Ernteausfälle riskieren.
  • Ernte. Die traditionelle Methode der Maisernte erfordert weniger Arbeitskraft als eine "modernere" angepaßtere Technik. Die Bauern lassen in der Regel die Kolben an den Pflanzen trocknen und ernten in mehreren Intervallen, so daß weniger Arbeitskraft zur selben Zeit notwendig ist. Diese Technik beinhaltet allerdings ein hohes Nachernterisiko. Die Durchführung der Ernte in einem Arbeitsgang und Trocknung und Lagerung an einem geschützten Ort erfordert zusätzliche Arbeitskraft innerhalb einer kurzen Zeitspanne für Ernte und Transport, verspricht aber weniger Nachernteschäden.
  • In jedem Fall muß der Bauer eine Entscheidung über Investition in zusätzlicher Arbeitskraft treffen. Nur wenige Bauern denken dabei im Schema einer gewissen Kosten-Nutzen-Analyse. Der Landvorbereitung und den ersten zwei Arbeitsgängen der Unkrautbekämpfung werden oft der Vorzug gegeben. Viele der bessergestellten Bauern heuern Gelegenheitsarbeiter an. Die verbreitetste Art Arbeitskräfte zu bekommen sind sogenannte "work for beer arrangements". Ein Bauer lädt Freunde und Nachbarn zur Arbeit während des Tages und einer anschließenden Feier mit Speisen und traditionellem Bier ein.

Vermarktung

Die meisten Bauern haben die Vermarktung ihrer Produkte zum Ziel. Die zu vermarktende Menge wird nach der Ernte bestimmt. Dabei wird der Bedarf der Familie bis zur nächsten Ernte geschätzt und von der Gesamternte abgezogen. Einige Bauern verkaufen mehr als den jeweiligen Überschuß, um einen dringenden Geldbedarf zu decken. Im allgemeinen werden landwirtschaftliche Produkte gleich nach der Ernte verkauft, wenn die Preise ihren absoluten Niedrigstand haben. Die Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten für einen späteren Verkauf kommt nicht vor.

Die Bauern vermarkten ihre Produkte individuell, sie bilden keine Gruppen und treffen keine Preisabsprachen. Händler, die in einem Gebiet landwirtschaftliche Produkte aufkaufen, können deshalb relativ niedrige Preise erzielen. Es fehlt allgemein an Vermarktungs- und Transportmöglichkeiten. Die einzige Ausnahme bildet in Macate ein Kommitee zur Vermarktung von Bananen. Viele Bauern mißtrauen dieser Organisation jedoch aufgrund der Einbeziehung der staatlichen Verwaltung. Sie berichten von schlechten Erfahrungen mit staatlichen Vermarktungsorganisationen in der Vergangenheit. Bananen bilden eine der Hauptquellen für monetäres Einkommen der Familien. Während Maniok und Bananen vorwiegend an Außenstehende verkauft werden, werden Mais, Sorghum (in Form von Bier), Gemüse und Tierprodukte sowohl auf lokalen Märkten als auch an Außenstehende verkauft. Zwischen den Familien hat sich außerdem eine Art Tauschhandel entwickelt.

Schaffung von monetärem Einkommen

Viele Bauern geben an, zusätzliches Einkommen zu benötigen, um die verschiedensten Bedürfnisse zu befriedigen. Die meisten Familien sind mit landwirtschaftlichen Aktivitäten voll ausgelastet, besonders diejenigen, die Zugang zu einer baixa haben. Trotzdem bevorzugen sie zusätzliches Einkommen aus nichtlandwirtschaftlicher Tätigkeit, da dieses flexibler gehandhabt werden kann und einen festen Wert hat. Fast ausschließlich die Familien, die in der Nähe urbaner Zentren leben, haben die Möglichkeit, eine bezahlte Anstellung zu bekommen. Diejenigen, die in abgelegeneren Gebieten leben, versuchen sich mit verschiedenen Geschäften einen Markt innerhalb der comunidade zu erschließen.

