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Dirk Effler (1996): Bodenrecht, Bodenordnung und Landnutzungsplanung 3.2.2 Methoden für Landnutzungsplanung und Bodenordnung Die in der Provinz Manica bisher in verschiedenen Projekten [FN 147] angewandten Methoden konzentrieren sich - gemäß dem Planungs- und Implementierungsstand - vorwiegend auf Erhebungsmethoden für LNP und Bodenordnung. Im folgenden werden einige Methoden kurz vorgestellt, die sich als erfolgreich bzw. angepaßt erwiesen haben. Sie können entsprechend ihren Anwendungsbereichen geordnet werden. Quellenauswertung Die Auswertung von Quellen und vorhandenen Materialien und Daten spielte bei allen Ansätzen eine wesentliche Rolle als Einstieg in die Untersuchungen. Für die Provinz Manica - wie auch für viele andere Gebiete in Mosambik - wurden bereits sehr viele Untersuchungen durchgeführt, so daß Daten zu den verschiedensten Bereichen vorliegen. Da die meisten dieser Untersuchungen jedoch nicht abgestimmt oder koordiniert waren und von unterschiedlichen Organisationen und Institutionen auf verschiedenen Ebenen durchgeführt wurden, waren Duplikationen und Überschneidungen die Regel. Maßstabsebenen und Detaillierungsgrade variieren, und die angewandten Methoden sind oftmals nicht kompatibel. Von dem vorhandenen Material ist bisher nur ein Teil systematisch aufbereitet und zugänglich gemacht worden. Daten zur naturräumlichen Gliederung sowie ökologischen Faktoren und der Landnutzungsgeschichte der Provinz wurden bisher am intensivsten ausgewertet [FN 148]. Die Beschaffung und Auswertung vorhandener Quellen liefert das Daten- und Informationsgerüst und bestimmt, welche Daten - im Hinblick auf das Ziel - noch zu erheben sind. Systematische Erfassung und Bewertung des Materials führen zu einer gezielten Auswahl der zu analysierenden Quellen. Alle Ansätze waren hinsichtlich der Quellenbeschaffung und -analyse mit einem relativ knappen Zeit- und Finanzbudget ausgestattet. Eine vollständige und systematische Auswertung war deshalb nicht möglich. Fernerkundung Fernerkundungsmethoden wie z.B. Interpretation von Luft- und Satellitenbildern wurden bei bisherigen Arbeiten nur punktuell und in begrenztem Maße, meist als Test- oder Pilotmaßnahme, angewandt. Satellitenbildauswertung[FN 149] bildete den Kern einer Untersuchung der Landnutzungsveränderungen im Beira-Korridor [FN 150]. Diese Untersuchung wurde am Institut für Umwelt und Fernerkundung (ERSI) in Harare, Zimbabwe, in Kooperation mit MARRP durchgeführt und beinhaltete Feldchecks in einigen zugänglichen Gebieten in der Provinz Manica. Dabei wurden aufwendige Techniken der Bild- und Datenverarbeitung eingesetzt, die auch einen entsprechenden Ausbildungsstand der Benutzer verlangten. Auf Provinzebene sind in Mosambik für derartige Arbeiten weder die technischen noch die personellen oder finanziellen Möglichkeiten gegeben. Das nationale Kartographiezentrum in Maputo (CENACARTA) ist im Begriff, mit Unterstützung der französischen Entwicklungszusammenarbeit, ein Fernerkundungszentrum mit Satellitenbildauswertung aufzubauen. Die vorhandenen Kapazitäten erlauben momentan noch keine Auftragsarbeiten für Projekte in den Provinzen. Bei der Datenerhebung in Gondola und Mossurize wurden Satellitenbilder zur Feststellung von Vegetations- und Siedlungsdichte sowie zur Landschaftszonierung verwendet. In Gondola kamen monochromatische SPOT-Bilder von 1992 im Maßstab 1:250.000 zur Anwendung. Diese erwiesen sich aufgrund der schwachen Auflösung nur als bedingt geeignet und im Maßstab zu klein. Eine in Mossurize verwendete Aufnahme des Landsat-TM von 1992 in Falschfarbendarstellung, Maßstab 1:250.000, erwies sich dagegen als hervorragend geeignet für die Identifizierung von Landschaftsszonen, Vegetationsformen und Siedlungs- und Landnutzungsmustern. In beiden Fällen handelte es sich um Versuche, diese Techniken für Untersuchungen und Planungen auf lokaler Ebene einzusetzen. Da sowohl die SPOT- als auch die Landsat Aufnahmen bereits vorhanden, digital bearbeitet und als Papierbild produziert waren [FN 151], fielen auch nur geringe Kosten zur Herstellung von Kopien an. Die Beschaffung und Aufbereitung der Daten sowie die Herstellung von Bildern stellen jedoch für den Gebrauch bei einer einfachen Datenerhebung einen erheblichen Kostenfaktor dar, weshalb diese Technik nur als bedingt geeignet betrachtet werden kann. Luftbildinterpretation unterliegt nahezu den gleichen Problemen wie die Satellitenbildauswertung. Die für Mosambik vorhandenen Luftbilder von 1960 bis 1965 im Maßstab 1:35.000 bis 1:45.000 haben heute eher historischen Wert. Sie sind jedoch gut geeignet, um naturräumliche Grenzen zu identifizieren und alte Siedlungs- und Landnutzungsmuster nachzuvollziehen. Ihre Beschaffung stellt - trotz günstiger Kosten - ein Problem dar. Luftbilder unterliegen der militärischen Geheimhaltung, ihre Freigabe bedarf daher einer Genehmigung des Verteidigungsministeriums. Der bürokratische Aufwand zur Beschaffung der alten Luftbilder ist außerordentlich hoch. Material und Instrumente zur Luftbildinterpretation sind in der Provinz Manica nicht vorhanden. Für die Herstellung neuer Luftbilder und deren Auswertung gilt die gleiche Einschätzung hinsichtlich des Material-, Personal- und Finanzbedarfs wie für die Beschaffung neuer Satellitenbilder . Eine einfachere und kostengünstigere Form der Fernerkundung wurde im Rahmen einiger Studien im Auftrag des MARRP angewandt [FN 152]: Die Überfliegung des Untersuchungsgebietes zur Gewinnung eines ersten Überblicks und zur Identifizierung von Gebieten für Detailuntersuchungen. Dabei erwies sich die Nähe zur Grenze mit Zimbabwe als sehr vorteilhaft. Dort stationierte Agrarflugzeuge einer kommerziellen Farm konnten kurzfristig und kostengünstig eingesetzt werden, um die grenznahen Gebiete zu erfassen. Vergleichbare Möglichkeiten existieren in anderen Teilen Mosambiks nicht. Aufgrund der schwierigen Genehmigungsverfahren wäre diese Technik auch in weiter von der Grenze entfernten Gebieten nicht einsetzbar [FN 153] oder erheblich teurer [FN 154]. Naturwissenschaftliche Untersuchungen Diese Form der direkten Datenerhebung ist die genaueste und zuverlässigste Weise der Beschaffung von ökologischen Informationen. Sie hat sich jedoch auch als äußerst zeitaufwendig und nicht überall anwendbar herausgestellt. Bei der Datenerhebung im Rahmen des Pre-Programme in Gondola wurden Experten aus Maputo eingesetzt, um detaillierte boden- und vegetationskundliche Untersuchungen durchzuführen [FN 155]. Die bodenkundliche Untersuchung war zur Zeit der Durchführung [FN 156] besonders schwierig, da auf Provinzebene noch keine Möglichkeiten für eine Untersuchung von Bodenproben bestanden. Auch die bei INIA in Maputo durchgeführten Analysen konnten nicht vollständig ausgeführt werden, da die Kosten den finanziellen Rahmen des Pre-Programme überstiegen