Eine weit verbreitete Aktivität ist die Herstellung alkoholischer Getränke wie traditionelles Sorghum-Bier oder Nipa, ein Schnaps aus Früchten und Getreide. Besonders an Wochenenden werden diese Getränke an Plätzen mit improvisierten Diskotheken verkauft. Im gesamten Gebiet, wie überall in der Provinz, schießen kleine Kioske aus dem Boden. An diesen Orten wird nahezu alles verkauft, in der Hauptsache jedoch Lebensmittel. Weitere Einkommensquellen sind die Produktion von Handwerksgegenständen, der Handel mit Second-Hand Kleidung sowie die illegale Jagd. Steigender Beliebtheit erfreut sich in einigen Gebieten der illegale Verkauf von Land [FN 177]. Die meisten dieser Aktivitäten werden von jüngeren Leuten durchgeführt und beschränken sich auf die Trockenzeit, wenn mehr Zeit und Geld zur Verfügung stehen.

4.2.1.5 Wesentliche Probleme aus der Sicht der Familienbauern

Die Bauern unterscheiden zwischen zwei Hauptproblemen: Probleme des täglichen Lebens und landwirtschaftliche Probleme in Verbindung mit dem Betriebssystem.

Probleme des täglichen Lebens und Lösungsvorschläge der Bauern

  • Schlechte physische und soziale Infrastruktur. Es wird erwartet, daß die Infrastruktur zumindest bis zum Niveau der Zeit vor der Unabhängigkeit wieder aufgebaut wird. Dies sollte durch den Staat oder diejenigen, "die viel Geld haben" durchgeführt werden. Selbsthilfeansätze sind nicht beliebt. Die Menschen fühlen sich für die Infrastruktur nicht verantwortlich.
  • Zurückgehende Land- und Nutzungssicherheit. Für jegliche Unsicherheit bezüglich des Landes wird die Regierung verantwortlich gemacht. Die Geschichte hat den Bauern gezeigt, daß Regierungsstellen immer beteiligt waren, wenn sie Land oder Nutzungsrechte verloren haben. In Zukunft wird deshalb erwartet, daß die Regierung den Familienbauern Land und Nutzungsrechte garantiert.
  • Schwache Organisationsstruktur der comunidades. Seit die régulos ihre Macht ganz oder teilweise verloren haben, nahm die Destabilisierung der comunidades zu. Die Mehrheit der Familien möchte gut organisierte comunidades leben, wo Recht und Ordnung durch eine starke traditionelle Autorität kontrolliert und gewährleistet werden.

Landwirtschaftliche Probleme und Lösungsvorschläge der Bauern

  • Mangel an landwirtschaftlichen Produktionsmitteln. Es wird ein Mangel an allen landwirtschaftlichen Gütern beklagt. Die Regierung und Hilfsorganisationen sollen Basiswerkzeuge und Saatgut zur Verfügung stellen. Eine Gruppe von Bauern sieht das Problem lediglich in der Verfügbarkeit dieser Güter und ist bereit, dafür zu bezahlen. Eine andere Gruppe fühlt sich für ihre Situation nicht verantwortlich und erwartet deshalb eine kostenlose Verteilung.
  • Schlechte und unzuverlässige Niederschläge, Krankheiten und Schädlinge. Seit der Unabhängigkeit sind traditionelle Tabus oft verletzt worden, und es gab Krieg. Die Zeremonien konnten nicht länger angemessen durchgeführt werden. Die Bauern glauben deshalb, daß sie für ihr Verhalten in den letzten Jahrzehnten von Gott (oder den Göttern) bestraft werden. Sie erwarten, daß die Zeremonien wieder vollständig aufgenommen werden können, damit sich die Situation normalisiert.
  • Mangel an Vermarktungsmöglichkeiten. Transport, dezentrale Marktplätze und verläßliche, adäquate Preise für landwirtschaftliche Produkte sind Hauptengpässe. In diesem Bereich geben die Bauern der Regierung die volle Verantwortung.