hätten. Des weiteren waren zu diesem Zeitpunkt nur wenige Bereiche in der Region Gondola-Sul sicher für die Entnahme von Bodenproben und Beschreibung von Profilen zugänglich [FN 157]. Des weiteren wurde eine bodenkundliche Untersuchung mittleren bis hohen Detaillierungsgrades als zu zeitaufwendig eingestuft, um großflächig durchgeführt werden zu können. Sie ist dagegen gut für intensive Stichprobenanlysen im Rahmen einer semi-detaillierten Vorgehensweise geeignet, um z.B. genaue Werte für Indikatoren zu liefern. Eine detaillierte Vegetationsanalyse erbrachte die gleichen Erfahrungen bezüglich ihrer Durchführbarkeit wie die Bodenuntersuchung. Auch hier standen ein hoher Zeitaufwand und begrenzte Zugänglichkeit des Gebietes den Zielen einer großflächigen Erhebung entgegen.Im Pre-Progamm wurde deshalb vorgeschlagen, auf andere Methoden wie z.B Fernerkundung mit stichprobenhaften Feldchecks auszuweichen oder sich auf vorhandenes Material zu stützen und eine gewisse Unvollständigkeit oder einen geringeren Detaillierungsgrad in Kauf zu nehmen. Sozio-ökonomische Analyse mittels strukturierter Interviews und Fragebögen Ebenfalls im Rahmen des Pre-Programme in Gondola wurde eine Untersuchung der sozio-ökonomischen Bedingungen von einem Experten aus Maputo durchgeführt. Entgegen dem Vorschlag des LNP-Teams, einen partizipativen Ansatz zu verfolgen, wurden einzelne Bauern, traditionelle Führer und lokale staatliche Autoritäten anhand eines Fragebogens befragt [FN 158]. Da die einzelnen Ergebnisse in Maputo ausgewertet wurden und bis zum Ende der Aktivitäten des Landnutzungspanungs-Teams nicht vorlagen, kann eine genaue Einschätzung der Eignung dieser Methode nicht vorgenommen werden. Beobachtungen während der Durchführung sowie Diskussionen mit den beteiligten Bauern und lokalen Autoritäten in der Folgezeit ergaben jedoch, daß eine solche streng gegliederte und vorstrukturierte Methode für die Erhebung von sozio-ökonomischen Transformationsprozessen unter den in der Provinz Manica vorherrschenden Rahmenbedingungen nur sehr bedingt geeignet ist. Viele der befragten Personen äußerten entweder während der Interviews oder bei späteren Treffen ihren Unmut darüber, daß sie nicht frei erzählen konnten, was für sie in dem Augenblick der Befragung wichtig war. Durch die Frage-Antwort-Situation und die Benutzung eines sichtbaren Fragebogens hatten viele Bauern den Eindruck, es handele sich um ein "Verhör" durch höhere Autoritäten aus der Hauptstadt und waren mit ihren Antworten sehr zurückhaltend. Es konnte beobachtet werden, daß Bauern Dinge, die sie bereits bei Gruppentreffen im Rahmen des offenen Ansatzes [FN 159] gesagt hatten, bewußt verschwiegen oder dazu andere Angaben machten [FN 160]. Diese Methode wird vorläufig als wenig geeignet für eine lokal orientierte partizipative Planung eingeschätzt. Für Planungen auf höherer Ebene wird sie als bedingt geeignet beurteilt. Sie liefert zwar mehr quantitative Daten als andere Methoden, ist aber sehr zeitaufwendig. Es ist zu empfehlen, die Informationen durch Gegenproben mit partizipativen Methoden zu überprüfen, da unter den gegebenen Bedingungen in der Provinz Manica der Wahrheitsgehalt von quantitativen Befragungen einzelner Bauern zumindest angezweifelt werden kann, wenn diese dabei Angaben über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse machen sollen.
Offener, partizipativer Ansatz in Anlehnung an das PRA-Konzept mit semi-strukturierten und unstrukturierten Interviews, offenen Gesprächen und Diskussionen Diese Methode wurde bei Datenerhebungen in Gondola und in Mossurize angewandt. Ziel war es, in einem ganzheitlichen Ansatz Informationen zu den Lebensumständen und der Landnutzung und Bodenordnung als Basis für weitergehende Untersuchungen sowie eine spätere Planung [FN 161] zu erhalten. Der Schwerpunkt dieser Methode lag auf der Orientierung an einer Checkliste, die von den Untersuchungsteams vorher ausgearbeitet worden war. Sie bildete den "roten Faden" für das inhaltliche Vorgehen während des Gesprächs mit einer Person oder einer Gruppe. Der Verlauf des Gesprächs wurde von den Zielgruppen bestimmt, der Ansatz war für alle Richtungsänderungen durch die Gesprächspartner offen. Auch die Dauer wurde ausschließlich dadurch bestimmt. In vielen Fällen entstand aus einem Gespräch, das sich zunächst noch an Fragen und Antworten - gemischt mit Erzählungen - orientierte, eine intensive Diskussion über einzelne Themen. Diese Methode wurde sowohl von Einzelpersonen (Männern und Frauen), als auch von Familien und Gruppen sehr positiv aufgenommen. Beim abschließenden Meinungsaustausch über den Verlauf des Gesprächs wurde oft eine große Zufriedenheit mit der Offenheit des Ansatzes geäußert, die in dieser Form bislang noch nicht erfahren worden war. Die Methode eignet sich weniger für eine systematische Erfassung quantitativer Daten zu spezifischen Themen. Sie liefert vielmehr ein breites Spektrum oft nicht untereinander vergleichbarer qualitativer Informationen. Durch die Anwendung des offenen Ansatzes wird einerseits der Zugang zu den Zielgruppen gefördert, da diese die eigentlichen Akteure bei der Erhebung sind. Andererseits jedoch wird die Anwendbarkeit der Methode unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten erheblich eingeschränkt, wenn sie ausschließlich für eine Datenerhebung verwendet wird, der keine weiteren Schritte folgen. Erfahrungen in Gondola haben gezeigt, daß durch das Auftreten eines Teams von fünf Personen [FN 162] in der comunidade in Verbindung mit dem offenen Ansatz, der viel Raum für die Bedürfnisse und Vorstellungen der Gesprächspartner läßt, auch Erwartungen geweckt werden. In den meisten Fällen wurde dem Team am Ende einer Diskussion eine "Wunschliste" mit auf den Weg gegeben. Auch die Betonung, daß die Durchführung der Untersuchung noch keine Implementierung von Projekten bedeutet, änderte wenig an den geweckten Erwartungen. Die Zielgruppen bestanden oftmals darauf, bei einem Folgetreffen über die geäußerten Wünsche zu diskutieren. Da in der Untersuchungsphase des Pre-Programme keinerlei Mittel für Unterstützungsleistungen zur Verfügung standen, nahm das Interesse der Familien an einer Mitarbeit bei einer LNP auf der Ebene der comunidade schnell wieder ab. Aufgrund dieser Erfahrungen sowie anderer Ausgangsbedingungen durch die Integration in die Partnerstruktur wurde die Methode des offenen Ansatzes in Mossurize u.a. dahingehend modifiziert, daß jeweils nur zwei Personen [FN 163] die comunidades besuchten. Auch in diesem Fall war die Erwartungshaltung der Familien grundsätzlich sehr hoch. Der Unterschied zu Gondola bestand jedoch darin, daß nicht die Präsenz des Teams die Erwartungen direkt auslöste. Die Familien hatten vielmehr aus ihren Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit [FN 164] im Zuge der Rückführung und Wiederansiedlung gelernt, daß der Besuch von Fremden in Verbindung mit Staatsbediensteten eine folgende Hilfeleistung nach sich zog oder zumindest zur Planung einer solchen durchgeführt wurde. Die Bereitschaft zur Teilnahme an Gesprächen und Diskussionen war sehr hoch. In einem Fall bestand der Familienvorstand sogar trotz eines Todesfalls [FN 165] auf der Einhaltung des vereinbarten Termins. Am Ende der Diskussion wurde dann jedoch vielfach angemerkt, daß die Frage nach den Wünschen und Bedürfnissen "vergessen" worden wäre. Der offene Ansatz kann abschließend betrachtet als eine sehr gute, zielgruppenorientierte Methode eingeschätzt werden. Sie weist eine hohe Akzeptanz auf und fördert den Dialog. Die Ergebnisse zeigen ein breites Spektrum von Aspekten der Lebensumstände in den comunidades. Die Anwendung erscheint jedoch nur im Zusammenhang mit der Planung von Maßnahmen, deren Implementierung gewährleistet werden kann, sinnvoll. Als reine Erhebungsmethode ist der offene Ansatz vor dem Hintergrund der Situation in der Provinz Manica weniger geeignet. Teilnehmende Beobachtung (innerhalb des offenen Ansatzes) Die teilnehmende Beobachtung hat sich insbesondere bei der Arbeit mit dem Beratungsdienst in Mossurize als eine hervorragende Methode der Informationsgewinnung herausgestellt. Zunächst mehr aus Zeitgründen [FN 166] angewandt, wurde sie später zum festen Bestandteil der Untersuchungen. Während der Landwirtschaftsberater seiner Arbeit nachging, bestanden ausgezeichnete Möglichkeiten zur Beobachtung von Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Gegebenheiten in der Umgebung der Familiengehöfte bzw. der Gruppentreffpunkte. Des weiteren entstanden in diesem Zusammenhang immer wieder Einzel- und Gruppengespräche, die das Beobachtete vertiefen oder erklären konnten und den Einstiegspunkt für den offenen Ansatz bildeten. Viele Beobachtungen wurden auch bei Begehungen oder Fahrten in den Untersuchungsgebieten gemacht. Die Beobachtungen wurden grundsätzlich am Ende der Arbeit diskutiert und festgehalten. Die teilnehmende Beobachtung vermittelt einen direkten Einblick in die Situation in einem Gebiet, ohne dabei die Nachteile des offenen Ansatzes allein zu beinhalten. Sie ist deshalb - am besten in Kombination mit anderen Methoden - für die gegebene Zielsetzung gut geeignet. Gemeinsame Begehungen (innerhalb des offenen Ansatzes) Eine Methode zur Erfassung von Landnutzung und Bodenordnung sowie zur Problemanalyse ist die Begehung eines Gebietes oder von Teilen davon mit den Gesprächspartnern. Sie wurde hauptsächlich bei der Arbeit in Mossurize mit Einzelpersonen oder Gruppen angewandt. Die Führung wurde dabei in der Regel dem Gastgeber überlassen, der die Ziele selbst aussuchte. Im Verlauf des begleitenden Gesprächs wurden Fragen nach spezifischen Einzelheiten [FN 167] gestellt, deren Besichtigung dann in die Begehung aufgenommen wurde. Begehungen in Gruppen werden besonders zur Untersuchung der Bodenordnung als vorteilhafter eingeschätzt als solche mit Einzelpersonen. Auf die Frage nach dem Land der Familie wird bei Einzelpersonen meist nur das aktuell genutzte Land gezeigt und auf Grenzen kaum Wert gelegt. Die Erklärungen beschränken sich auf Problembereiche innerhalb des Feldes oder der Felder der Familie oder Einzelperson. Bei Gruppenbegehungen wurden besonders die Grenzmarkierungen gezeigt, über Probleme mit Nachbarn gesprochen und auch auf von der Familie beanspruchtes, momentan nicht genutztes Land hingewiesen und dieses direkt mit anderen Mitgliedern der comunidade diskutiert. Auch diese Methode bietet einen sehr guten Einblick in die Lebensumstände der Familien und schafft eine gewisse Vertrauensbasis. Aber auch hier besteht eine Gefahr darin, daß durch ausbleibende Folgeaktivitäten einmal geweckte Erwartungen nicht erfüllt werden, was eine zukünftige Partizipation der Bauern verhindern kann. Die Nachhaltigkeit von Projekten, die sich dieser Methode in der Anfangsphase bedienen, ohne daß in einem angemessenen Zeitraum für die Zielgruppe sichtbare Vorteile entstehen, kann somit in Frage gestellt werden. Zu Planungsmethoden liegen bisher - wie bereits weiter oben beschrieben - nur sehr begrenzte Erfahrungen vor. Auf die "klassischen" Methoden der LNP wie Landeignungsbewertung oder Landzonierung soll hier nicht eingegangen werden. Diese kamen zwar in der Vergangenheit bei vereinzelten sogenannten Pilotplanungen [FN 168] zur Anwendung, die Pläne blieben jedoch nach ihrer Erstellung "in der Schublade". Sie wurden als Versuche von einem Planer oder Planungsteam erarbeitet, ohne daß die Zielgruppen aktiv daran beteiligt gewesen waren [FN 169]. Im Rahmen der Pre-Programme Aktivitäten wurden einige partizipative Planungsmethoden getestet, die Planung selbst blieb aufgrund fehlender Mittel zur gleichzeitigen Implementierung und damit sehr beschränkten Zukunftsperspektiven für die Bauern in der Startphase stecken. Daran änderte sich nichts, bis die Komponente Gondola des Pre-Programme de facto abgebrochen wurde. Die in Gondola eingesetzte Methode zur LNP bestand aus Workshops auf der Ebene der comunidades. Im Rahmen einer Sequenz von Workshops wurden verschiedene Aspekte von Landnutzung und Bodenordnung diskutiert und systematisiert. Die Elemente Geschichtsanalyse, Ressourcenmatrix, Problemanalyse, Priorisierung und Identifizierung von Lösungsvorschlägen spielten dabei eine entscheidende Rolle. Später sollten noch eine gemeinsame Ausweisung von Zonen mit prioritärer Landnutzung sowie die Identifizierung von kleineren Projekten zum Ressourcenschutz hinzukommen. Wie auch bei den partizipativen Erhebungsmethoden konnten zunächst eine außerordentlich hohe Beteiligung und ein großes Engagement verzeichnet werden. Bereits nach zwei Workshops mit einer comunidade wurde jedoch nach der konkreten Umsetzung von als dringend identifizierten Maßnahmen [FN 170] gefragt. In einer comunidade [FN 171] wurde die Erfüllung der "Wunschliste" zur Bedingung für eine weitere Beteiligung gemacht, in einer anderen [FN 172] blieben viele bisher aktiv mitarbeitende Personen den Folgetreffen fern, nachdem deutlich wurde, daß das LNP-Team nicht über die Mittel für Infrastrukturprojekte verfügt. Erste Erfahrungen mit partizipativen Planungsmethoden werden zur Zeit auch mit der Pilot-LNP des MARRP in Chicueia, Distrikt Manica, gesammelt. Für eine Auswertung war es jedoch zum Zeitpunkt der Erstellung der vorliegenden Studie noch zu früh. Ende Februar/ Anfang März 1996 soll eine interne Evaluierung die vorläufigen Ergebnisse und Erfahrungen dieses Projekts aufarbeiten [FN 173]. Partizipative Methoden der Implementierung von Planungsergebnissen parallel zur Planung oder in der Folge werden zur Zeit - als einziges Vorhaben in der Provinz - im Rahmen der Pilot-LNP in Chicueia getestet. Für bisherige Erfahrungen und Ergebnisse gilt das gleiche wie für die Planungsmethoden.
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